Home Film„Resurrection“ – düstere cineastische Zeitreise als visuell ansprechendes Filmepos (mit Gewinnspiel)

„Resurrection“ – düstere cineastische Zeitreise als visuell ansprechendes Filmepos (mit Gewinnspiel)

Autor: Mick

"Resurrection" Filmplakat (© PLAION Pictures)

Resurrection

Darsteller: Jackson Yee, Nan Yan, Zhijian Zhang, Shu Qi
Regie: Bi Gan
Dauer: 160 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Facebook: facebook.com/plaion.pictures
Instagram: instagram.com/plaionpictures
Kinostart: 25. Juni 2026


Schon mit seiner beachtlichen Lauflänge von über zweieinhalb Stunden nötigt uns das dritte Werk „Resurrection“ des Chinesen Bi Gan („Long day’s journey into night“) großen Respekt ab. Doch nicht nur dadurch machte das epische Drama beim letztjährigen Filmfestival von Cannes von sich reden, sondern beeindruckte vornehmlich mit der Präsenz seiner Bilder, die auf einer episodischen Zeitreise in verschiedene Epochen der näheren chinesischen Geschichte zum Träumen einladen.

Mit seiner Rahmenhandlung allerdings entführt uns der Regisseur zunächst einmal in eine nicht näher definierte Zukunft, in der die Menschen zugunsten ihrer Langlebigkeit weitestgehend ihre Fähigkeit zu träumen eingebüßt haben. Lediglich einzelne „Fantasmer“ bewahren sich sehr zum Missfallen der Obrigkeit ihre Träume und werden deshalb gnadenlos verfolgt. Nachdrücklich zeigt uns das Bi Gan mit seiner in düsteren Bildern gehaltenen Eingangssequenz, in der der geöffnete Körper eines von einer Agentin (Shu Qi) zur Strecke gebrachten, monströsen Fantasmers auf mysteriöse Weise einen Filmprojektor offenbart.

Und mysteriös ist hier vom Start weg so einiges in der Inszenierung des künstlerisch ambitionierten Chinesen, bei deren Eröffnung sich schon cineastische Vergleiche mit David Lynchs Surrealismus aufdrängen. Doch jenseits aller Reminiszenzen erzählt uns Bi Gan natürlich auch eine Geschichte, denn kurz vor seinem Tod gewährt die Agentin dem Fantasmer noch eine letzte Gelegenheit zum Träumen, als sie seinen Projektor kurzerhand mit Filmen füttert. Ein verstörender, dystopischer Auftakt im Stummfilmstil der 20er Jahre, der den Weg ebnet für ein Kaleidoskop von Fantasien, die Bi Gan anschließend virtuos einem Drogenrausch gleich in Traumepisoden gießt.

"Resurrection" Szenenbild (© 2025 Dangmai – CG Cinema – Arte France Cinema)

(© 2025 Dangmai – CG Cinema – Arte France Cinema)

Angefangen mit dem Schicksal des Fantasmers Qiu (Jackson Yee) in einer zerbombten Großstadt, der in einem klassischen Film noir als Begleiter eines geheimnisvollen Dissidenten (Nan Yan) ins Visier der repressiven Staatsmacht gerät. Gefolgt von der Geschichte des Fantasmers als ehemaliger Mönch (wieder Jackson Yee), der beim Diebeszug in einem winterlichen buddhistischen Kloster ein merkwürdiges Erweckungserlebnis hat, wenn ihm nach dem Ausschlagen eines schmerzenden Zahns sein verstorbener Vater als „Geist der Bitterkeit“ erscheint. Kurz darauf machen wir Bekanntschaft mit dem Fantasmer als Trickbetrüger Jia (natürlich auch Jackson Yee), der mit seiner kleinen Komplizin (Mucheng Guo) einen mächtigen Mafiaboss mit einem simplen Kartentrick ausnimmt. Der so harte Gangster allerdings zeigt sich anschließend von seiner verletzlichen Seite, hat er doch in die Wette mit dem kleinen Mädchen nur eingewilligt, um sich von ihr einen Brief seiner toten Tochter vorlesen zu lassen.

Abgeschlossen wird Bi Gans Traumreigen von einer beeindruckenden Sequenz voller Bildgewalt, in der sich der Fantasmer Apollo (auch hier Jackson Yee) mit einer jungen Frau (Gengxi Li) durch die Silvesternacht 1999 in den Docks eines Hafens treiben lässt. Nur um festzustellen, dass es sich bei seiner liebgewonnenen neuen Bekanntschaft um einen Vampir handelt, und er zu einer existenziellen Entscheidung gezwungen ist. Die fast halbstündige Szene inszeniert der Regisseur meisterhaft als One-Shot, der uns hautnah mitnimmt bei Apollos rastlosem Lauf durch die Nacht, und den er nicht zufällig ans Ende seiner fantastischen Träume setzt, so sehr wirkt sein visuell anspruchsvolles Arrangement nach.

Gerade deswegen tun wir gut daran, nicht allzu viel hineinzuinterpretieren in die Handlung von Bi Gans Traumepisoden, uns vielmehr fallenzulassen in die Wucht seiner Bilder, die uns ein ums andere Mal begeistern auf einer cineastischen Reise durch die Genres und Zeit. Wie in Hypnose begleiten wir den Fantasmer durch wichtige Abschnitte der chinesischen Geschichte, die der Regisseur auch philosophisch ausdeutet, indem er jeden Traum einem der Sinne des Buddhismus widmet. Zwar haben nicht alle Episoden die gleiche emotionale Tiefe, und der Film wirkt bisweilen etwas überambitioniert, insgesamt aber ist Bi Gans neues Werk auch in seiner epischen Länge ein fesselndes, psychedelisches Erlebnis fast wie ein Trip, mit dem der Chinese ein flammendes Plädoyer für die Traumfabrik Kino hält.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 


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