Home Film„Nightborn“ – wenn Muttersein zum Albtraum wird

„Nightborn“ – wenn Muttersein zum Albtraum wird

Autor: Tobi

"Nightborn" Filmplakat (© Alamode Film)

Nightborn

Darsteller: Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio
Regie: Hanna Bergholm
Dauer: 92 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: alamodefilm.de/filme/nightborn
Facebook: facebook.com/alamode.filme
Instagram: instagram.com/alamodefilm
Kinostart: 6. August 2026


Nachdem die finnische Regisseurin Hanna Bergholm nach diversen seit 2002 inszenierten, mehrfach auch ausgezeichneten Kurzfilmen mit „Hatching“ 2022 ein Langfilmdebüt im Body-Horror-Sektor vorgelegt hatte, beschert sie mit „Nightborn“ nun ein zweites langes Werk, mit dem sie dem Genre im Ansatz nahe bleibt. Für die Hauptrollen konnte sie mit Seidi Haarla (hochgelobt für „Abteil Nr. 6“) und Rupert Grint (bekannt geworden als Ron Weasley in den „Harry Potter“-Filmen) zwei namhafte DarstellerInnen gewinnen.

Wir sehen die beiden als die schwangere Finnin Saga und ihren britischen Ehemann Jon, die zusammen aus der Großstadt London in ihre Heimat ins das abgelegene, schon länger nicht bewohnte Haus ziehen, das einst ihrer Großmutter gehörte und in dem sie einen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Es knirscht an allen Ecken und Enden und einiges muss mit Sicherheit gemacht werden, bevor die beiden sich so richtig wohlfühlen, aber hier tief im Wald herrscht die ersehnte Ruhe, um das Baby großzuziehen.

Als dieses dann zur Welt kommt, ist die Begeisterung allerdings limitiert, besitzt der Junge Kuura doch animalische Züge mit übermäßiger Behaarung und dem Ansatz eines Schwanzes am Steißbein, beißt ihr zudem beim Stillen die Brust blutig und ist auch sonst teilweise plötzlich garstig sowie selten müde. Da hilft es auch nicht, dass die Personen aus Sagas Umfeld versuchen, sie zu beruhigen und ihr Normalität einzureden – so fühlt sich das Ganze nämlich nicht für sie an. Hierunter leidet dann auch die vorher gut funktionierende Ehe der beiden, obwohl Jon alles tut, um Saga zu beschwichtigen.

"Nightborn" Szenenbild (© Pietari Peltola, Alamode Film)

(© Pietari Peltola, Alamode Film)

Horrorfilme mit bösen Kindern kennen wir einige, hier aber spielt sich der Schrecken trotz einiger blutiger Momente eher in der Vorstellung ab, sehen wir den kleinen Kuura doch sogar über lange Zeit kaum, und wenn, dann nicht seine diabolische Seite. „Nightborn“ soll offensichtlich eher als Parabel für die Schmerzen und Sorgen einer Mutterschaft an sich stehen, und für schwere Bindungsstörung nach der Geburt.

Dies funktioniert schon, wobei Bergholm bewusst viel Interpretationsmöglichkeiten lässt und einen zum Grübeln zwingt, was sie einem denn hier gerade erzählen möchte. Wie verhält es sich denn nun wirklich mit Kuura, den wir oft nur schreien oder gar gröhlen hören? Und warum reden alle anderen von Normalität? Leidet Saga vielleicht nur unter Wahnvorstellungen?

Dass sie selbst keine von Wärme und Liebe geprägte Mutter-Kind-Beziehung erfahren durfte, spielt mit Sicherheit eine Rolle und wird als wichtige Erinnerung auch mit eingestreut, und doch bleibt „Nightborn“ etwas zu vage in seiner Beschäftigung mit weltlichen Problemen und Übernatürlichem, was nicht ausgeschlossen scheint, aber dann doch eine Abstempelung als verrückt nach sich zieht. Der Film baut auf Atmosphäre, sein gutes Setting im finnischen Wald, düstere oder fiese Klänge, wenig begeisterte Gesichter und viel Platz für eigene Deutungen – bei denen dann auch die Erwartungshaltung der Gesellschaft eine Rolle spielt, denn vielleicht ist es ja nur diese, die hier zum Unbehagen führt.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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