
Sie glauben an Engel, Herr Drowak?
Darsteller: Luna Wedler, Karl Markovics, Dominique Pinon, Lars Eidinger
Regie: Nicolas Steiner
Dauer: 127 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.x-verleih.de/filme/sie-glauben-an-engel-herr-drowak
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Kinostart: 19. Februar 2026
Schon die Eingangssequenz seines Spielfilmdebüts „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?” gestaltet der Schweizer Dokumentarfilmer Nicolas Steiner in außergewöhnlicher Schwarz-Weiß-Optik reichlich befremdlich. Da verteidigt sich ein Rentner in seiner mit Flaschen vollgemüllten Hochhauswohnung vehement gegen die vor dem Gebäude aufmarschierende Delegation vom „Amt“ und empfängt sie standesgemäß mit vorbereiteten „Pissbomben“, die er aus seinem Fenster auf sie herabregnen lässt. Ungewöhnlich genug jedenfalls ist die groteske Szenerie um sofort unsere ganze Aufmerksamkeit einzufordern.
Der renitente Senior ist der Misanthrop Herr Drowak (herrlich knorrig: Karl Markovics), der sich schon lange der Gesellschaft entzogen und seinen Frieden mit einer Existenz zwischen Alkohol- und Fernsehkonsum gemacht hat. Jetzt aber macht das „Amt für Ruhe und Ordnung“ ernst und verordnet dem Totalverweigerer eine Wiedereingliederungsmaßnahme, mit der nicht nur er aus seiner Isolation geholt werden soll, sondern der Amtsleiter (Lars Eidinger mit Tendenz zum Overacting) in erster Linie auf die Verbesserung von Erfolgsquoten guckt.
Parallel dazu radelt Puppenspiel- und Germanistikstudentin Lena (Luna Wedler) voller Energie und Optimismus durch die mit brutalistischen Bauten zubetonierte, wenig Hoffnung ausstrahlende Welt, in der sie sich gerade mit beeindruckender Hartnäckigkeit einen Coachingjob beim „Amt“ besorgt hat. Als ersten Kunden allerdings sieht das Drehbuch erwartungsgemäß mit Herrn Drowak eine wirklich harte Nuss vor, den Lena nun bei regelmäßigen Hausbesuchen zum schriftlichen Ausdruck seiner Gedanken animieren soll. Hürde eins des schwierigen Unterfangens zumindest meistert sie fast auf Anhieb und steht anschließend im Flaschenwald von Herrn Drowaks runtergekommener Alkoholiker-Wohnung.
Da muss sie wirklich ihre ganzen Motivationskünste aufbieten um Drowak aus der Reserve zu locken, der auch ihr gegenüber seine Verweigerungshaltung nicht aufgeben will. Doch wenn überhaupt jemand in der Lage ist, die harte Schale des Grantlers zu knacken, dann ist es die geduldige Lena, die auch ihr Päckchen zu tragen hat und selbst oft einsam ihre Abende nur in Gesellschaft ihrer selbstgebastelten, lebensgroßen Puppen in ihrer kleinen Bude verbringt.

Luna Wedler als Lena
(© Ziegler Film Baden-Baden, X Verleih AG)
Es ist die Kombination Markovics/Wedler die hier so gut funktioniert, dass sie uns leicht über die doch recht handelsübliche Ausgangskonstellation der Story mit den unterschiedlichen aufeinandertreffenden Figuren hinwegsehen lässt. Die vorsichtige Öffnung von Drowak gegenüber der rücksichtsvollen Lena, die nicht locker lässt, ihren Kunden zum therapeutischen Schreiben zu bewegen und dabei langsam sein Vertrauen gewinnt, ist überaus unterhaltsam und offenbart, dass sich der Senior früher tatsächlich als Gedichteschreiber für die große Liebe seines Lebens Ana betätigt hat.
Die große Stärke des Films aber ist seine skurrile Inszenierung, die nicht nur durch die Besetzung von Drowaks einzigem Freund Edgar mit Dominique Pinon phasenweise an Jean-Pierre Jeunets 90er-Jahre-Hit „Delicatessen“ erinnert und uns mit einer guten Prise Gesellschaftskritik in die Schwarz-Weiß-Tristesse einer zeitlich kaum einzuordnenden Welt entführt. Das ist schon wegen der imposanten Architektur der Drehorte ungemein sehenswert und wird mit Drowaks in Farbe gehaltenen Erinnerungen an bessere Zeiten schon fast kunstvoll.
Wir werden Zeuge einer zarten Annäherung zwischen Drowak und Lena, in deren Verlauf uns Regisseur Steiner mit Drowaks Auftauen auch noch eine durchaus ans Herz gehende, melancholische Liebesgeschichte präsentiert. In seiner unkonventionellen Satire zeigt er mit angenehm skurrilem Humor, welch tragische Geschichten das Leben schreiben kann, und verbreitet gleichzeitig trotz einer grotesk depressiv gezeichneten Welt mit der gnadenlos positiven Lena eine Menge Hoffnung.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten


