Home Film “Der Pfad” – das gelungene Drama präsentiert eine Kriegs-Flucht aus Kindersicht

“Der Pfad” – das gelungene Drama präsentiert eine Kriegs-Flucht aus Kindersicht

Autor: Tobi

"Der Pfad" Filmplakat (© Warner Bros. Entertainment GmbH)

Der Pfad

Darsteller: Julius Weckauf, Nonna Cardoner, Volker Bruch, Anna Maria Mühe
Regie: Tobias Wiemann
Dauer: 99 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/der-pfad
Facebook: facebook.com/WarnerBrosDE


Nachdem Julius Weckauf 2018 als junger Hape Kerkeling in seinem Filmdebüt “Der Junge muss an die frische Luft” sowie dem großen Medienrummel um den Streifen herum mit seinem humorvollen Wesen überzeugte, folgten mit “Enkel für Anfänger” (2020) und “Catweazle” (2021) sowie der Synchroniniserung von Wickie in “Wickie und die starken Männer – Das magische Schwert” einige Rollen im Komödienfach. Dass man das 2007 geborene Nachwuchstalent aber nicht nur für von Witz geprägte Charaktere besetzen kann, unterstreicht er nun mit der Hauptrolle im Drama “Der Pfad”, der Verfilmung des auf wahren Begebenheiten beruhenden Romans von Rüdiger Bertram.

Weckauf spielt den zwölfjährigen Jungen Rolf Kirsch, der 1940 mit seinem Vater Ludwig (Volker Bruch) vor den Nazis nach Marseille geflohen ist – denn dieser ist als regimekritischer deutscher Autor selbst in Paris nicht mehr sicher gewesen und weiß, dass er auf der schwarzen Liste steht und somit gesucht wird. Ihren Optimismus lassen sich die beiden nicht nehmen, und Rolf lebt diesen auch in Fantasiespielen aus. Und sie haben ein Ziel, wollen der Mutter Katja (Anna Maria Mühe) nach Amerika folgen, wohin sich diese frühzeitig noch absetzen konnte.

Als sie bei einer Razzia der Nazis in einem Café in Marseille nur mit Geschick und viel Glück entkommen können, wird klar, dass der Weg in die Freiheit lediglich über die Pyrenäen funktionieren kann. Im französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer nehmen sie Kontakt zum Schleuser-Paar Theo (Lucas Prisor) und Luisa (Maria Pau Pigem) auf, das ihnen eine alte Bekannte (Jytte-Merle Böhrnsen) von Ludwig ebenso vermittelt hat wie ihre gefälschten Transitvisa für Spanien und Portugal.

Rolf und Ludwig wird klar gemacht, wie gefährlich der anstrengende Weg über die Berge sein wird – und auf diesem soll sie die ebenfalls zwölfjährige Núria (Nonna Cardoner) führen, deren Eltern als Partisanenkämpfer im Bürgerkrieg gefallen seien. Während Ludwig einen Diamanten einpackt, den er als Zahlungsmittel auf dem Weg nach Amerika mit sich führt und nun in einer Zahnpastatube versteckt, will Rolf vor allem sein von Erich Kästner handsigniertes, geliebtes Buch “Der 35. Mai” mitnehmen – und natürlich den treuen Terrier Adi. Das allerdings untersagen die Schleuser, denn ein Hundegebell könnte auf dem Überweg schon zum Auffliegen führen – und das muss natürlich verhindert werden.

Am nächsten Morgen geht es los, und die etwas Deutsch sprechende, ernste Núria erweist sich als erfahrene Führerin über die Pyrenäen – bis durch einen Fehler von Rolf, der seinen Hund mit Alkohol zum Schlafen gebracht und in seiner Tasche doch mitgenommen hatte, sein Vater verhaftet wird. Nun sind die beiden Kinder auf sich allein gestellt, und umso wichtiger ist es, zusammen zu halten.

"Der Pfad" Szenenbild (© 2021 Eyrie Entertainment GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH / Andrea Resmini)

(© 2021 Eyrie Entertainment GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH / Andrea Resmini)

Mit “Der Pfad” bietet Regisseur Tobias Wiemann (“Amelie rennt”) ein gelungenes Drama, das hin und wieder spannend wird, vor allem aber auch von viel Ruhe lebt, so dass die Schönheit der Pyrenäen ihre volle Wirkung ebenso entfalten kann wie die psychische Belastung durch den Krieg. Das Drehbuch von Bertram und Jytte-Merle Böhrnsen liefert hier die richtige Portionierung und gibt den interessanten Charaktere auch viel Raum, gut ausgemalt zu werden.

Julius Weckauf und die Neuentdeckung Nonna Cardoner spielen stark, und auch bei Volker Bruch ist es schön, dass man mal wieder abseits von Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen von ihm spricht, ist er doch ein guter Schauspieler.

Auch wenn sich die Handlung in der Historie des Zweiten Weltkriegs bewegt, wird nicht versäumt, einen aktuellen Bezug zu setzen, wenn man am Ende liest, dass sich um die 82 Millionen Menschen heute weltweit auf der Flucht befinden, darunter 34 Millionen Kinder. Hierbei werden Familien getrennt und streben nach Wiedervereinigung – auch dies ist ein Kernthema des Streifens, der alles aus Sicht der Kinder beleuchtet, bei denen Optimismus und eine gewissen Leichtigkeit selbst in düsteren Momenten noch vorherrscht. Dies wird von Wiemann gut in Szene gesetzt, der auch Konflikte nicht brutal ausgestaltet hat und den Film somit für Kinder wie auch Erwachsene reizvoll macht.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

Related Articles