Home MusikCD-Rezensionen Goldmeister bieten belanglose Swing-Jazz-Versionen von Hits aus HipHop

Goldmeister bieten belanglose Swing-Jazz-Versionen von Hits aus HipHop

Autor: Tobi

Goldmeister "Alles Gold"

Goldmeister

“Alles Gold”

(CD, Deutsche Grammophon, 2018)

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Damit, bekannte Hits in ganz anderem Stil zu interpretieren, erzeugt man schon lange kein Erstaunen mehr. Viel zu viele Künstler interpretierten schon aus dem Radio bekannte Ohrwürmer auf eigene Art und Weise, und das nicht nur mal zwischendurch aus Gag, sondern als Konzept hinter der Band. Um nur einige Beispiele und ihre Stile zu nennen, da hätten wir The BossHoss mit Country, Global Kryner mit Volksmusik, Pentatonix mit A-Capella, Me First And The Gimme Gimmes mit Punkrock oder auch Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox mit Swing.

Auch im Jazz-Bereich gab es schon Beispiele, hier aber eher als Ausflüge, wie bei Oscar Petersons “A Jazz Portrait Of Frank Sinatra”, McCoy Tyners “Plays The Music Of Burt Bachrach” oder bei Till Brönner, der sich auf “German Songs” Kinheitserinnerungen und auf “The Movie Album” Filmsongs widmete – während bei Götz Alsmann schon wieder mehr Methode hinter dem Ganzen steckte.

Mit Goldmeister tritt nun ein neues Duo auf den Plan, wobei die Musiker nicht ganz unbekannt sind. Phil Ohleyer und Chris Dunker präsentierten mit ihrer Band Phoenix West bereits deutsche Texte im fulminanten Orchestergewand. Nun ist es also Musik zwischen Jazz und Swing in einer typischen Club-Besetzung, der sie sich widmen, und mit ihr deutschsprachigen Stücken aus dem letzten 45 Jahren, wobei die große Zeitspanne nur durch Udo Lindenbergs “Cello” bedingt ist, das aber ja auch noch ein paar Male wiederveröffentlicht wurde in jüngeren Tagen.

Auf den 46 Minuten ihres Debüts “Alles Gold” bieten Goldmeister einen eigenen Titel und elf Cover-Versionen. Die Idee hierzu entstand Ende 2016 in Sessions, zuerst Richtung Dixie gehend, aber mit Rap-Einschlag vorgetragen. Zusammen mit den Ragtime Bandits und Pianist Lutz Krajenski wurde das Projekt konkreter, und stilistisch kristallisierte sich eine Melange aus Musik der 20er-Jahre und HipHop heraus.

Das Ganze wirkt automatisch irgendwie angelehnt ist an die großen Erfolge der Intrepretations-Giganten Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox, die in puncto Performance sicher nicht erreicht werden. Außerdem sehen Goldmeister hier vermutlich auch im Zuge einer hochgelobten TV-Serie wie “Babylon Berlin”, die ja im Free-TV erst noch ansteht und die Goldenen Zwanziger neu aufleben lässt, eine Chance, ins Fahrwasser zu springen.

So kommen Phil und Chris natürlich im schicken Zwirn daher und bieten ursprünglich im HipHop angesiedelte Songs, die sich in technisch ansprechender Instrumentierung mit Kontrabass, Brass, Banjo und Klavier ohne Frage schmerzfrei anhören lassen, sei es nun “Sie ist weg” von den Fantastischen Vier, “Hamma!” von Culcha Candela, “Dickes B” von Seeed, “Klar” von Jan Delay oder “Jein” von Fettes Brot. Dazu kommt aus dem Pop-Bereich das erwähnte “Cello” – warum auch immer, ins Konzept passt das eher nicht.

Die Frage ist nur, ob man das Ganze irgendwie benötigt. HipHop-Fans sehen hier vermutlich eine Ausschlachtung ihres Lieblingsstils zu kommerziellen Zwecken, so dass die Scheibe wohl eher für Jazz- und Swing-Freunde gedacht ist oder für die Allgemeinheit, die einfach bespaßt werden will, ohne groß nachzudenken – dann die locker flockigen Arrangements nehmen den Stücken jegliche Tiefe des Inhalts. Der einzige eigene Song “Ihr Tattoo” passt sich gut ein, ohne groß positiv aufzufallen. Und so beantworten wir die Frage: Nein, solche Scheiben braucht man eher nicht.

facebook.com/goldmeisterband

Bewertung: 4 von 10 Punkten

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