Home Film “Problemista” – die Probleme eines jungen US-Immigranten als abgedrehte Komödie

“Problemista” – die Probleme eines jungen US-Immigranten als abgedrehte Komödie

Autor: Mick

"Problemista" Filmplakat (© Universal Pictures)

Problemista

Darsteller: Julio Torres, Tilda Swinton, RZA, Catalina Saavedra
Regie: Julio Torres
Dauer: 104 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.upig.de/micro/problemista
Facebook: facebook.com/Focus.Features.DE
Kinostart: 13. Juni 2024


Es ist schon so etwas wie seine eigene Migrationsgeschichte, die uns Regie-Debütant und Drehbuchautor Julio Torres in seiner abgedrehten Komödie „Problemista“ hier erzählt. Selbst in El Salvador geboren und aufgewachsen und später nach New York ausgewandert, weiß wohl keiner besser als er, wie es sich anfühlt, als freischaffender Künstler voller Ideen in den Vereinigten Staaten Fuß fassen zu wollen.

Anders als er selbst, der sich inzwischen recht erfolgreich als Autor für Comedyformate wie das renommierte „Saturday Night Live“ verwirklichen kann, ist es für Alejandro, den Protagonisten seines autobiografischen Plots ungleich schwerer, sich seinen Traum, als Spielzeugentwickler zu arbeiten, zu erfüllen. Von einer ebenso liebenden wie fantasievollen Mutter in El Salvador zu einem äußerst kreativen jungen Mann erzogen, sucht der, selbstverständlich gleich von Torres selbst gespielt, jetzt sein Glück in New York und muss feststellen, dass der Weg zu seinem ersehnten Wunschjob weit und steinig ist.

Also geht es erstmal über die Zwischenstation einer Arbeit bei einer Agentur für Kryokonservierung, die ihn über Wasser hält und ihm vor allem seine Aufenthaltsgenehmigung in den USA garantiert. Damit ist es jedoch schnell vorbei, als er wegen einer kleinen Nachlässigkeit prompt die Kündigung erhält und so unvermittelt seinen „American Dream“ in Scherben vor sich liegen sieht. Schon diese Einführung in die Geschichte seines Films gerät Torres hier aber einigermaßen befremdlich, denn er zeichnet seinen Alejandro ein wenig zu linkisch und unbeholfen, als dass wir uns sofort identifizieren könnten mit dem nun völlig im prekären Milieu angekommenen Einwanderer.

Es gilt jetzt nämlich so schnell wie möglich einen neuen lukrativen Job oder zumindest einen potenten Sponsor aufzutreiben, der von den unnachgiebigen Behörden für die Verlängerung seines Arbeitsvisums verlangt wird. Da tritt auch schon Elizabeth (Tilda Swinton) auf den Plan, eine verpeilte Kundin des Kryocenters, in dem sie ihren Künstlergatten einfrieren lassen hat und jetzt eine Ausstellung zum Verkauf seiner gewöhnungsbedürftigen Eiergemälde plant. Dabei kann sie einen Assistenten ganz gut gebrauchen, und Alejandro wittert seine Chance, in ihr zumindest den dringend benötigten Sponsor zu finden, denn die Uhr zum Ablauf seines Visums tickt erbarmungslos.

"Problemista" Szenenbild (© Universal Pictures)

(© Universal Pictures)

Tilda Swinton hat schon des Öfteren ihre Liebe für alternative, skurrile Projekte bewiesen, und unterstützt auch hier den Jungregisseur mit ihrer Performance als überdrehte, extravagante Kunsthändlerin, die kaum ihre Termine im Kopf behalten kann und noch dazu im Umgang alles andere als einfach ist. So wirkt Alejandros Anbiedern an Elizabeth irgendwie auch immer latent peinlich und kann uns nicht richtig abholen, auch wenn sein Verhalten angesichts der drohenden Abschiebung durchaus nachvollziehbar ist. Natürlich sorgt das Aufeinandertreffen der grundverschiedenen Charaktere immer wieder für komische Situationen, insgesamt jedoch ist Swintons gut gemeinte Darstellung der exzentrischen Möchtergern-Kuratorin immer den einen Tick drüber, der uns irgendwann genervt die Augen verdrehen lässt.

Und doch hat Torres‘ Film seine amüsanten Momente, überrascht uns nicht nur wiederholt mit der Umsetzung seiner skurrilen Einfälle, die dann auch optisch für Abwechslung sorgen, sondern regt damit gleichzeitig zum Nachdenken über Alejandros verzweifelte Situation an, die exemplarisch für so viele Migrantenschicksale steht. Der ist so in seinem Bemühen um die Unterstützung der chaotischen Elizabeth gefangen, dass er darüber fast seine leidenschaftliche Bewerbung als Spielzeugerfinder vergisst, deren Ideen der Konzern inzwischen auch noch skrupellos zu Geld macht.

Seine ernst gemeinte Kritik am Umgang mit Einwanderern in den USA verpackt Torres hier aber geschickt in die humoristischen Episoden seiner Geschichte, und verhindert so wenigstens einen allzu depressiven Grundton seiner gewollt leichten Komödie. Stringenz allerdings lässt der Streifen dabei größtenteils vermissen, wirkt eher wie eine Aneinanderreihung einzelner Sketche und damit irgendwie unfertig. Langweilen tut er uns damit aber nicht, und so weiß Torres‘ unkonventionelle Autobiografie trotz etwas überzeichneter Figuren durchaus zu unterhalten.

Trailer:

Bewertung: 5 von 10 Punkten

 

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