Home MusikCD-Rezensionen Duran Duran widmen sich Halloween und bleiben hiermit im Mittelmaß stecken

Duran Duran widmen sich Halloween und bleiben hiermit im Mittelmaß stecken

Autor: Tobi


Duran Duran "Danse Macabre"

Duran Duran

“Danse Macabre”

(CD, Tape Modern, 2023)

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Dass die erfolgreichsten Zeiten von Duran Duran schon ein paar Dekaden zurück liegen, das liegt vor allem daran, dass die Qualität und Besonderheit ihrer Alben stark zurückging und sich der musikalische Output schon eine ganze Weile im Mittelmaß bewegt. Wussten die Briten nach dem Start ihrer Karriere Anfang der 80er-Jahre eine ganze Zeit lang mit Singles wie “Planet Earth” (1981), “Girls On Film” (1981), “Hungry Like The Wolf” (1982), “Save A Prayer” (1982), “Is There Something I Should Know?” (1983), “The Reflex” (1983), “The Wild Boys” (1983) oder dem Titellied zum James Bond-Film “A View To A Kill” (1985) und guten Alben voll zu überzeugen, begannen für Simon Le Bon (Gesang), John Taylor (Gitarre), Andy Taylor (Gitarre), Nick Rhodes (Keyboard) und Roger Taylor (Schlagzeug) dann schwierigere Jahre.

Nebenprojekte wie den Bands Arcadia und The Power Station wurden gestartet, Roger und Andy Taylor verließen Duran Duran, und die folgenden Longplayer wurden keine großen Erfolge mehr, bis die auf Grund ihres Coverbilds als “The Wedding Album” bekannte Scheibe 1993 wieder songorientierter statt experimentell daher kam, mit Singles wie “Ordinary World” und “Come Undone” auch wieder gute Ohrwürmer enthielt. Leider stellte sich dies als kurzes Zwischenhoch heraus, verschwand die Band doch bald wieder in der Versenkung. Die Wiedervereinigung in alter Erfolgsformation und das Album “Astronaut” sorgten 2004 wieder für mehr Interesse, um dann wieder abzutauchen – mitsamt erneuter Trennung von Andy Taylor. Dass “Paper Gods” 2015 immerhin mal kurz wieder die UK-Top-Ten erreichte, war sicherlich schön für die Jungs, aber lange verweilte die Scheibe nicht in den Ranglisten. Gleiches galt für das letzte Album “Future Past” (lies unsere Rezension hier), auf dem Duran Duran in der Besetzung mit Simon Le Bon, Nick Rhodes, John Taylor und Roger Taylor Licht und Schatten boten.

Duran Duran (© Jonas Akerlund)

(© Jonas Akerlund)

Kurz vor Halloween 2023 beschert das hier im Bild sehr schick daher kommende Männer-Quartett nun mit “Danse Macabre” ein 16. Studioalbum, mit dem sie sich dem Fest des Gruseln widmen, das zum Glück aber nicht völlig erschreckend ist, auch wenn es sie nicht zurück in alte Erfolgsspuren spülen wird. Bei den 13 Tracks auf 50 Minuten handelt es sich diesmal um nur drei neu komponierte Songs, dazu Neuinterpretationen von eigenen Stücken aus der Vergangenheit und Coverversionen.

Wer bei “Neuinterpretationen von eigenen Stücken” nun denkt, die 2022 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommenen Duran Duran würden ihre Hits neu aufarbeiten, der hat sich getäuscht, was positiv zu bewerten ist, hätte man ihnen doch sonst vermutlich Eigenrecycling zwecks Chartstreben vorgeworfen. Dies betreiben sie also nicht und bedienen sich bei den Coverversionen auch nur an ein, zwei bestens bekannten Stücken.

Die Idee zur Scheibe kam Duran Duran nach einem mit Covern gespickten und daher für das Publikum ziemlich unberechenbaren Auftritt in Las Vegas an Halloween 2022 – warum nicht mal etwas anderes aufnehmen, ein Weihnachtsalbum bringen ja viele. Also machten sich die Vier ans Werk und erarbeiteten das Album, welches uns nun als “Danse Macabre” vorliegt, von Joshua Blaier produziert und Bob Clearmountain abgemischt.

