
Digger
Darsteller: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller
Regie: Alejandro G. Iñárritu
Dauer: 130 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/digger
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Kinostart: 1. Oktober 2026
Davon, dass der mexikanische Regisseur und Drehbuchautor Alejandro G. Iñárritu mit seinen Filmen gerne mal Spektakuläres vorlegt, zeugen schon alleine „Birdman“ (2014) und „The Revenant – Der Rückkehrer“ (2015). Für beide nahm er jeweils den Oscar® für „Beste Regie“ mit nach Hause. Dazu wurden für „Birdman“ Auszeichungen in Kategorien wie „Bester Film“ oder „Bestes Originaldrehbuch“ gefeiert, und Leonardo DiCaprio freute sich, für „The Revenant“ endlich als „Bester Hauptdarsteller“ gekürt zu werden. Nach dem 2022 für Netflix erschaffenen, komplett in Mexiko mit hierzulande kaum bekannten DarstellerInnen gedrehten „Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten“ (2022) meldet sich Iñárritu nun wieder auf der großen Leinwand zurück, mit dem starbesetzten „Digger“.
Auch wenn sich dies nach ihrer Sprache anhört, handelt es sich nicht um einen Jugendfilm. Vielmehr verbirgt sich die Hauptperson hinter dem Titel, der schwerreiche Ölmagnat Digger Rockwell (dank toller Maske alt und aufgedunsen kaum zu erkennen: Tom Cruise), der zu Beginn noch denkt, die gesundheitlichen Probleme seiner weißen greisen Katze wären die größten. Dann aber wird ihm klar gemacht, dass austretendes Methan an einem Förderungspunkt auf Grönland zu einem massiven Riss im Eis geführt hat. Diesen erklärt er zunächst in uncharmanter Art aufbrausend noch als viel zu irrelevant für einen störenden Videocall, dann aber löst sich eine riesige Landmasse und schwimmt Richtung Norwegen, wo plötzlich ein verheerender Tsunami mit vielen Toten und Verwüstung bevorsteht – und nicht nur hier.
Aufgeschreckt von den unschönen Neuigkeiten wird ein Krisenstab einberufen, dem auch der exzentrische, herrische US-Präsident Compson (John Goodman) angehört, ebenso wie der Vizepräsident (Michael Stuhlbarg) und diverse Fachleute, von denen vor allem Ganesh (Riz Ahmed) die Lage durchblickt. Das Eis müsse man doch beschießen und hierdurch ablenken können, so die Ideen von Digger und Compson, womit sie direkt noch als Retter der Menschheit gefeiert werden könnten – aber so einfach ist das nicht.

Tom Cruise als Rockwell und Riz Ahmed als Ganesh
(© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)
Achtung Spoiler: Der folgende Absatz enthüllt einen im Film nicht allzu spät angesetzte Twist, der für die Bewertung des Streifens mitentscheidend ist. Um „Digger“ in vollem Umfang zu genießen, wenn man dies denn vorhat, sollte man diesen überspringen und zum Verständnis unserer Meinung nur die letzten beiden Absätze lesen.
Die Ereignisse überschlagen sich, und während wir Zeuge werden, wie weitere AkteurInnen wie Diggers zynisch die Lage kommentierende Halbschwester Emma (Sandra Hüller) ebenfalls eine Rolle spielen, verstehen wir, dass es genau hierum geht – das Ganze ist ein im großen Stil aufgezogenes Theaterstück und wir werden gerade Zeuge der Generalprobe. Was zuerst wie ein Blick in schöne Natur aus dem Fenster des Öl-Tycoons aussah, entpuppt sich als fast schon kitschig schön angerichtete Kulisse, wo auch mal ein Baum wegkippt, Wasser als mühevoll bewegte blaue Folie, das unechte Aussehen der sich mechanisch bewegenden Katze erschließt sich nun – und der kaum sympathischere Darsteller des Digger sitzt zwischendurch nörgelnd in seiner Garderobe. Diese Wechsel der Perspektiven sind interessant, gefallen auch – und bergen doch auch den einen oder anderen Moment, wo sie unrealistisch erscheinen.
Das von Iñárritu mit seinen langjährigen Kollaborateuren Nicolás Giacobone und Alexander Dinelaris sowie der mexikanischen, auch für Theaterstücke bekannten Autorin Sabina Berman geschriebene Drehbuch hält bis zum Ende hin einige Überraschungen bereit und macht „Digger“ – bezugnehmend auf unsere Einleitung – zu einem erneuten Spektakel. Die Bilder des für „Birdman“ wie „The Revenant“ mit dem Oscar® für „Beste Kamera“ ausgezeichneten Emmanuel Lubezki sind mit besonderer Optik ebenso stark wie Szenenbild und Maske, viele Dialoge sitzen und Rockwells Rede vor dem Parlament ist ein absolutes Highlight.
„Digger“ ist aber in seiner mehr als zweistündigen Spielzeit auch anstrengend und man fühlt sich am Ende nicht nur gut unterhalten, sondern auch ziemlich erschlagen, weil es nicht selten laut und chaotisch zugeht, hier und dort rasant geschnitten, wo andere Szenen wieder zu ausgiebig wirken. Mainstream-Kino liegt hier nicht vor, aber die verabreichte Kritik an den wirtschaftlich wie politisch Herrschenden passt gut in die Zeit und schauspielerisch erleben wir sehr überzeugende Leistungen. Hier brilliert nicht nur der mal ganz anders ausschauende Tom Cruise, auch John Goodman und Riz Ahmed wissen zu glänzen – und Jesse Plemons sowie Emma D’Arcy gehören ebenfalls noch zur prominenten Besetzungsliste. Am Ende scheint der mit viel Budget realisierte „Digger“ schon gewagt, besitzt aber genug Reiz, um auf der großen Leinwand zu funktionieren – sicher aber nicht für jedermann, denn leichtverdauliches Popcorn-Kino sieht anders aus.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten

