
Fatoni
„Drama endet nie“
(Album, LOL Records, 2026)
Auf Spotify stellt er sich bescheiden mit „Der beste deutsche Rapper der Welt“ vor, bei Instagram, TikTok und Facebook als „Rapper • Schauspieler • Lebemann“ – die Rede ist von Fatoni. Anton Schneider, wie er bürgerlich heißt, kommt aus München – die „Brezen“-Artikel in seinem Shop sind hier ein zielführender Hinweis, auch wenn der 41-Jährige inzwischen in Berlin lebt.
Ja, Schauspieler ist er auch und hat es sogar studiert, stand bis 2015 im Theater bereits mehrfach auf der Bühne und war in einigen TV- und Filmproduktionen zu sehen, wie einem „Tatort“ (2021) oder dem One-Shot-Kinofilm „Home Sweet Home – Wo das Böse wohnt“ (2023). Nachdem er vor kurzem in der Hauptrolle der international erfolgreichen Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ zu sehen war, die natürlich weiterhin abrufbar ist, liegt nun mit „Drama endet nie“ sein siebtes Album vor.

(© Michael Weniger)
Mit diesem könnte – wenn nicht sogar sollte – Fatoni an die Erfolge der letzen Jahre anknüpfen, landeten „Andorra“ (2019), „Delirium“ (mit Edgar Wasser, 2021), „Wunderbare Welt“ (2023) und „BAWRS“ (mit Edgar Wasser & Juse Ju, 2025) doch allesamt in den Top Ten der deutschen Album-Charts.
„Sollte“, weil „Drama endet nie“ mal wieder überzeugt mit seinen 15 Tracks auf 51 Minuten und hierbei abwechslungsreich daher kommt, inhaltlich wie musikalisch. Mit „Alles neu“ über Aufbruch zu neuen Ufern und den Glauben, sein Glück selbst in der Hand zu haben, startet die neue Scheibe überraschend rockig, auch wenn Streicher sanft den Ausklang bilden.
Dann regiert erst einmal der Rap, und der von Greedo produzierte, entspannt angerichtete Titeltrack mit Zeilen wie „Scheiß mal auf Jay-Z, denn es ist andersrum – die Welt hat 99 Probleme und jedes hat mit ’nem Mann zu tun“ oder „Heut weiß ich: Drama endet nie. Kann man sein Leben nicht auch autotunen? Mach die Augen zu, stell mir vor, dass ich in Thailand wär, mach sie wieder auf und steh im Stau in einem Kreisverkehr“ klingt trotz seiner Gemütlichkeit problembehaftet – gut, dass die Featuregast Lakmann auffahrende Nummer ein „Doch alles gut, ich hab immer noch Energie“ vermittelt.
Noch sanfter abgroovend schließt sich das satirisch auf Künstliche Intelligenz als Befreiung vom alltäglichen Wahnsinn hoffende, ebenfalls von Greedo produzierte „Wann werd ich endlich ausgetauscht?“ an, das ebenfalls als Single vorausgeschickt wurde.
Weitere relaxte Tracks der Scheibe sind das auf geringere Motorisierung und Fahrtwind als Jungbrunnen setzende „Vespa“ sowie das auf gechillte Sphären und Steicher zu sanften Beats bauende „Moment“ mit Sängerin Ami Warning und Keno.
Mächtig pumpende Tracks sind aber auch einige zu finden, wie das von Torky, Dexter und Greedo produzierte „Geld ist geil“ als Abrechnung mit den Milliardären des Landes und Aufforderung zur Umverteilung obszön riesiger Vermögen, oder das von Dexter klanglich zu einem fetten Kopfnicker optimierte „Nachos“ über all die Faschos im Land und diverse gesellschaftlich kritisch zu sehende Verhaltensweisen.
Aber auch die Liebe findet sich als Thema wieder, allerdings nicht rosarot beseelt sondern in einer ganzen Packung an Trennungsliedern. Im fließenden „Oktober“ belasten noch Gedanken an alte gemeinsame Zeiten, und im mit Piano ruhig daher kommenden „Vergissmeinnicht“ redet sich Fatoni ein, alles wäre schon okay, so wie es ist, wobei „Ich würd‘ so gerne vergessen, dass ich dich vermiss. Ich hoff‘, du bist okay, da wo du bist.“ schon sehr melancholisch den Ton angibt. Und damit nicht genug, denn auch das düstere „Lange nicht mehr gut“ kommt traurig daher, in dem Mine nachhallend singt und rappt, dass Probleme schon länger existiert haben, während Fatoni energetisch über die misslungene Paartherapie und überschrittene Haltbarkeit philosophiert.
Tiefgründig ist auch das starke, sich auf Erich Fromm beziehende „Symptom“, denn „Vielleicht ist der Normale ja der Kranke und der Kranke der Gesunde, weil der noch irgendwas spürt.“ Ordentlich Abwechslung hierzu bietet „Aber ich will lieber saufen“, das erst ambitionierte Gutmenschen-Verhaltensweisen auflistet, im Party-Refrain aber doch lieber einen ordentlichen Rausch vorzieht – dann aber auch die Folgen von zügellosem, unbedachtem Wirken anspricht bis hin zu einem in heulender Verzweiflung aufgehenden Ende.
Die einzige musikalisch wie inhaltlich banale, trotzdem aber Stimmung bringende Nummer der Scheibe wird mit „Nicht Hollywood“ (feat. Dissy) verabreicht, wo sich Fatoni in groovendem Disco-Pop-Gewand über Loserstatus mit seiner Frise wie Brad Pitt hinwegtröstet. Am Ende erinnert sich der gebürtige Münchener dann in „Schwabinger Laterne“ mit Streichern schön arrangiert an seine einstige Heimatstadt, mit einem Chanson-Sample der 2014 verstorbenen Kneipenbesitzerin und im wahrsten Sinne der Worte lokalen Größe Gisela.
Mit dem ebenfalls ruhigen „Wenn wir uns wiedersehen“ als Loblied auf gute Freunde schließt Fatoni ein facettenreiches, wieder gutes Album ab, mit dem er von seinem selbstverliehenen Status als „Der beste deutsche Rapper der Welt“ zumindest nichts einbüßt. Und mal ehrlich – zu den besten des Landes gehört er allemal.
Hier ist Fatoni auf Festivals live zu erleben:
09.07.2026 Warnemünde – Glashäger Strandkonzerte
18.07.2026 Kirchanschöring – Im Grünen Festival
19.07.2026 Freiburg – Zelt-Musik-Festival
21.08.2026 Dornstadt/Ulm – Obstwiesenfestival
29.08.2026 A-Petzen – Fuzzstock Festival
…und hier auf seiner „Drama endet nie Tournee 2026“:
03.09.2026 Leipzig – Felsenkeller
04.09.2026 Erlangen – E-Werk
05.09.2026 Stuttgart – Wagenhallen
11.09.2026 Hamburg – Große Freiheit 36
12.09.2026 Köln – Carlswerk Victoria
22.09.2026 A-Wien – Arena
23.09.2026 München – Muffathalle
24.09.2026 Wiesbaden – Schlachthof
10.11.2026 Hannover – Capitol
11.11.2026 Münster – Sputnikhalle
28.11.2026 Berlin – Columbiahalle
facebook.com/fatonimusik
instagram.com/fatoniyo
tiktok.com/@fatoniyo
Bewertung: 9 von 10 Punkten

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