Home Film„Allegro Pastell“ – atmosphärisches Beziehungsdrama in der Berliner Hipsterszene

„Allegro Pastell“ – atmosphärisches Beziehungsdrama in der Berliner Hipsterszene

Autor: Mick

"Allegro Pastell" Filmplakat (© DCM)

Allegro Pastell

Darsteller: Sylvaine Faligant, Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Haley Louise Jones
Regie: Anna Roller
Dauer: 99 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: dcmstories.com/movie/allegro-pastell
Facebook: facebook.com/dcmstories
Instagram: instagram.com/dcmfilm
Kinostart: 16. April 2026


Autor Leif Randt veröffentlichte 2020 seinen Roman „Allegro Pastell“, mit dem er einen intensiven Blick auf eine Liebesbeziehung inmitten des Partytrubels der Berliner Hipsterszene vor der Corona-Pandemie wirft, als das Leben noch viel unbeschwerter war. In Regisseurin Anna Roller traf er buchstäblich eine Schwester im Geiste, die sich ja in ihrem Erstling „Dead Girls Dancing“ (2023) ebenfalls überaus empathisch mit den Problemen junger Menschen auseinandersetzte, und der er jetzt für ihr neues Werk sein eigenes Buch in eine gleichnamige Leinwandversion umschrieb.

So ganz jung allerdings sind die beiden Hauptfiguren in ihren Dreißigern zugegebenermaßen nicht mehr, die sich hier 2018 in den Wirren ihrer Fernbeziehung wahrlich verheddern. Jerome (Jannis Niewöhner) ist, wie sollte es auch anders sein, Webdesigner, lebt eigentlich allein in seinem geerbten Elternhaus nahe Frankfurt am Main, wenn er nicht gerade mit seiner Berliner Freundin Tanja (Sylvaine Faligant) ins wilde Kreuzköllner Nachtleben eintaucht. Die ist ambitionierte Schriftstellerin und ausgerechnet an ihrem Geburtstag reichlich verkopft hin- und hergerissen zwischen ihrem Status Quo und anderen Bindungsoptionen, was letztlich zum Eklat auf ihrer eigenen Party führt.

Dabei meinte es Jerome doch nur gut, als er ihr zu ihrem Ehrentag eine stylische Website mit ihrem Künstlerprofil bastelte, die jetzt für sie jedoch lediglich ein Zementieren der plötzlich so unbefriedigenden Situation repräsentiert. Der Alltag besteht auch in Rollers Film aus einer Menge Zugfahrten und Textnachrichten, mit denen die beiden nahezu in Echtzeit ihre aktuellen Befindlichkeiten austauschen. Stets kommentiert von beiden aus dem Off, was zumindest im Falle der nüchternen Tanja selbst ekstatisch durchtanzte Nächte und den anschließenden leidenschaftlichen Sex noch relativiert. Alles ist gut für sie, bloß keine Verbindlichkeit, natürlicher Feind der hedonistischen Partyblase der ausgehenden 2010er Jahre, in der sie sich so gerne treiben lässt und die doch so viele attraktive Alternativen zur althergebrachten monogamen Paarbeziehung bietet.

"Allegro Pastell" Szenenbild (© Walker + Worm / Felix Pflieger)

(© Walker + Worm / Felix Pflieger)

Das alles legt Roller anfangs als durchaus gelungene Milieustudie an, die das unbeschwerte Gefühl von damals bestens transportiert, noch bevor sie die Beziehungskonflikte ihres Pärchens richtig anpackt. Jerome reagiert mit Unverständnis auf Tanjas allgegenwärtige Bedenken und trifft zurück in der hessischen Heimat prompt seine alte Schulfreundin Marlene (Haley Louise Jones) wieder, die natürlich eine willkommene Ablenkung vom Berliner Stress darstellt. Tanja dagegen hat außer ihrer Suche – wonach weiß sie wohl selbst nicht so genau -, mit ihrer selbstmordgefährdeten Schwester Sarah (Luna Wedler), die sich zwischenzeitlich selbst in die Psychiatrie einliefert, noch eine andere Baustelle zu bearbeiten, was auch ihr als Ausflucht gar nicht mal so ungelegen kommt.

Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, wenn die nachdenkliche Tanja mit ihrer ewigen Gedankenspirale ihrem eigenen Glück im Wege steht, während sich Jerome genau deswegen mit seiner Jugendliebe in Hessen vergnügt. So richtig warm aber werden wir mit Rollers Figuren trotzdem nicht, weisen sie im Kreislauf um sich selbst fast ohne Seitenblicke viel zu wenig Anknüpfungspunkte auf, um wirklich als Sympathieträger dienen zu können. So lässt uns dann auch ihre folgende On-Off-Beziehung weitgehend kalt, statt uns abzuholen zur emotionalen Achterbahnfahrt, die Leif Randt schon in seinem Roman vorgesehen hatte. Gefühle können halt nicht gedacht und schon gar nicht in Word-Dateien geordnet werden, um sie besser kontrollieren zu können.

Was der Film will, wird so bis zuletzt nicht richtig klar, wirkt er doch zeitweise beinahe wie eine Satire auf die hippe, hochflexible Gen Y, die sich gänzlich unpolitisch ihre eigenen Probleme macht, wo eigentlich keine sind. Damit ist Rollers Verfilmung des Erfolgsromans am ehesten noch eine Szenestudie, die nicht ohne Längen immerhin den Zeitgeist der 2010er Jahre atmosphärisch wiedergibt, während er uns bei seiner Beziehungsthematik merkwürdig auf Distanz hält.

Trailer:

Bewertung: 5 von 10 Punkten

 

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