Home Film “Ein Glücksfall” – feinhumorige Krimigeschichte von Altmeister Woody Allen

“Ein Glücksfall” – feinhumorige Krimigeschichte von Altmeister Woody Allen

Autor: Mick

"Ein Glücksfall" Filmplakat (© Weltkino)

Ein Glücksfall

Darsteller: Lou de Laâge, Melvil Poupaud, Niels Schneider, Valérie Lemercier
Regie: Woody Allen
Dauer: 93 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.weltkino.de/filme/ein-gluecksfall
Facebook: facebook.com/WeltkinoFilmverleih
Kinostart: 11. April 2024


Seit den gegen ihn in den USA erhobenen Missbrauchsvorwürfen scheint der inzwischen 88-jährige Altmeister Woody Allen dort in Ungnade gefallen zu sein, hält sich bevorzugt in Europa auf und legt jetzt mit der fünfzigsten (!!!) Regiearbeit „Ein Glücksfall“ sogar seinen ersten fremdsprachigen Film auf Französisch vor. An Produktivität jedenfalls hat er auch im gesetzten Alter nicht eingebüßt, doch anders als etwa sein in ähnlicher Situation befindlicher Kollege Roman Polanski, der sich vor kurzem mit seinem wohl letzten Streifen „The Palace“ eine veritable Peinlichkeit leistete, präsentiert er uns jetzt mit seiner leichtfüßigen Krimikomödie tatsächlich nochmal einen seiner besten Filme.

Alles geht erstmal wie so oft bei ihm in die Richtung klassisches Beziehungsdrama, als Auktionshausmitarbeiterin Fanny (Lou de Laâge) an einer Pariser Straßenecke zufällig ihrem früheren Mitschüler aus New Yorker Zeiten – so viel Heimatverbundenheit muss bei Allen dann auch in seiner französischen Produktion sein – Alain (Niels Schneider) über den Weg läuft. Der zeigt anfangs weit mehr Interesse an einer Unterhaltung als sie, deren Leben eigentlich in überaus geordneten Bahnen verläuft. Eigentlich. Sie ist in zweiter Ehe mit dem ungemein erfolgreichen Geschäftsmann Jean (Melvil Poupaud) verheiratet, der ihr so ziemlich jeden Wunsch von den Augen abliest. Glücklich ist sie deshalb noch lange nicht, zeigt sich zunehmend gelangweilt vom Pendeln zwischen Cocktailpartys und Jagdwochenenden auf dem Landsitz und fühlt sich nicht ganz zu Unrecht vorwiegend als Trophäe ihres Mannes, die der gern der gehobenen Gesellschaft präsentiert.

Welch „ein Glücksfall“ also, dass sie jetzt mit dem belebend kreativen Schriftsteller Alain plötzlich wieder jemand hat, der sich wirklich für sie interessiert und sie unverhohlen umwirbt. Aus einer Verabredung zum Mittagessen werden regelmäßige, abwechslungsreiche Treffen und schnell auch eine sexuelle Affäre, auf die sich Fanny abseits ihres eintönigen Ehelebens nur allzu gerne einlässt. Das alles ist von der Geschichte her nicht sonderlich revolutionär, wenn auch von Allen gewohnt routiniert mit fein herausgearbeiteten Figuren und Pariser Flair charmant inszeniert. Doch zum klassischen Drama gehört natürlich auch bei Allen traditionell der tragische Held, oder hier vielmehr die Heldin, die bei ihm recht bald ihren neuen attraktiven Lover los ist. Gleichmut nämlich ist die Sache von Fannys eifersüchtigem Mann nicht, der noch dazu beste Verbindungen zur Unterwelt besitzt und diese nach Gewissheit über das Fremdgehen seiner Frau kurzerhand kaltblütig für Alains Beseitigung nutzt.

"Ein Glücksfall" Szenenbild (© 2023 Gravier Productions Inc. / Foto: Thierry Valletoux)

Camille (Valérie Lemercier) und Jean (Melvil Poupaud)
(© 2023 Gravier Productions Inc. / Foto: Thierry Valletoux)

Und schon befinden wir uns völlig unvermittelt und unheimlich unterhaltsam in einem handfesten Kriminalplot, wo wir eben noch die Pläne von Jeans kriminellen Handlangern belächelt haben. Doch überraschenderweise meint es Woody Allen mit dem Mord wirklich ernst, ist Alain über Nacht verschwunden, und Fanny zwischen Sorge und Wut über seinen unangekündigten Abgang hin- und hergerissen. Ihre Mutter Camille (Valérie Lemercier) jedenfalls hat einen eindeutigen Verdacht, ist ihr Jean wegen seiner dubiosen Geschäfte und zwielichtigen Vergangenheit – auch sein Unternehmenspartner verschwand einst auf ominöse Weise – schon immer suspekt.

Amüsanterweise begleiten wir jetzt in Allens somit fast zweigeteilten Film Fanny und vor allem Camille bei ihren Ermittlungen rund um das Verschwinden Alains, während wir parallel verfolgen dürfen, wie Jean nicht nur versucht, das Verbrechen zu vertuschen sondern obendrein die gewohnte Normalität seiner Ehe wiederherzustellen. Gestützt auf seine durchweg glaubwürdigen Schauspieler setzt Allen dabei sein ebenso stringentes wie erfrischendes Drehbuch ungeheuer beschwingt um und nimmt seine sich plötzlich entwickelnde Kriminalgeschichte mit einigen vergnüglichen Einfällen trotzdem nicht allzu ernst. Damit unterhält uns der Altmeister seit langem mal wieder vorzüglich und zaubert zum Ende sogar noch eine witzige Überraschung aus dem Hut.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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