Home MusikAlbum-RezensionenThe-Smiths-Legende Johnny Marr bietet auch auf seinem fünften Studio-Soloalbum überzeugende Songs

The-Smiths-Legende Johnny Marr bietet auch auf seinem fünften Studio-Soloalbum überzeugende Songs

Autor: Tobi

Johnny Marr "The Age Of Everything"

Johnny Marr

„The Age Of Everything“

(Album, BMG Rights Management, 2026)

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Für seine Soloalben lässt sich Johnny Marr, früher bekannt als legendärer Gitarrist und Mit-Songschreiber von The Smiths, zuletzt immer einige Zeit. Nach dem absolut überzeugenden dritten Werk „Call The Comet“ 2018 (lies unsere Rezension hier) dauerte es vier Jahre bis zum ebenso starken „Fever Dreams Pts 1 – 4“ (wobei dessen Einzelteile schon 2021 das Licht der Welt erblickten – hier unsere Rezension). Genauso lange mussten seine zahlreichen Fans nun warten bis zum Erscheinen des neuen Longplayers „The Age Of Everything“.

Mit allen vier Alben seit 2013, also auch dem Debüt „The Messenger“ und „Playland“ (2014), erreichte Marr die britischen Top Ten, was ihm dann auch noch mit der durch zwei neue Tracks bereicherten Songsammlung „Spirit Power: The Best of Johnny Marr“ 2023 gelang. Marr ist also auch solo angesagt, und das völlig zu Recht, wie die neue Scheibe untermauert.

Johnny Marr (© Gaelle Beri)

(© Gaelle Beri)

Wir wiederholen uns gerne mit folgendem, ergänztem Absatz: Die musikalische Erfahrung, auf die Johnny Marr zurück greift, ist immens und kaum aufzuzählen, daher hier nur Auszüge. Nach dem Ende von The Smiths im Jahr 1987 übernahm er bei diversen Produktionen die Gitarre, spielte für sechs Jahre in Matt Johnsons Band The The und gründete mit New-Order-Sänger Bernard Sumner das Projekt Electronic. 1999 stellte Marr eine eigene Begleitband zusammen und war erstmals auch Sänger und Songschreiber seines eigenen Projekts, ging mit Johnny Marr’s Healers auf Tour. Im neuen Jahrtausend arbeitete Marr als Produzent für die Newcomer Haven, schloss sich dann wieder anderen Bands an, spielte so von 2006 bis 2008 mit Modest Mouse und von 2009 bis 2011 mit den Cribs.

Auch in einzelnen Songs war Marr in den letzten Jahren immer wieder gerne gehörter Gast, wie mehrfach bei Noel Gallagher’s High Flying Birds, 2025 bei Franz Ferdinand „Build It Up“ sowie ganz aktuell bei „Girls“ von jennylee. Zu Beginn des Jahres erschien zudem das für die Benefiz-Compilation „Help(2)“ mit Damon Albarn, Grian Chatten (Fontaines DC) und Kae Tempest aufgenommene „Flags“. Und nicht zu vergessen ist, dass Hans Zimmer ihn als Gitarrist seines Scores für den James Bond Film „Keine Zeit zu sterben“ verpflichtete, wo er auch beim Titelsong „No Time To Die“ von Billie Eilish mit am Start war.

Man hört Johnny Marrs Alben und Songs all seine Erfahrungen der vielen Jahre an, immer wieder, seine Musik klingt routiniert, gleichzeitig frisch, und stets hochklassig. Auf den 44 Minuten von „The Age Of Everything“ findet man zehn neue Stücke, die er selbst als die emotional befreiendsten Tracks seiner Karriere beschreibt.

Die Songs hat er in London geschrieben, auf Tour entlang der Ostküste Nordamerikas weiterentwickelt und in Manchester aufgenommen. Mit dem melodisch ebenso gemütlich wie dynamisch daher kommenden „Spin“ bot Marr Mitte Juni bereits einen guten ersten Vorboten, der nun als Opener dient. Einen feinen Mitsing-Refrain bietet dann das in der Strophe etwas düsterer anmutende, dann aber melodisch aufklarende „Beyond The Rain“.

Das hymnisch schmissige „It’s Time“, das ebenfalls vorab ausgekoppelt wurde, erinnert klanglich etwas an The Smiths, wobei Marr niemals komplett in deren Stil rutscht – und wenn das einer dürfte, dann ja er. Die Nummer ist ein trotziger Aufruf zum Kampf gegen Zynismus und Korruption. Das Musikvideo zum Song wurde Anfang dieses Jahres bei Johnnys größtem Headliner-Konzert seiner Solokarriere gedreht, dem ausverkauften Heimspiel im Castlefield Bowl in Manchester.

„How Come“ über Einzigartigkeit im Leben schließt sich als gut anzuhörende Britpop-Nummer an, wirkt für Marrs Verhältnisse aber schon einigermaßen gewöhnlich, während viele sicher froh über ein solches Stück wären. Einen anderen, mit etwas Wave-Anleihen durchsetzten Sound verabreicht das treibende „Ophelia“, und der als zweiter Vorgeschmack auserwählte Song ist inspiriert von der Erhabenheit und Stärke von Shakespeares berühmt-berüchtigter Figur, die ihn an eine Person aus seinem Leben erinnerte.

Die zweite Hälfte des neuen Albums mag keine der Singles mehr enthalten, gut konsumieren lässte sie sich aber allemal. „That Feeling“ kommt mit tiefer Basslinie zwar etwas weniger aufregend daher, mit dem getragenen, schönen „In And Out Of Love“ geht es dann aber fast schon einlullend weiter.

Wo wir eben noch eine Wave-Würze erwähnten, ist selbige auch bei den nächsten beiden Stücken zu hören, dem packenden „Just Once More“ und dem zwischendurch gut treibenden „Fire With Fire“. Mit dem interessant angerichteten, mal wabernden, mal effektbehangene Gitarrenakkorde servierenden und auch gesanglich im Sound etwas abweichenden „All In A Life“ wird eine weitere gute Scheibe von Johnny Marr abgeschlossen, die wieder abwechslungsreich ist und sich bestens anhören lässt.

Passend zum neuen Album spielt Johnny Marr 2026 die bislang größten Solo-Shows seiner Karriere. Am 9. Juli im Castlefield Bowl in Manchester fand wie oben erwähnt die erste hiervon statt, und am 24. Oktober ist er in der Londoner Wembley Arena zu erleben. Bei uns sind bislang noch keine Konzerte geplant, aber auf seiner Website gibt es einen „Request a Show“-Button, den alle Fans hierfür nutzen sollten, um Johnny vielleicht doch auch wieder zu uns zu holen.

Johnnymarr.com
facebook.com/officialjohnnymarr
instagram.com/johnnymarrgram

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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