
Corpus Delicti
Darsteller: Hannah Herzsprung, Alexander Fehling, Damian Hardung, Haley Louise Jones
Regie: Lena Stahl
Dauer: 103 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Facebook: facebook.com/LEONINEStudios
Instagram: instagram.com/leoninestudios
Kinostart: 1. Oktober 2026
Die Verfilmung „Corpus Delicti“ von Juli Zehs gleichnamigem Erfolgsroman ist nicht das erste Dystopie-Drama, das sich mit totaler Überwachung in einer zukünftigen Gesellschaft beschäftigt. Ob sich Regisseurin Lena Stahl von ähnlich angelegten Werken wie „Gattaca“ (1997) oder zuletzt dem französischen „Zone 3“ (2025) inspirieren ließ, an die ihr Film phasenweise stark erinnert, ist allerdings reine Spekulation. Weniger spekulativ ist da schon die Feststellung, dass sich die allgemeine Weltlage im Zuge des technologischen Fortschritts und diverser chauvinistischer Strömungen aktuell im rasanten Wandel befindet und damit allemal Anlass zur Sorge gibt. Sorge, die Stahl hier in ihrer atmosphärisch überzeugenden Zukunftsvision aufgreift, auch wenn die aus Zehs Vorlage schon stolze 16 Jahre alt ist.
An Aktualität jedenfalls hat sie keineswegs verloren und benennt auch nicht konkret das Jahr, in dem die Handlung angesiedelt ist. Vorstellbar ist das äußerst beunruhigende Szenario eines Überwachungsstaats, das ja schon George Orwell in seinem 1949 erschienenen Roman „1984“ hellsichtig prophezeite, jedoch sicherlich schon in allernächster Zukunft. Hier nämlich herrscht die „Methode“, eine durch omnipräsente Sensorik gespeiste Gesundheitsdiktatur, über die Menschen und versorgt sie rund um die Uhr mit allerlei Verhaltensoptimierungsvorschlägen, denen tunlichst Folge zu leisten ist, ernste Konsequenzen stehen ständig im Raum. Denn an Krankheit kann ja keinem gelegen sein, und Gesundheit bildet schon rein dogmatisch die Grundlage der gleichgeschalteten, funktionellen Gesellschaft.
Neurologin Mia (Hannah Herzsprung) beugt sich dem jegliche Privatsphäre missachtenden Diktat zwar meistens nur genervt, kommt ansonsten mit ihrem Leben in dem System aber ganz gut zurecht, selbst wenn es in erster Linie darum geht, darin zu funktionieren. Ernstere Zweifel kommen ihr erst, als ihr Bruder Moritz (Damian Hardung) eines Sexualmordes beschuldigt wird, zu dem er nach ihrer Einschätzung niemals fähig wäre. Einziges, wenn auch schwer belastendes, Beweismittel ist seine DNA an der Leiche, da er sich wie einige Gesinnungsgenossen gezielt dem 24/7-Tracking der „Methode“ entzieht.

(© LEONINE Studios / Stanislav Honzik)
Immerhin die bilden eine kleine freiheitsliebende Gruppe von Systemkritikern, die ihre obligatorischen Chipimplantate abkleben und ihre Zeit gern fern von jeder Überwachung in der Natur verbringen. Dass es auch in dieser vermeintlichen Idylle zu Verbrechen kommen kann, liegt auf der Hand. Dass der Hauptverdächtige Moritz aber aus den Reihen der Dissidenten kommt, scheint der Obrigkeit sehr zupass zu kommen, die dann auch schnell die Suche nach ihm intensiviert. Genau wie die nach wie vor von seiner Unschuld überzeugte Mia, die im Wissen um Moritz’ Lieblingsplätze dem Zugriff der Behörden zuvorkommt.
Rein optisch gelingt es Regisseurin Stahl mit dem kalten Grau-Blau ihrer Betonwüste bestens ein Gefühl der Beklemmung zu erzeugen, das uns augenblicklich zu großen Skeptikern des Systems werden lässt, kerngesunde Bürger hin oder her. Eigentlich beste Voraussetzungen für die Umsetzung von Zehs Dystopie, würde Stahls Plot nicht diverse Ungereimtheiten aufweisen, die sich irgendwann wahrlich zum Ärgernis aufsummieren. Gleichwohl folgen wir zunächst gespannt Mias verzweifelten Bemühungen, Unterstützung gegen die stichfest scheinende Anklage der „Methode“ zu erhalten. Doch weder Moritz‘ Verteidiger und schon gar nicht der zwielichtige Journalist Kramer (Alexander Fehling), der sich im Verlauf immer mehr als Erfüllungsgehilfe der „Methode“ entpuppt, sind gewillt dieser entgegenzutreten.
Fein gemalt ist es schon, das Bild eines totalitären Überwachungsstaats, das uns sofort gegen die „Methode“ aufbringt. Schon bald aber schleichen sich erste Logikfehler ein, und verkommt Stahls Drama zusätzlich zum flachen Kriminalstück mit Mia als Ziel staatlicher Ermittlungen, das sich zunehmend von der ursprünglichen Auseinandersetzung mit dem Gesellschaftssystem entfernt. Das weiß zwar mit ansprechenden schauspielerischen Leistungen über weite Strecken gut zu unterhalten, verschenkt aber leider auch viele Chancen von Zehs tiefsinnigerer Romanvorlage.
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten



(© btb Verlag)
Wir verlosen 2×2 Freikarten (in Deutschland einlösbar) für den Film, welche uns hierfür netterweise zur Verfügung gestellt wurden – ebenso wie zwei Exemplare des im btb Verlag erschienenen Romans als Taschenbuch.
Zur Teilnahme einfach das folgende Formular ausfüllen, Wunschgewinn wählen (Mehrfachwahl möglich) und absenden. Einsendeschluss für die Freikarten ist der 30. September 2026, damit die digitalen Tickets zum Ausdrucken (oder Online-Einlösen, was bei vielen Kinos auch bereits funktioniert) per E-Mail zum Kinostart bei den GewinnerInnen eintreffen. Für die Bücher ist der 22. Oktober 2026 der Einsendeschluss. Viel Glück!
P.S.: Um keine unserer Verlosungen zu verpassen, folge uns auf Instagram sowie X und werde Fan unserer Facebook-Seite.
