
Nürnberg
Darsteller: Rami Malek, Russell Crowe, Michael Shannon, Richard E. Grant
Regie: James Vanderbilt
Dauer: 148 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: weltkino.de/filme/nuernberg
Facebook: facebook.com/WeltkinoFilmverleih
Instagram: instagram.com/weltkinofilmverleih
Kinostart: 7. Mai 2026
Der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, bei dem ab 1945 von den Alliierten die führenden Köpfe der NS-Diktatur vor Gericht gestellt wurden, ist ein Meilenstein in der Aufarbeitung der unmenschlichen Gräueltaten der Schreckensherrschaft. Unter der Führung der USA sollte den Verbrechern damals ein faires Verfahren eingeräumt werden, in dem sie sich dennoch öffentlich für ihre Taten zu verantworten hatten. Schon kurz nach dessen Beendigung erschienen sowohl ein sowjetischer als auch ein US-amerikanischer Dokumentarfilm, mit denen die damaligen Ereignisse anhand umfangreicher Originalaufnahmen für die Nachwelt festgehalten wurden, und die gleichzeitig die Grundlage für diverse folgende Spielfilme bildeten. Regisseur James Vanderbilt („Der Moment der Wahrheit“) wählt nun für sein bewegendes Drama „Nürnberg“ einen etwas anderen Ansatz, wenn er uns basierend auf dem Buch „Der Nazi und der Psychiater“ des Journalisten Jack El-Hai das Geschehen aus der Sicht des betreuenden amerikanischen Militärpsychologen Douglas M. Kelley schildert.
Der (Rami Malek) wird nach Ende des Krieges nach Luxemburg delegiert, als sich der Prozess im Nürnberger Justizpalast, wo noch zehn Jahre zuvor von den Nazis die rassistischen, menschenverachtenden „Nürnberger Gesetze“ beschlossen wurden, noch in Vorbereitung befindet. Sein Auftrag: Die in einem Hotel von der US-Armee festgehaltenen Nazigrößen, allen voran der selbsternannte Reichsmarschall und zweite Mann hinter Adolf Hitler Hermann Göring (Russell Crowe), auf ihre körperliche wie seelische Verfassung zu prüfen und nicht zuletzt angesichts latenter Suizidgefahr ihre unversehrte Vorführung zum Verfahren in Nürnberg zu gewährleisten. Und Vanderbilt rasselt gleich eingangs mächtig mit dem Säbel, wenn er in getragenen Bildern Görings Verhaftung durch amerikanische Soldaten pathetisch in Szene setzt.
Das ist doch etwas dick aufgetragen und nährt den Verdacht auf künstliche Theatralik, den der zeitweise doch merklich auf das Mainstream-Publikum schielende Streifen nie ganz entkräften kann. Schon da allerdings macht Russell Crowe im wahrsten Wortsinne eine gute Figur, der mit deutlich erkennbarer Adipositas und herablassendem Gestus den selbstgefälligen, beleibten Luftwaffenchef gibt. Und das soll noch das große Pfund werden, mit dem der Film wuchern kann, konzentriert er sich doch im Folgenden trotz insgesamt 24 Angeklagter im Gerichtsverfahren auf die immer komplizierter werdende Beziehung Kelleys zu seinem großkotzig auftretenden Patienten Hermann Göring.

Douglas M. Kelley (Rami Malek) mit Hermann Göring (Russel Crowe)
(© Courtesy of Sony Pictures Classics, Foto: Scott Garfield)
Kompliziert jedoch ist durchaus auch Vanderbilts Herangehensweise an den durchtriebenen, uneinsichtigen Nazischergen, dem er, wenn auch durch die Augen seines Militärarztes Kelley, eine teilweise allzu deutliche Bewunderung für dessen Intellekt und Charme entgegenbringt. Das immerhin begründet er mit einem groß aufspielenden Russell Crowe gut, erweist sich der vormals mächtige Göring in den zunehmend ins Zentrum der Ereignisse rückenden Gesprächen mit Kelley nicht nur als ungemein scharfsinnig, sondern nimmt taktisch geschickt bald auch manipulativ Einfluss auf dessen Umgang mit ihm. Erst spät durchschaut der von Malek fast überfordert gespielte Psychologe Görings perfides Spiel, mit dem der versucht, den Prozess zu seinen Gunsten zu drehen.
Gut, dass wir parallel die Vorbereitung der Anklage durch den amerikanischen Hauptankläger Robert H. Jackson (Michael Shannon) mitverfolgen dürfen, der trotz seiner Erfahrung als Richter am US Supreme Court unter der Last des öffentlichen Drucks, den Beschuldigten deren schwerste Verbrechen nachweisen zu müssen, zusammenzubrechen droht. Das ist mit der gleichzeitig entwickelten Verteidigungsstrategie, die uns Vanderbilt hier am Beispiel Görings präsentiert, packend inszeniert und wirkt im Gerichtssaal manchmal fast dokumentarisch, so sehr erinnert das Geschehen an die in unser Gedächtnis eingebrannten Originalbilder der selbstherrlichen Verbrecher auf der Anklagebank.
Dass der teilweise allzu sehr ins Hollywood-Pathos abgleitende Film die Fakten etwas ausschmückt und dabei zu Gunsten der Dramaturgie wenig kritisch mit einem der schlimmsten Nazi-Verbrecher umgeht, geschenkt. Unterm Strich gibt James Vanderbilts erhellendes Historiendrama mit einem Russell Crowe in Galaform neuen Einblick in die Hintergründe des Nürnberger Prozesses und unterhält dabei auch zweieinhalb Stunden lang bestens.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten


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