Home MusikAlbum-RezensionenGrim104 präsentiert sich auf seinem fünften Album abwechslungsreich, bissig und oft düster

Grim104 präsentiert sich auf seinem fünften Album abwechslungsreich, bissig und oft düster

Autor: Tobi

Grim104 "No Country For Old Grim"

Grim104

„No Country For Old Grim“

(Album, 2026)

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Den 1988 in Krefeld geborenen und seit 2007 in Berlin lebenden Rapper Grim104 kennt man als Hälfte des inzwischen aufgelösten, ebenso bissig wie ironisch unsere Zeit abarbeitenden Duos Zugezogen Maskulin, das er mit Testo bildete, aber lange schon auch durch seine Solo-Werke. Einem selbstbetitelten Debüt-Longplayer von 2013 folgten hier „Das Grauen, das Grauen“ (2019), „Imperium“ (2022) und „Ende der Nacht“ (2023).

Nun beschert Moritz Wilken, wie er bürgerlich heißt, sein fünftes Grim104-Album „No Country For Old Grim“, und schon im Titel schwingt mit, dass die bei ihm sich durchziehende Perspektivlosigkeit und die Unzufriedenheit mit seinem Heimatland nicht verschwunden sind. Dies bestätigen die gebotenen 14 Tracks auf 41 Minuten.

Grim104 (© Danny Kötter)

(© Danny Kötter)

Dass bei aller Gesellschaftskritik aber auch der Humor nicht komplett aus seinen Tracks radiert wurde, zeigte schon „Artist Dinner mit dem Crazy Frog“ als erster Vorbote, in dem Grim104 sich im Glanz des Aufstiegs in der großen Stadt über Ansehen im Label freut, bis er von diesem zu einem Abendessen mit dem Klingelton-Helden eingeladen wird – denn der ist als Kohlebringer hoch im Kurs.

Los geht es aber erst einmal mit dem angelehnt an den 2007er-Western-Thriller „No Country for Old Men“ der Coen-Brüder benannten Titeltrack „No Country For Old Grim“, in dem Grim104 zu einer bedrückenden Klangkulisse mit Elektro-Sphären, Akustikgitarrenakkorden und tiefen Beats Situationen fast schreiend beschreibt, die Angst bereiten.

Mit dem als Single ebenfalls voraus geschickten „Mantra“ haut er einem mit Beats von Silkersoft dann gleich noch einen weiteren dunklen Track um die Ohren, und wenn Grim in „Haus in Lübars“ dann erklärt, dass es im brodelnden Kessel der Großstadt immer nur um Geld gehe und er am liebsten ein gottverdammtes Haus in Berlins Norden haben möchte, um wie ein Star in gutem, ruhigem, grünem Umfeld leben zu können, dann klingt auch dies bitter.

Ja, „No Country For Old Grim“ ist zu großen Teilen ein düster geprägter Longplayer, beeinflusst von den Kriegen und gesellschaftlichen Spaltungen unserer Gegenwart, wozu Grims rauer, ausdrucksstarker, oft energetischer Rap optimal passt. Ein Track wie „Schüsse auf den Listenhund“ haut in die gleiche Kerbe, auch wenn das Boom-Bap-Stück mit seinem Elektrobass und tickendem Rhythmus zum Kopfnicker taugt.

Das von Admiral Klatsch produzierte „Nie so cool“, in dem Moritz mal wieder seine Herkunft vom Land und das sich auch nicht so richtig nach Ankommen fühlende Landen in der großen Stadt thematisiert, mutet nicht weniger hart an, hierbei aber auch sehr tanzbar angerichtet mit wummernder Eleketrolinie und treibenden Beats, zu denen sich dann auch mal eine aufheulende E-Gitarre gesellt.

In eine abwechslungsreiche Phase biegt die Scheibe mit ihren Feature-Tracks ein, musikalisch wie inhaltlich. Die leicht wave-gewürzte Trennungsnummer „Hinter der Tür“ mit den Krefelder Indie-Rockern von Crimson Bloom fährt das Tempo etwas zurück und wartet mit melodischem Gesang auf. „Unvernünftig“ drückt dann wieder auf’s Gas, und zusammen mit der Dortmunderin Katanna wird hier auch mal zu schmissigen Breakbeats gerappt. „Zum Griechen“ geht es dann wieder entspannter, und zwar auf dem Land zusammen mit den trinkfreudigen Frankfurter Jungs von Mehnersmoos, in einer hymnischen Mitsing-Nummer zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“.

Mal ruhiger, mal antreibend kommt „Kirche & Kneipe“ über aussterbende Provinzen daher, welches Grim zusammen mit der in Leipzig aufgewachsenen und nun in Berlin lebenden Josi Miller aufgenommen hat. Fünfter Track mit Gast ist „MF Doom“, in dem zusammen mit dem Österreicher Kamp klar gemacht wird, dass man sich keinen Vorgaben und Zwang erzeugenden Algorithmen fügen wird.

Hinzu kommen noch einige Solo-Nummern, die der 37-jährige Moderator des Podcasts „Zum Dorfkrug“ gezimmert hat, wie „Monstera“ als entspanntestes Stück, in dem das Gefühl beschrieben wird, sich endlich nach schlimmen Momenten in einer Beziehung getrennt frei zu fühlen, dann aber den Verlust eingestehen zu müssen. Generell aber geht es gegen Ende der Scheibe relaxter zu, wenn „Nie Allein“ als langsamer Kopfnicker mit souliger Würze ins Ohr fließt und „Break The Law“ ebenfalls gechillt beschreibt, wie man Konflikten mit dem Gesetz auch mit Ruhe entkommen kann. Ein weiteres gutes Album von Grim104, musikalisch abwechslungsreich und mit interessanten Texten ausgestattet.

Hier ist Grim104 live zu erleben:

17.04.2026 – Hamburg, Knust
18.04.2026 – Leipzig, Conne Island
23.04.2026 – Bremen, Lagerhaus
24.04.2026 – Hannover, Faust
25.04.2026 – Köln, CBE
26.04.2026 – Dortmund, Junkyard
30.04.2026 – Nürnberg, Stereo
01.05.2026 – München, Ampere
02.05.2026 – Frankfurt, Zoom (kleiner Raum)
08.05.2026 – Berlin, SO36 (Zusatzshow)
09.05.2026 – Berlin, SO36 (ausverkauft)

facebook.com/grim104
instagram.com/grim104

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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