Home Film “Rocca verändert die Welt” – ein überzeugender Kinderfilm mit gelungener Mischung aus guter Laune und Tiefsinn

“Rocca verändert die Welt” – ein überzeugender Kinderfilm mit gelungener Mischung aus guter Laune und Tiefsinn

Autor: Tobi

"Rocca verändert die Welt" Filmplakat (© 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.)

Rocca verändert die Welt

Darsteller: Luna Maxeiner, Barbara Sukowa, Fahri Yardim, Mina Tander
Regie: Katja Benrath
Dauer: 97 Minuten
FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website: www.warnerbros.de/kino/rocca_veraendert_die_welt.html
Facebook: facebook.com/WarnerBrosDE


Die meisten erinnern sich bestimmt noch, wie viel Spaß sie früher hatten, wenn die Filme über Pippi Langstrumpf und ihre Freunde im Fernsehen liefen. Gut, damals war man natürlich bei weitem nicht so übersättigt, es gab keine Kinderkanäle im TV und das Ferienprogramm wurde freudig erwartet, anstatt wie heute eine große Auswahl nicht nur in diversen Sendern und auf Abruf verfügbar zu haben, sondern auch fast wöchentlich neue Kinderfilme im Kino angeboten zu bekommen. Das aber war es nicht, was Pippi Langstrumpf so besonders machte, sondern ihre unbeschwerte und witzige Art und Weise, mit der sie die Welt erlebte und Abenteuer anging. Nun startet “Rocca verändert die Welt” im Kino und überzeugt damit, genau dieses wohlige Gefühl zurück zu bringen – und das als deutscher Film, was alles andere als selbstverständlich ist.

Verantwortlich hierfür sind Regisseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen, die nach dem Oscar®-nominierten und mehrfach ausgezeichneten Kurzfilm-Drama “Watu Wote” über eine Glaubensproblematik in Kenia nun also bei ihrem Langfilmdebüt etwas völlig anderes vorlegen. Die Geschichte zum Kinderfilm stammt von Autorin Hilly Martinek, die seit 2002 für das Fernsehen Drehbücher schreibt und sich von 2004 an neun Jahre der Serie “Das Traumhotel” widmete, bevor sie mit dem Buch zum Erfolgsfilm “Honig im Kopf” im Kino ankam.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht natürlich Rocca (Luna Maxeiner), eine Elfjährige, die ganz anders ist als alle anderen. Nachdem ihr Vater (Volker Bruch) als Astronaut zur ISS geflogen ist, kommt Rocca in Hamburg an, wo sie eine Zeit lang bei ihrer Oma Dodo (Barbara Sukowa) wohnen soll – denn ihre Mutter ist ebenfalls im Himmel, verstarb sie doch bei ihrer Geburt.

Als Rocca auf dem Weg in die Hansestadt mal rasch ein Flugzeug notlandet, da der Pilot nicht mehr handlungsfähig war und sie es eben konnte, wird schon klar, dass das Mädchen anders ist – auch weil sie sich für die Heldentat nicht feiern lässt, sondern verschwindet, bevor ihre Identität geklärt ist.

Mit ihrer Oma läuft es durchwachsen, da diese von Roccas lebhaftem Wesen überfordert ist. Zum Glück findet Rocca in den Nachbarskindern Lila und John schnell neue Freunde, und als Dauergefährten nimmt sie sich einem verletzten Eichhörnchen an, welches sie Klitschko nennt. Nicht nur mit diesem sorgt Rocca in der neuen Schule für Aufsehen, wo sie zwar durchaus zu selbstbestimmt auftritt, dafür aber den Mobbern der Klasse direkt die Stirn bietet.

Abseits der Schule macht Rocca Bekanntschaft mit dem Obdachlosen Caspar (Fahri Yardim), der von gesammelten Pfandflaschen sowie -dosen lebt und völlig überrascht ist, dass das Mädchen ihm nicht aus dem Weg geht und ihn nicht auf Grund allgemeiner Vorurteile ablehnt, sondern sich für ihn interessiert und ihn als Freund ansieht. So ist Rocca, die ein großes Herz hat, bald aber auch Hilfe benötigt, damit das Jugendamt sie nicht in eine Pflegefamilie steckt, nachdem ihre Oma im Krankenhaus gelandet ist.

"Rocca verändert die Welt" Szenenbild (© 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.)

(© 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.)

“Rocca verändert die Welt” ist ein hervorragender Kinderfilm, der mit seiner Mischung aus Spaß und Tiefsinnigkeit bestens in die heutige Zeit passt, einen auch als erwachsenen Zuschauer aufmuntert und irgendwie Hoffnung auf eine bessere Welt macht.

Die Geschichte ist gut erdacht und bietet beste Unterhaltung, zwischen normalem Kinderalltag und Roccas außergewöhnlichem Kosmos balancierend, hierbei aber nie so weit aus der Realität abgleitend, dass es einen ärgern würde – da passieren eben auch mal phantasievolle Dinge, das ist gerne erlaubt.

In Rocca, die von der jungen Luna Maxeiner toll gespielt wird, vereinen sich eine gehörige Portion Unbeschwertheit, Freude am Leben, Nächstenliebe zu Mensch und Tier, Mut sowie Gerechtigkeitssinn – das aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf eine erfrischend natürliche Art und Weise. So bereitet sie jungen wie auch älteren Zuschauern jede Menge Spaß, wobei Tiefsinnigkeit geschickt eingeflochten wird, ob Rocca nun an ihre tote Mutter denkt, mit ihrem schwer vermissten Vater im All videotelefoniert, Harmonie mit der Oma anstrebt, Mobbing-Opfern zur Seite springt oder sich als einzige für die Geschichte des obdachlosen Caspar interessiert. Dieser wird von Fahri Yardim sehr gut gespielt, der mal etwas abseits seines typischen Rollenwesens agiert.

“Rocca verändert die Welt” kann man somit nur empfehlen, denn selbst wenn die Welt durch den Film nicht wirklich verändert wird, gibt er doch neben vielen lockeren Szenen auch Denkanstöße, und diese schaden nie. So bringt Rocca in jeder Beziehung Sonne in den oft so grauen Alltag. Die Zusammenarbeit von Regisseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen fruchtet also weiter und man kann gespannt sein, was man von diesen in Zukunft noch geboten bekommt.

Trailer:

Bewertung: 9 von 10 Punkten

 

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