Home MusikCD-RezensionenThe Damned bescheren fast zurück in Originalbesetzung ein Album mit Coverversionen

The Damned bescheren fast zurück in Originalbesetzung ein Album mit Coverversionen

Autor: Tobi

The Damned "Not Like Everybody Else"

The Damned

„Not Like Everybody Else“

(CD, earMUSIC, 2026)

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The Damned sind dem Titel ihres neuen Albums entsprechend wahrlich „Not Like Everybody Else“, also nicht wie alle anderen. 50 Jahre ist es her, dass die Punkrock-Formation 1976 von Sänger Dave Vanian, Bassist Captain Sensible, Gitarrist Brian James und Drummer Christopher „Rat Scabies“ Millar in London gegründet wurde. Ein halbes Jahrhundert später ist die Band nicht nur immer noch aktiv, sondern veröffentlicht in den letzten Jahren munter fast jährlich neue Alben – wobei hier auch einige Liveaufnahmen eingestreut wurden, was allerdings immer Sinn ergab.

2022 bescherten sie mit „A Night Of A Thousand Vampires“ einen Mitschnitt ihrer 2019er-Gruselshow in London, rockten dann 2023 auf ihrem (erst) zwölften Studioalbum „Darkadelic“ gewohnt gut ab, und mit „AD 2022 – Live in Manchester“ erschien im Herbst 2024 ein Mitschnitt ihrer Reunion-Tour in Originalbesetzung mit ihren ganz frühen Punkrocksongs. Nun gibt es 16 Monate später mit besagtem „Not Like Everybody Else“ also ein weiteres Studioalbum – auch wieder ein besonderes.

Doch gehen wir erst noch einmal auf den Punkt Originalbesetzung ein. Im Lauf der Jahre gab es einige Trennungen und Reunions, und auch Lineup-Wechsel, wobei der von den Anfängen bis heute präsente Sänger Dave Vanian und der nur zweimal kurz nicht dazu gehörende Gitarrist/Bassist Captain Sensible (ja, der mit dem 80er-Solo-HipPop-Hit „Wot“) bis heute den Kern der Gruppe bilden. Seit 2017 spielte Paul Gray wieder den Bass in der Band, der von 1980 bis 1983 und 1989 bis 1996 auch bereits zur Formation gehörte, und Keyboarder Monty Oxymoron ist schon seit 1996 und somit 30 Jahre in der Combo. Während der Pandemie kehrte dann auch noch Drummer Rat Scabies wieder zurück und es kam 2022 dann zu einer Reunion-Tour in Gründungsbesetzung, bei der Brian James die Gitarre spielte und Captain Sensible, der zwischenzeitlich zu selbiger gewechselt war, wieder den Bass bediente.

The Damned (© Sacha Lecca)

(© Sacha Lecca)

Das neue Album „Not Like Everybody Else“ nahmen Dave Vanian, Captain Sensible (hier wieder Gitarre), Rat Scabies, Paul Gray und Monty Oxymoron auf – und es ist somit die erste Scheibe seit 40 Jahren, bei der Rat Scabies wieder mit der Band im Studio arbeitete. Ganz in Originalbesetzung konnte es dann aber doch nicht eingespielt werden, da Brian James leider im März 2025 verstarb.

Um eine längere Pause wie zwischen den Studioalben „So, Who’s Paranoid?“ (2008) und „Evil Spirits“ (2018) gar nicht erst anbrechen zu lassen – man(n) wird ja schließlich auch älter – haben die fünf Musiker in nur fünf Tagen im Revolver Studio in Los Angeles zehn Coverversionen eingespielt, natürlich im bandtypischen Punkrock-Stil. Die als erster Vorbote voraus geschickte Interpretation von „There’s A Ghost In My House“, mit dem R. Dean Taylor 1974 im zweiten Anlauf Erfolg hatte, eröffnet die Scheibe schwungvoll schmissig.

Gutgelaunt geht es mit „Summer In The City“ weiter, das nicht nur im 1966er-Original von The Lovin‘ Spoonful ein großer Hit war, sondern auch in der Version von Joe Cocker aus dem Jahr 1994. Das etwas sperriger angerichtete „Making Time“ von The Creation und das konträr gemütlicher auch mit Akustikgitarre Richtung Folk-Rock adaptierte „Gimme Danger“ von The Stooges folgen.

Dass The Damned nicht nur geradlinig abrocken wollen, sondern Abwechslung weit oben mit auf ihrer Menükarte steht, sieht man auch an ihrer Interpretation von Pink Floyds „See Emily Play“, die getragen und psychedelisch zugleich daher kommt, stilistisch etwas an frühere Tage von David Bowie erinnert. Das dem Longplayer mit titelgebende „I’m Not Like Everybody Else“, einst von The Kinks, ist ebenfalls sehr ansprechend neu eingespielt worden, fließend und doch druckvoll, zudem gut melodisch.

Mit „Heart Full Of Soul“ (The Yardbirds) folgt eine sanfter rockende, schöne, erneut auch nach Folk klingende Nummer, bevor „You Must Be A Witch“ (The Lollipop Shoppe) wieder fetter und flotter abrockt, was auch für das abschließende, knarzige „The Last Time“ von den Rolling Stones gilt, dem allerdings noch der Klassiker „When I Was Young“ von Eric Burdon & The Animals voran geht, der hier im Midtempo ebenfalls kraftvoll adaptiert wurde und am Ende nochmal amtlich abgeht. Sicher nicht sonderlich innovativ, so eine Coverscheibe, aber The Damned bieten hier zum Studio-Comeback von Rat Scabies sehr ordentliche Neu-Interpretationen, die Spaß bereiten – und dass die „Jungs“ die Scheibe Brian James widmen, das belegt sein Bild aus jüngeren Jahren auf dem Titelbild, unter dem die heutigen Dave Vanian, Captain Sensible, Rat Scabies und Paul Gray musizieren.

Und auch live wird keine Pause eingelegt. Zur Feier der Veröffentlichung werden The Damned das Album in einer Serie aus drei exklusiven Shows performen, bei der sie nur Coverversionen spielen werden. Neben der Albert Hall in Manchester (am 28. Januar) und dem Bataclan in Paris (am 1. Februar) werden sie am 3. Februar auch in der Essigfabrik in Köln zu Gast sein. Auf dem Programm stehen neben den Songs aus „Not Like Everybody Else“ Cover weiterer Songs, die ihre Karriere geprägt haben.

Und ein nächster Livemitschnitt dürfte auch einigermaßen vorprogrammiert sein, spielen The Damned doch am 11. April eine „50th Anniversary Show“ in der Londoner Wembley Arena – momentan OVO Arena Wembley genannt.

www.officialdamned.com
facebook.com/OfficialDamned
instagram.com/eternally_damned

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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