Home Film “Rheingold” – Fatih Akins Biopic über den goldraubenden Rapper Xatar

“Rheingold” – Fatih Akins Biopic über den goldraubenden Rapper Xatar

Autor: Tobi

"Rheingold" Filmplakat (© 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

Rheingold

Darsteller: Emilio Sakraya, Ensar Albayrak, Mona Pirzad, Sogol Faghani
Regie: Fatih Akin
Dauer: 140 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/rheingold
Facebook: facebook.com/WarnerBrosDE


Nachdem uns Fatih Akin mit Filmen wie “Gegen die Wand”, “Auf der anderen Seite”, “Soul Kitchen” oder “Aus dem Nichts” schon einige sehr bemerkenswerte und teilweise sehr berührende Werke beschert hat, widmet er sich nun einem Gangsta-Rapper und präsentiert uns in “Rheingold” einen Teil der Lebensgeschichte von Xatar, basierend auf dessen Autobiografie “Alles oder nix”, die somit genauso heißt wie sein erstes Album aus dem Jahr 2008 und sein eigenes Plattenlabel.

Wer deutschem Rap nicht gerade zugeneigt ist oder sich in diesem nur im Umfeld der Fantastischen Vier oder Fettes Brot bewegt, kennt Xatar maximal aus den Nachrichten als gesuchten und dann auch eingeknasteten Goldräuber. Wie es hierzu kam ist eine lange Geschichte, und die erzählt uns Akin nicht umsonst von Kindheitstagen an.

Diese ist für Giware Hajabi, so sein eigentlicher Name, nämlich alles andere als einfach. Im Iran geboren hat es der Junge mit kurdischen Wurzeln alles andere als leicht, flieht sein Vater als angesehener Komponist und Dirigent Eghbal Hajabi (Kardo Razzazi) mit der Familie doch in den Irak, um nach Folter an der Mutter, Gefängnis und einem Zwischenstopp in Paris schließlich im sicheren, für einen klassischen Musiker vermeintlich gut geeigneten Deutschland zu landen. In Bonn wächst er weiter auf, nicht zwingend als Schmelztiegel des Gangsterrap bekannt – aber soziale Brennpunkte mit Arschlöchern gibt es ebenso überall wie Beats-Produzenten, und auf beide trifft Giware.

Trotz des Ansehens seines Vaters und dem Versuch auch seiner Mutter (Mona Pirzad), die richtigen Werte zu vermitteln und ihn mit Klavierunterricht ebenfalls an die Musik heran zu führen, lebt der Teenager (Ilyes Raoul) 1996 an der Schwelle zur Kriminalität – vor allem, als der Vater nach einer Liebschaft rausgeworfen wird und Giware sich nun für die Mutter und die kleine Schwester mitverantwortlich fühlt. Erstes Dealen mit Porno-Videos und Hasch bringt Geld, und der Rap weckt sein Interesse ebenso wie die junge Perserin Shirin.

Dann geht es recht schnell weiter in die vermeintlich falsche Richtung, mit Verweis von der Schule und dem Verlangen nach Rache, nachdem Giware von einer Gang auf dem zwischen den Hochhäusern gelegenen Basketballplatz zusammengeschlagen wird. In einem Gym lernt er Boxen ohne Handschuhe und rächt sich einige Zeit später an den Übeltätern, gewinnt hiermit an Ansehen in seinem Block und eine neue Idee, wie er sein Leben nun selbstbestimmt angehen will, auch wenn er erstmals in den Jugendknast wandert.

Später ist Giware (Emilio Sakraya) ein harter Hund geworden, versucht es – in Deutschland bereits im Fokus von Fahndern stehend – aber doch nochmal mit einem ehrlicheren Weg, als er in London Musikmanagement studiert und sich später in Amsterdam an einem Musik-Konservatorium einschreibt, um dann aber doch für schnelleres Geld wieder zu dealen und mit einer selbst aufgebauten Türstehergang auf rüde Art den Einlass diverser Clubs zu übernehmen. Als ihm – wieder zurück in Deutschland – eine große Ladung an Kokain verloren geht, kommt Angst auf, und um seine Schulden zu begleichen, muss rasch viel Geld her. So kommt es zum Goldraub, der ihn schließlich nach Flucht in den Irak schließlich doch nach Auslieferung zurück nach Deutschland und in den Knast bringt, wo mittels eingeschmuggeltem Diktiergerät sein 2012 veröffentlichtes Album “Nr. 415” entsteht, benannt nach seiner Gefangenennummer.

"Rheingold" Szenenbild (© 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

(© 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

Für alle, die sich noch nicht mit Xatar beschäftigt haben, vor allem aber sicher auch für seine Fans, beschert “Rheingold” durchaus interessante Einblicke in ein alles andere als gewöhnliches Leben, aus dem eine ansehnliche Rap-Karriere mit bereits zwei Nummer-Eins-Alben geworden ist.

Fatih Akin erzählt die Geschichte des Gangsta-Rappers allerdings doch mit einer Heldenhaftigkeit, die zweifelhaft ist, denn das Mythos um das verschwundene Gold aus dem Raub macht aus Giwar Hajabi immer noch kein Vorbild, hierfür ist bei allen gezeigten guten Ansätzen, Familienliebe, nachvollziehbarem Rachestreben und Geschäftssinn eben doch zu viel Kriminalität und Gewalt auch immer mal an Unschuldigen mit im Spiel gewesen.

Durch den großen zeitlich gespannten Bogen wird “Rheingold” zu einer Fusion aus Fluchtdrama, Darstellung von Heimat- und Einwanderungsproblemen, Coming-of-Age, Milieustudie und Gangsterstory mit einer Prise an Liebesgeschichte. Emilio Sakraya spielt den erwachsenen Hajabi gut, wobei man ihm die persönlichen Momente und auch seine Entwicklung zum harten Hund weit mehr abkauft als den Durchbruch zum erfolgreichen Rapper Xatar, wirkt dessen HipHop doch im Film weit weniger talentiert als auf dessen realen Alben, auch wenn die Liebe zur Musik und das Entdecken des Raps als Ausdrucksform glaubwürdig eingebracht ist.

Etwas merkwürdig ist, dass man nach Anschauen des Streifens das Gefühl hat, Xatar habe im Knast sein erstes Album aufgenommen, während in der Realität bereits 2008 sein Debüt “Alles oder nix” erschien, auf seinem eigenen, damals bereits gegründeten Label, das auch zur Heimat von Samy, SSIO und Schwester Ewa wurde, die alle im Streifen auch vorkommen, mal mehr wie Samy als guter Freund und Goldraub-Kumpane, mal weniger – und auch Maestro darf nicht vergessen werden als Beats-Produzent und wichtige Starthilfe für Xatars Karriere, gespielt von Denis Moschitto.

“Rheingold” endet zu den Klängen von Wagners gleichnamiger Oper und weicht hiermit dann bewusst von der Realität ab zum Mythischen, was als Schlussnote ordentlich gemacht ist, nachdem man kurz noch sieht, wie Xatar, der 2014 nach fünf Jahren Haft vorzeitig entlassen wurde, zum Rapper-typisch nicht mehr im sozialen Brennpunkt lebenden Familienmenschen geworden ist. Keines der Meisterwerke von Fatih Akin, aber doch ein interessantes und filmisch gut gemachtes Biopic, auch wenn dessen Ausrichtung nicht immer gefallen mag.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

Related Articles