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Left Boy begeistert als Wandler zwischen Stil-Welten

Autor: Tobi

Left Boy "Ferdinand"

Left Boy

“Ferdinand”

(CD, Made Jour Label, 2018)

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Um kurz mal zu spoilern: Left Boy ist mit seinem neuen Album definitiv der right boy. 1988 in Wien geboren, hat sich Ferdinand Sarnitz längst davon gelöst, als der Sohn von André Heller in Schlagzeilen österreichischer Medien aufzutauchen. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass er mit 18 Jahren schon nach New York ging. Nach seinem Tontechnikstudium zog es ihn rasch wieder in den Big Apple, er siedelte um nach Brooklyn und experimentierte weiter mit HipHop.

Ende 2010 erschien unter dem Pseudonym Left Boy das erste Mixtape “The Second Coming”, bis zum ersten Album “Permanent Midnight” sollte es aber noch vier Jahre dauern. An diesen Rhythmus scheint er sich gewöhnt zu haben, denn nach erneut vier Jahren liegt nun mit “Ferdinand” der zweite Longplayer vor.

Regierte auf dem Debüt noch klar der HipHop mit einigen experimentellen Stücken, bekommt man sehr schnell den Eindruck, dass Left Boy hier nun einfach all das gemacht hat, worauf er gerade Bock hatte. Das klingt nicht nur spannend, sondern im Ergebnis auch verdammt gut, weil er wie aus einem Korsett befreit frei aufspielt und äußerst interessante Tracks gebastelt hat.

“The kids want hits, I hope I don’t hit ’em too hard with this” lauten die ersten Worte des Longplayers – Left Boy weiß genau, was er macht und wie er hiermit auch überrascht. Einen sehr ausgiebigen Vorgeschmack lieferte ja bereits die nicht weniger als sechs Videos umfassende “The Ferdinand Series”, die er im Laufe der letzten zwei Jahre auf YouTube veröffentlichte und mit der klar machte, dass er gerade an einem neuen Album arbeite und dass es abwechslungsreich werden würde.

Elf Songs sind auf “Ferdinand” zu finden, und schnell wird klar, dass dieser hier zwischen den Stilen wandelt, manchmal auch springt. Der Opener “Father Of God” kommt mit Hard Rock Riffs und Beats daher, die an AC/DC erinnern, dazu gibt es Left Boys typischen, extrovertierten Gesang, bei dem er sich auch immer gerne mal selbst doppelt und der von tiefen Momenten bis zu hohen Tönen eine große Bandbreite bietet, die oftmals auch immernoch HipHop-Rhymes enthält.

“Sweet Goodbye” wartet mit einer coolen Synthiepop-Basslinie auf, zu der sich lässige Beats, ein paar akustische Gitarrentöne und später dann auch wieder rockige Riffs gesellen. Die lässige Nummer erinnert durchaus an die tollen Metronomy, auch wenn dies sicher nicht beabsichtigt war. Hochphilosophisch geht es in Left Boys Texten nach wie vor nicht zu, aber sie sind alles andere als langweilig, eben aus dem Leben gegriffen – wie hier in halt man aufgegeilter Art und Weise: “But when I’m around you, I can’t relax, I really do try to keep my mind on track. Oh when I’m near you, I just wanna run my fingers up your legs – when I see you, all I can think about is sex.”

“Good Damn” besitzt den Charme von 60er-Jahre-Rock’n’Roll, “Rose Garden” kommt als atmosphärische Pop-Nummer daher, “Kid” ist eine ruhige Singer/Songwriter-Nummer mit Akustikgitarre und Piano, zu der sich auch noch chorale Passagen gesellen. “Gold Chain” bietet Midtempo-Rock mit Südstaaten-Flair, “17” groovt mit funky Licks mächtig ab, und bei “Dance With The Devil” fährt Left Boy dann plötzlich auch noch House-Vibes und Dance-Beats auf, bevor mit “Book Club” eine relaxte HipHop-Nummer folgt, “Chemistry” souligen R&B bietet und “Superstar” nochmal groovy und rockend abschließt, in technoiden Klängen gipfelnd.

Der auch bereits in seiner Video-Series enthaltene Rap-Track “The Return Of…” gehört übrigens nicht zu den elf Stücken der CD – da gibt es aber ja auch noch die Download-Variante des Albums mit nicht weniger als 16 Bonustracks, und hier ist der Song enthalten. Der CD und LP liegt euch ein Download-Code bei, man wird hier also keinesfalls als Käufer benachteiligt. Die Bonus-Tracks zeigen einige der Stücke noch einmal – teilweise mit anderem Titel – in ganz anderer Aufmachung, was sehr interessant ist, dazu gibt es einige Mixe – in jedem Fall ein sehr lohnender Bonus.

Einige werden ihm Orientierungslosigkeit vorwerfen – Leute, dann hört halt stiltreue Langweiler. Left Boy liefert mit “Ferdinand” ein kleines Meisterwerk ab und beweist, dass er unabhängig von all den Genres, die er hier gekonnt bedient und gleichzeitig verstößt, klasse Ideen entwickelt und dank seiner technischen Fähigkeiten auch umzusetzen weiß, mit ungemeiner Lässigkeit. So wie die Pizza “Sofia Loren” in einem kleinen italienischen Restaurant bei Frankfurt “mit allem und Ei” gemacht wird, bietet Left Boy hier starke Tracks “mit allem und HipHop”.

www.leftboy.com
facebook.com/LEFTBOY

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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