Home Film„Finding Emiliy“ – charmante RomCom mit recht handelsüblichem Verlauf

„Finding Emiliy“ – charmante RomCom mit recht handelsüblichem Verlauf

Autor: Mick

"Finding Emily" Filmplakat (© Universal Pictures)

Finding Emiliy

Darsteller: Spike Fearn, Angourie Rice, Prasanna Puwanarajah, Sadie Soverall
Regie: Alicia MacDonald
Dauer: 110 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.upig.de/micro/finding-emily
Facebook: facebook.com/UniversalPicturesDE
Instagram: instagram.com/universalpicturesde
Kinostart: 10. September 2026


Im Studentenmilieu spielende Romantic Comedys haben wir alle wohl schon zur Genüge gesehen. Gerade US-Collegefilmchen in der Tradition von „American Pie“ können uns da nur noch selten hinter dem Ofen vorlocken. Gut, dass es die Britin Alicia MacDonald gibt, die mit ihrem Erstling „Finding Emily“ jetzt zwar ebenso relativ ausgetretene Pfade beschreitet, dabei jedoch anders als die meisten allzu platten US-Produktionen des Genres einen erfreulich charmanten Tonfall trifft. Das Sujet indes bleibt auch bei ihr das ewig gleiche, welches die Regisseurin eingangs inspirierend mit folgendem Zitat einführt: „Liebe ist nur der temporäre Zustand selbstzerstörerischen Wahnsinns.“

Da ist durchaus etwas Wahres dran und gleichzeitig die These, zu der die amerikanische Psychologie-Studentin Emily (Angourie Rice) in ihrer Abschlussarbeit forscht, die sie besser heute als morgen abgeben soll. Da kommt ihr die Begegnung mit dem bis über beide Ohren verliebten – und dabei sicher nicht ganz Herr seiner Sinne seienden – Tontechniker Owen (Spike Fearn) ganz gelegen, der sie eines Tages dreist aus dem Hörsaal rufen lässt. Dabei gilt sein Interesse gar nicht ihr, sondern einer anderen Emily (Sadie Soverall), die er am Vorabend im Studentenclub kennengelernt hat und deren Telefonnummer beim hastigen Abschied leider unvollständig in seinem Handy landete.

Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Suche anhand einer recht dürftigen Datenbasis zu starten, weiß er von ihr doch lediglich den Vornamen und dass sie Studentin an der Uni von Manchester ist. Sein oben erwähnter Wahnsinn lässt ihn krampfhaft erste Emilys per Flugblatt ausfindig machen, und die erste Kontaktaufnahme ist eben kein Treffer, jedoch zumindest für Ami-Emily trotz der Vorlesungsstörung ein voller Erfolg, da sie in Owen das perfekte Forschungsobjekt für ihre Arbeit gefunden zu haben denkt, von der sie sich für ihre Zukunft in England doch so viel verspricht.

Zugegeben, das ist kein revolutionäres Szenario, mit dem uns MacDonald hier konfrontiert, und es fällt nicht sonderlich schwer, sich den weiteren Verlauf der Geschichte vorzustellen, nachdem wir den verzweifelten Liebeskranken und die recht nüchtern agierende, ambitionierte Studentin kennengelernt haben. Rice und Fearn jedoch harmonieren von der ersten Sekunde an bestens und spielen sich in witzigen Dialogen so gekonnt die Bälle zu, dass die durch den Drehbuch-Zufall zusammengeführten Emily und Owen ein wirklich süßes Pärchen abgeben, dem wir trotz aller Vorhersehbarkeit gern in seine weitere Suche nach der Party-Emily folgen.

"Finding Emily" Szenenbild (Foto: Matt Squire © 2026 Focus Features LLC)

Spike Fearn als Owen und Angourie Rice als Emily
(Foto: Matt Squire © 2026 Focus Features LLC)

Doch so geradlinig soll die Handlung dann doch nicht verlaufen, wenn Emily die selbstlose Unterstützerin mimt und Owen zur Erweiterung des Real-Life-Experiments mit den Mailadressen sämtlicher 318 immatrikulierter Emilys versorgt. Das schlägt nicht nur hohe Wellen, weil sich unter den unaufgefordert Kontaktierten auch Dekanin Emily Watkinson (Minnie Driver) befindet, und schreit förmlich nach einem erklärenden Auftritt im sensationsgeilen Campus-TV, der Owen so oder so augenblicklich zu einer lokalen Berühmtheit macht. Denn nicht allen gefällt sein gefühlvoll vorgetragenes Ständchen, sondern ruft auf der anderen Seite spontanen Protest der Frauenrechtler:innen gegen den übergriffigen „E-Mail.Guy“ hervor.

Und schon sickert fast unterschwellig eine tiefere, gesellschaftlich durchaus relevante Ebene in den recht seichten RomCom-Plot, der ansonsten wenig überraschend die sukzessive Annäherung der beiden Protagonist:innen vorsieht. Was, wenn Party-Emily Owen absichtlich eine falsche Nummer gegeben hat? Hat er trotzdem das Recht, mit allen Mitteln, illegal weitergegebene Mailadressen mal ausgeklammert, nach ihr zu suchen, oder ist das schon toxisch männliches Verhalten, wie die Feminist:innen auf dem Campus behaupten?

Interessante Fragen, die den Film zusätzlich bereichern und ihn erfreulich von seinen überwiegend glatt gebügelten Genregenossen abhebt. Das macht ihn zwar noch lange nicht zu einem Meisterwerk des Tiefsinns, mit seiner britisch-ironischen Inszenierung und vor allem seinem passenden Hauptdarsteller:innen-Duo aber entwickelt er einen unerwarteten Charme, der ihn durchaus sehenswert macht. Die Einordnung der anfangs aufgestellten These sei mal jedem selbst überlassen.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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