Home Film “Nightmare Alley” – Guillermo del Toro entführt uns reizvoll in die Welt der charmanten Trickbetrüger

“Nightmare Alley” – Guillermo del Toro entführt uns reizvoll in die Welt der charmanten Trickbetrüger

Autor: Tobi

"Nightmare Alley" Filmplakat (© Disney)

Nightmare Alley

Darsteller: Bradley Cooper, Cate Blanchett, Toni Collette, Willem Dafoe
Regie: Guillermo del Toro
Dauer: 150 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.searchlightpictures.com/nightmarealley
Facebook: facebook.com/20thCenturyStudiosDE


Dass Regisseur Guillermo del Toro einem gerne düstere Stimmungen und übernatürliche Szenarien serviert, das weiß man nicht erst seit seinem Meisterwerk “The Shape of Water: Das Flüstern des Wassers” aus dem Jahr 2017, für das er den Oscar® in den Kategorien “Beste Regie” und “Bester Film” mit nach Hause nehmen konnte. Ob “Pans Labyrinth”, zweimal “Hellboy”, “Crimson Peak” oder frühere Streifen wie “Mimic – Angriff der Killerinsekten”, der Mexikaner bewegt sich gerne im Umfeld von Horror und Fantasy, was auch für seine letzten Produktionsarbeiten “Scary Stories To Tell In The Dark”, “Hexen hexen” und “Antlers” gilt.

In seinem neuesten Werk “Nightmare Alley”, bei dem er Regie führte, mit Kim Morgan das Drehbuch verfasste und das er mit J. Miles Dale produzierte, geht es zwar um Menschen, aber es kommt doch auch unheimliche Atmosphäre auf. Hierbei handelt es sich um die zweite Verfilmung des gleichnamigen Romans von William Lindsay Gresham nach 1947, wobei der damalige Streifen bei uns “Der Scharlatan” hieß, was schon einiges über die Hauptfigur aussagt. Wohl nicht nur, weil gleichzeitig Agnieszka Hollands “Charlatan” im Kino startet, blieb man nun beim Originaltitel.

Nachdem Stanton Carlisle (Bradley Cooper) die Vergangenheit in einem in Brand gesteckten Haus hinter sich gelassen hat und mit dem Zug weit weg gefahren ist, wird er von einem Jahrmarkt angezogen. Fälschlicherweise wird er für einen Bewerber gehalten und vom Betreiber Clem Hoately (Willem Dafoe) als Helfer verpflichtet. Dann aber lässt er sich von der Hellseherin Zeena (Toni Collette) und ihrem Mann Pete (David Strathairn) in die Kunst der Mentalisten einführen, die mit einigem Können und viel geschickter Täuschung ihre Kunden in Erstaunen und Begeisterung zu versetzen wissen.

Als er gelernt hat, wie man den gutgläubigen, oft in Verzweiflung nach Antworten suchenden Menschen das Geld aus der Tasche ziehen kann, verlässt er mit seiner neuen Liebe Molly (Rooney Mara) die immer wieder umher ziehende und von der Polizei drangsalierte Schaustellerei. Bald schon wird sein Publikum wohlhabender, hat er es mit viel Charisma und Mollys Hilfe doch geschafft, im New York der 1940er-Jahre eine allabendliche Show zu veranstalten – in schickem Zwirn und Ambiente.

Als er Lilith Ritter (Cate Blanchett) kennen lernt, scheint die mysteriöse, kühle Psychiaterin eine Chance zu sein, denn über sie gelangt er an Hintergrundinformationen zu potentiellen Opfern. Zu diesen zählt auch der reiche, isoliert lebende und gut bewachte Tycoon Ezra Grindle (Richard Jenkins), der ihn kennenlernen möchte. Eine perfekte Gelegenheit für Carlisles Betrügereien, der hierbei aber die Gefahr unterschätzt, die dem Ganzen innewohnt.

"Nightmare Alley" Szenenbild (© Disney)

(© Disney)

Mit “Nightmare Alley” entführt uns Guillermo del Toro reizvoll in die Welt der Schausteller und charmanten Trickbetrüger. Zugleich präsentiert er uns zwei sehr unterschiedliche Lebensräume. Zum einen ist da der staubige, manchmal schlammige Jahrmarkt, bei dem jeder um sein Überleben kämpfen muss und der mit verschiedenen kuriosen Attraktionen vom Gruselkabinett über die Elektroschocks sorbierende Frau, dem Wolfsmensch und dem Kraftprotz bis zum in einer Art Kerker lebenden Freak, der das Tier im Menschen verkörpert. Zum anderen ist das die glamouröse Welt der Reichen, die in der Großstadt gut betucht in schicke Shows gehen, um sich so mit etwas Amüsement vom anstrengenden Arbeitstag in ihren Chefetagen zu erholen oder einfach nur Geld zu verprassen.

Wo man aber auch ist, die Menschen suchen nach Antworten, sei es eine Verbindung zu geliebten Verstorbenen oder eine Vorhersage über ihre eigene Zukunft. Diese Antworten können einiges bewirken, ob sie nun richtig sind oder falsch, aber das ist den Scharlatanen wie Stanton Carlisle ziemlich egal, solange der Profit stimmt.

Hier nun erleben wir, wie Carlisle im Kampf um ein neues Ich und gegen alte Dämonen in eine Spirale gerät, die erst immer aufregender und faszinierender ist, als er lernt, liebt und immer mehr an Einfluss gewinnt. Dann wird es mit der Macht der Kunden zwar noch ertragreicher, aber auch immer gefährlicher – und wenn dann noch eine verschlagene, berechnende, zugleich aber auch verführerische Person wie die Psychiaterin Lilith in sein Leben eingreift, die selbst manipulativ tätig wird, kann das Ganze auch mal rasch aus dem Ruder laufen.

Mit tollen Bildern und ebensolcher Musik werden diverse Stimmungen atmosphärisch aufgebaut und der Film zieht einen in zweieinhalb niemals langweiligen Stunden in seinen Sog. Eine fesselnde Handlung, schauspielerisch starke Leistungen, bei denen Bradley Cooper und Cate Blanchett heraus ragen, guter Schnitt und wunderbare Garderoben wie auch Kulissen tun ihr Übriges – “Nightmare Alley” weiß einen zu packen.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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