Passend zu Halloween steht düstere Atmosphäre im Fokus, und so spricht Roger von einer “Reise durch die dunkleren Seiten unserer Inspiration bis hin ins Jahr 2023, wo wir jetzt stehen”. Los geht es mit dem hierzu gut passenden “Nightboat” und somit einer Nummer aus ihrem selbstbetitelten Debütalbum von 1981, das mit seinen ruhig basierten, bedrohlich anmutenden Klängen gut auf das ausgegebene Motto einzahlt. Hier, wie auch bei einigen anderen Stücken, ist – was sehr schön ist – auch der 2018 an Prostatakrebs erkrankte und nach düsteren Prognosen zum Glück inzwischen wieder symptomfreie Andy Taylor an der Gitarre zu hören, der als Gast auftritt und anscheinend nicht mehr im Zwist mit den anderen liegt.

Mit dem gelungenen, neuen “Black Moonlight” folgt eine flottere, funky abgroovende Nummer – kein Wunder, spielt doch kein Geringerer als Nile Rodgers hier die Gitarre. Was sich gut anließ, erfährt dann mit dem langweiligen, vor sich hin plätschernden “Love Voudou” als Neuadaption des ebenfalls vom Debüt stammenden “Love Voodoo” einen ersten Dämpfer. Hier ist Warren Cuccurullo an der Gitarre zu hören, ebenso wie später beim experimenteller daher kommenden, neuen Titelsong “Danse Macabre”, der mit diversen Soundspielereien versucht, spannend zu sein, was aber nicht gelingt.

Es ist also wieder nicht alles Gold, was zu glänzen versucht. “Bury A Friend” kommt als Cover von Billie Eilish durchschnittlich daher, auch wenn der Refrain anfangs etwas rauszureißen scheint, kann aber mit dem Original nicht annähernd mithalten, genauso wie “Ghost Town”, das The Specials 1981 weit reizvoller präsentiert hatten.

Weit besser wissen da das ordentlich abgroovende, eingängige “Supernature” als Cover des Cerrone-Klassikers aus 1977, ebenfalls mit Andy Taylor eingespielt, und “Spellbound” zu gefallen, im 1981er-Original von Siouxsie And The Banshees gebracht. Auch das mit bestens zu Halloween-Atmosphäre passenden Spieluhr-Klängen startende, getragene “Secret Oktober 31st” gehört zu den guten Stücken der Scheibe, als neue Aufnahme ihres auf der B-Seite der 1983er-Single “Union Of The Snake” erschienenen Fan-Favoriten “Secret Oktober” – erneut mit Andy Taylor.

Mit “Paint It Black” haben Duran Duran sich auch einen amtlichen Hit vorgeknöpft, der sich okay anhören lässt, aber bei weitem nicht so packend wie von den großen Rolling Stones auf ihrem 1966er-Album “Aftermath”. Und warum die Jungs in “Super Lonely Freak” ihren eigenen Song “Lonely In Your Nightmare” vom Longplayer “Rio” mit Rick James’ “Superfreak” verknüpfen mussten, erschließt sich einem nicht, weil es nur zeigt, dass das nicht eigene Stück weit mehr zu packen weiß.

Abgeschlossen wird die Scheibe vom durchaus ansprechenden “Psycho Killer”, als Cover des Songs der Talking Heads aus dem Jahr 1977 nicht nur mit Andy Taylor aufgenommen, sondern auch mit Victoria De Angelis von Måneskin als Gast am Bass und Gesang, und dem neuen Song “Confession In The Afterlife”, welcher als Ballade wenig zu berühren weiß. Schade, insgesamt sind es dann doch wieder zu wenige Stücke, die wirklich zu gefallen wissen.

Das Album ist als schwarze Doppel-Vinyl-LP und CD erhältlich, eine limitierte Auflage der Smog 2LP ist bei HMV und in Indie-Läden verfügbar. Zudem gibt es eine hochauflösende Blu-ray Audio. Der offizielle Artist Store der Band bietet außerdem exklusive Merchandise-Bundles, eine limitierte Translucent Galaxy 2LP und eine Kassette an.

duranduran.com
facebook.com/duranduran

Bewertung: 5 von 10 Punkten

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