Home Film„Bad Apples“ – eine bitterböse Komödie über drastische Maßnahmen einer verzweifelten Lehrerin

„Bad Apples“ – eine bitterböse Komödie über drastische Maßnahmen einer verzweifelten Lehrerin

Autor: Tobi

"Bad Apples" Filmplakat (© 2026 Paramount Pictures)

Bad Apples

Darsteller: Saoirse Ronan, Eddie Waller, Nia Brown, Jacob Anderson
Regie: Jonatan Etzler
Dauer: 101 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.BadApplesFilm.de
Facebook: facebook.com/paramount.pictures.germany.kino
Instagram: instagram.com/paramount_pictures_germany
Kinostart: 10. September 2026


2023 legte der schwedische Regisseur Jonatan Etzler mit der Zeitschleifenkomödie „One More Time“ ein Langfilmdebüt vor, das beim Streaming-Anbieter Netflix weit besser aufgehoben war als im Kino, wofür der Streifen doch etwas zu wenig Biss gehabt hätte. Ganz anders verhält es sich nun mit seinem neuen Film „Bad Apples“, der völlig zu Recht auf der großen Leinwand zu erleben ist – und das nicht nur auf Grund der wieder einmal überzeugend spielenden Saoirse Ronan in der Hauptrolle.

Selbige lernen wir als noch junge Lehrerin Maria Spencer kennen, die ambitioniert und engagiert ihre Klasse von Zehnjährigen für verschiedene Themen zu begeistern versucht, hierbei aber immer wieder vom nicht nur aufmüpfigen, sondern bösartig den Frieden aller störenden und jegliche Lernatmosphäre sabotierenden Danny (Eddie Waller) eingebremst wird. Ob er nun beim Ausflug in die lokale Apfelmost-Produktions-Firma absichtlich seinen Turnschuh mit in die Verarbeitung schickt, während der Stunden mit Beleidigungen um sich wirft oder wie manisch Provokationen auf seinen Tisch kritzelt – der Junge ist ein absolutes Problemkind. Gesonderte Hilfe für dieses aber schlägt die Rektorin aus und ermahnt Maria, sie müsse die Situation in den Griff bekommen, wenn sie ihren Job behalten möchte.

Als Danny kurz darauf die Klassenstreberin Pauline (Nia Brown) die Treppe herunter schubst und ihr hierbei den Arm bricht, wird er der Schule verwiesen. Endlich – aber sein überarbeitet nicht genau hinhörender Vater Josh (Robert Emms) ignoriert die Geschehnisse und verspricht, der Junge sei am nächsten Tag wieder in der Schule. Dem ist allerdings nicht so, denn nachdem Danny u.a. auch auf Marias Auto einschlägt kommt es zu einer Verkettung von Ereignissen, an deren Ende sich die alleinstehende Lehrerin dazu entschließt, den Rotzlöffel in ihren Keller einzusperren.

Aus der Verzweiflungstat wird ein Daueraufenthalt, ist der Lernalltag doch nun schön und ruhig, wird Maria sogar bei einer externen Prüfung der Schule explizit lobend herausgehoben und gewinnt sogar ihr Ex, Kollege Sam (Jacob Anderson) wieder Interesse an der aufblühenden Pädagogin. Wie aber soll es mit dem Jungen in ihrem Keller weitergehen, der mal wütet, mal aber auch lernwillig scheint, parallel hierzu vom Vater und anderen gesucht wird. Und dann wäre da ja noch die auf ihre Weise auch anstrengende Pauline, die plötzlich bei Maria zu Hause auftaucht…

"Bad Apples" Szenenbild (Foto von: James Pardon © 2026 Paramount Pictures)

Maria (Saoirse Ronan)
(Foto von: James Pardon © 2026 Paramount Pictures)

Bei „Bad Apples“ handelt es sich um eine Adaption des Romans „De Oönskade“ von Rasmus Andersson, für die Leinwand in einem Drehbuch von Jess O’Kane aufbereitet. Mit viel schwarzem Humor wird uns hier eine Geschichte erzählt, die gut zu unterhalten weiß und bei der man sich immer wieder fragt, wie das Ganze denn wohl weiter und ausgehen mag. Eine gewisse Spannung wird also auch transportiert.

Wer kürzlich Jan Komasas starken Gesellschaftsthriller „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ gesehen hat, in dem ein diverse Schandtaten begehender und hierauf noch stolzer 19-Jähriger zur Bekehrung von einer fremden Familie in einem Keller angekettet wird, der fühlt sich unweigerlich an diesen Film erinnert, und doch ergeben sich hier ganz andere Dimensionen, ist die Ausgangssituation doch auch schon deutlich abweichend.

Was beide Streifen aber gemein haben ist, dass sie zu Diskussionen anregen. Wie geht man denn mit einem Systemsprenger wie Danny um, wenn keine Hilfe gewährt werden sollte? Was gibt das Schulsystem hier her, wo Integration und Inklusion ja auch immer wieder wichtige Faktoren sind. Im Fall von Maria kann man wohl einiges nachvollziehen, drohen ihr – die nicht zwingend ein mental ausgleichendes Privatleben zu haben scheint – doch Konsequenzen, und landet der Junge doch absolut ungeplant in ihrem Keller. Aber natürlich geht sie hiermit zu weit, wobei es ungemein interessant ist, wie sich das Ganze auswirkt, auf Danny, seinen Vater, Marias Umfeld und schließlich die andere Elternschaft, was in einer sehr speziellen, makaberen Highlight-Szene gipfelt.

„Bad Apples“ – vom Titel her ebenso auf den anfänglichen, im Chaos endenden Besuch der Apfelplantage bezogen wie auf verschiedene Zustandsmöglichkeiten der auch mal faulenden Früchte als Spiegel der Menschheit, die immer wieder mal eingeworfen werden – lässt sich nicht nur auf Grund der starken Saoirse Ronan, der man ihr persönliches Dilemma trotz genereller Realitätsferne des Ganzen voll abnimmt, und der ebenfalls überzeugend spielenden jungen Talente Eddie Waller und Nia Brown sehr gut anschauen.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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