
American Sweatshop
Darsteller: Lili Reinhart, Daniela Melchior, Joel Fry, Christiane Paul
Regie: Uta Briesewitz
Dauer: 100 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Facebook: facebook.com/PLAION.PICTURES
Instagram: instagram.com/plaionpictures
Kinostart: 30. April 2026
Mit „American Sweatshop“ legt die in Deutschland geborene, aber schon länger in Hollywood tätige Uta Briesewitz ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin vor. Erfahrungen hat die ab 1998 zunächst als Kamerafrau tätige und hierbei eine Emmy©-Nominierung verzeichnende Leverkusenerin aber auch schon in diesem Fach lange gesammelt, inszenierte sie ab 2009 doch für das Fernsehen schon reichlich Serien-Episoden, z.B. für „Stranger Things“, „This Is Us – Das ist Leben“, „The Deuce“ oder zuletzt „Fellow Travelers“.
Der Film nimmt uns mit nach Florida, wo die 25-jährige Daisy (Lili Reinhart) bei einer bekannten Video-Streaming-Plattform als Content-Moderatorin arbeitet. Tagtäglich sitzt sie in einem Großraumbüro mit vielen anderen, zumeist ebenfalls noch eher jüngeren KollegInnen aufgereiht an Tischen unter Kopfhörern vor Computern, um von Nutzern als gefährlich oder anstößig gemeldete Videos zu überprüfen und aus dem Internet zu löschen, wenn sie gegen die Regeln verstoßen.
Die meisten Videos arbeitet sie routiniert und gelangweilt ab, hin und wieder gibt es aber auch mal einen Clip, der sie bewegt – aber ein erlebnisreiches Privatleben mit Sex und Rauschmomenten lenkt gut ab. Als sie dann aber auf ein besonders brutales Video stößt, bei dem eine junge Frau gegen ihren Willen auf ekelhafte Weise misshandelt wird, da reicht ihr der simple Klick auf „Löschen“ nicht mehr, verfolgt sie der Clip doch sogar bis in ihre Träume. Daisy möchte, dass der Täter hierfür angeklagt wird, aber ihre Fake in Betracht ziehende Chefin (Christiane Paul) macht ihr klar, dass sie einfach ihrer Arbeit nachgehen solle und maximal psychologische Hilfe in Anspruch nehmen dürfe, und die Polizei ist auch nicht sonderlich an Verfolgung des Vorfalls interessiert.
Arbeitskollegin und Freundin Ava (Daniela Melchior) versteht Daisy da schon mehr, und auch der in den Reihen der fleißigen, ruhigen Löschbienchen einzig extrovertiert auffallende Bob (Joel Fry) hat ein Ohr für sie, aber am Ende beginnt Daisy alleine, den Schuldigen zu suchen. Hierbei taucht sie in die anonymen Schattenseiten des Internets ein und setzt sich auch Gefahren aus, um den Peiniger aufzuspüren.

(© Guido Marx)
Mit dem vom großen Barry Levinson mitproduzierten „American Sweatshop“ beschert Uta Briesewitz einen Debütfilm, der zu packen und zu bewegen weiß. Dass das von uns allen täglich inzwischen wie selbstverständlich genutzt Internet seine dunklen Ecken und Winkel hat, das wissen wir alle, und Schlagwörter wie Darknet hat jeder schon einmal gehört, auch wenn zum Glück die wenigsten sich hierin bewegen. Der Streifen nimmt uns nun aber mit in die totale Normalität einer großen Videoplattform und führt uns vor Augen, was denn wohl passiert, wenn mal jemand ein Video meldet.
Das stimmungstechnisch kalte Großraumbüro im warmen Florida schreckt schon ab, wo man in der Pause zwar mal kurz am auch von einem Alligator besuchten Pool entspannen kann, aber die offensichtliche, von der Führung zwingend gewollte Abgestumpftheit der Content-ModeratorInnen liegt drückend in der Luft. Nur der sehr spezielle, aber auch menschlicher wirkende Bob lässt mal Dampf ab, bevor er sich wieder hinter den Bildschirm verkriecht, ansonsten aber geht es äußerlich unaufgeregt zu, während der eine oder andere Clip die Arbeitenden innerlich schon beschäftigt, was aber nur selten mal zu Gefühlsausbrüchen oder Ekelfolgen wie Erbrechen führt.
Die ausdrucksstarke Lili Reinhart („Riverdale“, „Hustlers“) spielt die von besagtem Misshandlungsvideo – das wir nicht zu sehen bekommen, uns auf Grund von Spiegelungen und Gesagtem aber fies vorstellen können – traumatisierte Daisy absolut überzeugend und man leidet mit ihr, auch weil der Streifen einen atmosphärisch voll einfängt und schnell mit in die alles andere als attraktive Welt der fleißigen Meldungs-AbarbeiterInnen hineinzieht. Da kann Florida – beim Dreh in Köln und Bonn simuliert – noch so reizvoll sein, diesen Job möchte man nicht machen.
Mit seiner Handlung ist der Cyberthriller absolut aktuell und weiß einen so zu packen, dass er durchaus auch nachwirkt und man sich hinterher so seine Gedanken über den heutigen Konsum von Online-Inhalten macht und wie man Kinder, Jugendliche und eigentlich alle vielleicht noch wirksamer schützen kann, wenn die Verfolgung von offensichtlich bösen Taten so lasch sein sollte wie hier angedeutet. Ein starkes Spielfilmdebüt von Uta Briesewitz.
Trailer:
Bewertung: 8 von 10 Punkten

