Home Film„Was haben wir gelacht“ – weibliche Prominente kommentieren inkorrektes Verhalten der deutschen TV-Vergangenheit

„Was haben wir gelacht“ – weibliche Prominente kommentieren inkorrektes Verhalten der deutschen TV-Vergangenheit

Autor: Tobi

"Was haben wir gelacht" Filmplakat (© Port au Prince Pictures)

Was haben wir gelacht

Dokumentarfilm
Regie: Eva Müller, Isabel Schneider
Dauer: 96 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: port-prince.de/projekt/was-haben-wir-gelacht
Facebook: facebook.com/PORTAUPRINCEfilms
Instagram: instagram.com/portauprincefilms
Kinostart: 16. Juli 2026


Ältere oder Mittelalte unter uns erinnern sich noch gut an die 90er-Jahre, als das von Thomas Gottschalk im ZDF moderierte „Wetten, dass…?“ im Fernsehen noch die angesagte Samstagabend-Unterhaltungsshow war, als man in der Late Night über die nicht immer politisch korrekten Sprüche von Harald Schmidt lachte sowie über Karl Dall in „Dall-As“ oder gegen Abend bei Spielshows von Harry Wijnvoord oder Jörg Draeger zuschaute. Alles Männer – weil Frauen damals eben zumeist nur zu hübsch bekleideten Assistentinnen taugten, die Buchstaben umdrehten oder die Gewinne präsentierten.

Auch wenn sie hierbei den einen oder anderen Chauvi-Spruch über sich ergehen lassen mussten, waren sie in diesen Positionen noch einigermaßen gut bedient im Vergleich zu den Kolleginnen, die Opfer fieser Gags wurden, die heute massive Shitstorms in den sozialen Medien und dann darüber hinaus auslösen würden. Harald Schmidt zeigte damals Bilder von einer Ausgabe der Zeitschrift „Emma“, einer Flasche Eierlikör, einer Klobrille und Bettina Böttinger mit der Frage, was diese vier Dinge gemeinsam hätten – mit der Antwort „Die würde kein Mann freiwillig anfassen.“ Was für eine fiese Erniedrigung der lesbischen, aber noch kein öffentliches Coming-Out vollzogenen Moderatorin, die zurecht schon damals nicht unbeachtet blieb. Die beste Antwort gab dann Böttinger selbst, als sie Anfang 1996 in seine Show eingeladen wurde, wo sie ihn hierzu fragte, was denn daran witzig gewesen sei und dann mit „Ich finde, es gibt Grenzen“ die Sendung verließ.

Den Mut zum Widerspruch hatten aber damals nicht viele. Nun blickt die Doku „Was haben wir gelacht“ zurück, in der Böttinger, Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Gaby Köster und Esther Schweins in Einzelinterviews Szenen aus der damaligen deutschen Fernsehlandschaft – oder auch mal Auftritten wie im Karneval oder Kabaret – kommentieren. Hierbei wird noch einmal klar, welch niedrigen Stellenwert Frauen damals oft hatten, wie sexistisch Sprüche gemacht werden durften und dass Widerspruch eine die Karriere hätte kosten können.

Hella von Sinnen und Thomas Gottschalk (© Archiv: ZDF, Wetten, dass...?, 02.03.1991)

Hella von Sinnen und Thomas Gottschalk
(© Archiv: ZDF, Wetten, dass…?, 02.03.1991)

Dass Thomas Gottschalk immer mal gerne die Knie oder Hände seiner weiblichen Gäste angrapschte, das ist allen auch damals nicht entgangen – aber so war er halt, der Thommy, unser schlagfertiger, witziger Fernsehliebling der Nation. Im Zusammenschnitt wirkt dies nun abstoßend, auch weil man den Angefassten von Claudia Schiffer bis zu Madonna anzuschauen meint, dass ihnen dies nicht wirklich recht war.

Hella von Sinnen steigt noch im sowieso schon hohen Ansehen, wenn man sieht, wie sie als eine von wenigen damals schon Kontra gab und deutlich wurde – und sie schaffte es ja auch zur gleichberechtigten Co-Moderatorin größerer Shows, genauso wie Böttinger ihre eigenen Talkshows hatte.

„Was haben wir gelacht“ ist eine interessante Reise in eine zum Glück vergangene, aber nicht weit zurückliegende Fernsehkultur, die reflektierend kommentiert von den fünf Genannten die heutige Sicht auf die eigenen Erfahrungen oder das am Bildschirm Miterlebte bündelt – ein bisschen Schwarz-Weiß-malerisch allerdings durchaus, weil positive Gegenbeispiele unerwähnt bleiben.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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