
La Grazia
Darsteller: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Massimo Venturiello, Orlando Cinque
Regie: Paolo Sorrentino
Dauer: 133 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: mubi.com/de/de/films/la-grazia
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Kinostart: 19. März 2026
Den 1970 in Neapel geborenen italienischen Regisseur und Drehbuchautor Paolo Sorrentino kennt man vor allem für seinen gesellschaftskritischen „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ aus dem Jahr 2013, der mit dem Oscar® und Golden Globe® in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ ausgezeichnet wurde, aber auch für „Il Divo“ (2008), „Loro – Die Verführten“ (2018) oder zuletzt „Parthenope“ (2025). Neben Schönheit ist hierbei auch die heimische Politik immer wieder eines seiner Kernthemen, porträtierte er in „Il Divo“ doch den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti und in „Loro“ bekannte Skandal-Politiker seines Landes wie Silvio Berlusconi. In seinem neuen Werk „La Grazia“ geht es nun um einen fiktiven italienischen Staatspräsidenten.
Um Skandale geht es diesmal aber nicht, als Mariano De Santis (Toni Servillo) auf das Ende seiner erfolgreiche Amtszeit zusteuert, in der er diverse Staatskrisen zu bewältigen hatte. Vielmehr ist es trotz aller Beliebheit und der vielen Zujubler eine Einsamkeit, die ihn begleitet, wenn er immer wieder auch in Momenten, wo er sich abgeschieden eine Zigarette gönnt, an seine große Liebe zurückdenkt, die viel zu früh von ihm ging – wobei es ihm keine Ruhe lässt, dass sie ihn vor 40 Jahren betrogen hatte und er bis heute nicht weiß, mit wem, was nach wie vor Verdächtigungen in ihm schürt.
Als studierten Rechtswissenschaftler und auch Vater beschäftigt ihn in seinen letzten sechs Amts-Monaten aber ein Thema ganz besonders: Soll er als gläubiger Katholik ein Gesetz zur Ermöglichung von Sterbehilfe absegnen, das seine als Juristin tätige Tochter Dorotea (Anna Ferzetti) ausgearbeitet hat? Wie stände er dann da, auch dem befreundeten Papst gegenüber? So spielt er auf Zeit und bittet Dorotea immer wieder um intelligent begründete Modifikationen, die diese dann allerdings nach nur kurzen Überarbeitungen vorlegt. Wer darf über den Tod entscheiden? Selbst als sein Pferd erkrankt ist De Santis unsicher, ob er die Freigabe zum Gnadenschuss geben soll.
Und das ist nicht alles, liegen doch zwei nicht einfach zu entscheidende Gnadengesuche auf seinem Tisch. Soll er einen Professor begnadigen, der seine schwer Alzheimer-kranke Ehefrau erdrosselt und somit von ihrem Leid erlöst hat? Oder die Frau, die ihren Mann im Schlaf erstach, nachdem sie 15 Jahre lang seine Gewaltattaten ertragen hatte? Auch diese Entscheidungen macht sich der Staatspräsident nicht leicht, sucht sogar persönliche Gespräche.

(© Andrea Pirrello)
„La Grazia“, für den Paolo Sorrentino zusätzlich zur Inszenierung auch wieder das Drehbuch verfasste, ist ein Politdrama über die Einsamkeit im höchsten Staats-Amt und über Entscheidungen, die das eigene Gewissen auf eine harte Probe stellen, mal im kleineren Rahmen, mal wegweisend für das Bild, das im Nachhinein vom Staatspräsidenten behalten werden wird.
Wie von Sorrentino gewohnt kommt der Film mit tollen Bildern daher, eingefangen von Kamerafrau Daria D’Antonio. Diese sind allerdings diesmal in ihrer Farbigkeit weniger aufregend, und generell mutet der Streifen etwas weniger poetisch an als Vorgängerfilme. Die Geschichte wird zudem mit wenig Tempo erzählt, was über die 133 Minuten dann auch mal etwas Langatmigkeit mit sich bringt.
Bestechen tut „La Grazia“ durch tolles Schauspiel, vor allem von Toni Servillo, den man mit seiner integren Ausstrahlung und Würde sofort wählen würde und der bei den 82. Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2025 als „Bester Darsteller“ ausgezeichnet wurde. Neben ihm gefallen Massimo Venturiello als Justizminister Ugo Romani, den er als damaligen Seitensprung seiner Frau verdächtigt, Anna Ferzetti als Tochter des Staatspräsidenten und Orlando Cinque als Geheimdienstoffizier und ständigem Sicherheitsmann an seiner Seite, der ihm auch gerne mal die Zigarette reicht. Milvia Marigliano hingegen wirkt in ihrer Rolle als extrovertierte Kunstkritikerin und alte, Beeinflussung suchende Freundin Coco Valori etwas übertrieben. Insgesamt lässt sich „La Grazia“ gut anschauen, ist für einen Film von Paolo Sorrentino aber im Vergleich zu früheren Werken eher unspektakulär.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten

