
Paris Murder Mystery
Darsteller: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric
Regie: Rebecca Zlotkowski
Dauer: 103 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
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Kinostart: 16. April 2026
Mit deutschen Filmtiteln ist es ja manchmal so eine Sache. Wenn nun ein „Paris Murder Mystery“ benannter Streifen in unseren Kinos startet und wir auf dem Filmplakat Jodie Foster sehen, die beim Stöbern in Akten-Schubladen etwas zu suchen oder bereits entdeckt zu haben scheint, dann liegt die Vermutung nahe, dass wir es mit einem Mordfall-Krimi zu tun hätten, der in Frankreichs Hauptstadt spielt. Zumindest Letzteres – die Verortung – ist richtig, der im Original als „Vie privée“ (zu Deutsch „Privatsphäre“) präsentierte Streifen der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Rebecca Zlotowski entpuppt sich aber eher als Bauchladen-Erzählung mit Elementen aus Tragödie, Komödie, Trennungs-Romanze und eben Krimi.
Diese weckt vor allem dadurch Interesse, dass die im Kino inzwischen eher rar anzutreffende zweifache Oscar®-Gewinnerin Jodie Foster mal wieder in einer französischen Produktion mitwirkt und hier mit ihrem fließenden Beherrschen dieser Sprache beeindruckt, was natürlich nur im Original funktioniert. Zuletzt untermauerte sie diese Kompetenzen in „Mathilde – Eine große Liebe“ vor mehr als 20 Jahren, in einer kleineren Rolle.
Nun sehen wir sie als Lilian Steiner, die schon lange in Paris lebt und dort als Psychotherapeutin praktiziert. Auch wenn Distanz zu den Patientinnen und Patienten zum professionellen Arbeiten der stets trocken und gefasst auftretenden Amerikanerin zählt, berührt es sie dann doch, als sie erfährt, dass die ebenfalls zu ihr gekommene Paula (Virginie Efira) unter mysteriösen Umständen aus dem Leben geschieden ist – kann sie an den von der Polizei rasch festgelegten Selbstmord doch nicht recht glauben. Gab es vielleicht in früheren Sitzungen Hinweise auf ursächliche Probleme? Lilian beginnt, alte MiniDisc-Aufnahmen noch einmal zu sondieren und zusammen mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) Nachforschungen zu betreiben.

(© Georges Lechaptois)
Bis hierhin klingt die Handlung von „Paris Murder Mystery“ durchaus noch so, als hätten wir es mit einem typischen Whodunit zu tun. Dem ist aber nicht so, geht es dann – und hier sind wir wieder beim besser passenden „Vie privée“ – doch viel mehr um die Psychotherapeutin selbst und ihr Hinterfragen, wie viel sie denn wirklich eigentlich über das Privatleben ihrer PatientInnen erfährt und ob Wahrheiten nicht auch ganz bewusst verdreht oder im Verborgenen gelassen werden. Aber was würde ihre Behandlung dann denn noch bewirken?
Lilian beleuchtet aber nicht nur die Todesursache ihrer Patientin. Für diese könnte ihre eigene Verschreibung eines Beruhigungsmittels anscheinend mit ausschlaggebend gewesen sein, weshalb der Witwer (Mathieu Amalric) sie auch bei der Trauerfeier aus der Wohnung wirft. Hat sie das Rezept sogar falsch ausgestellt oder hätte dies gar nicht gedurft? Die Therapeutin zweifelt auch an sich selbst, und in diesem ganzen Prozess kommt sie ihrem Ex-Mann wieder etwas näher, der nie aufgehört hat, sie zu begehren.
Das spielen die den Film zum großen Teil tragende Jodie Foster und Daniel Auteuil prima, während sich die Handlung aber statt in Spannungssteigerung eher in Entschleunigung verliert und man nicht so wirklich daran glaubt, dass die einem zunächst so gefestigt vorgestellte Psychotherapeutin nur durch einen sein Geld zurückfordernden Ex-Raucher (Noam Morgensztern) zur Hypnose von Jessica Grangé (nahe am Overacting: Sophie Guillemin) gelangt, um deren besondere Wirkung mit einfließen zu lassen – samt psychedelischer Visionen einer lesbischen Affäre mit der Verstorbenen und kaum einzuordnenden Erinnerungen an ein früheres Leben, in dem Lilians Sohn Julien (Vincent Lacoste), zu dem sie ein merkwürdig distanziertes Verhältnis pflegt, zu den Nazis gehörte.
In der Summe wirkt „Paris Murder Mystery“ – im deutschen Titel vermutlich angelehnt an Woody Allens „Manhattan Murder Mystery“ – dann irgendwann so, als hätte sich Rebecca Zlotkowski in ihrem mit Anne Berest erarbeiteten Drehbuch nicht so richtig entscheiden können, was für einen Film sie denn nun genau machen möchte, wobei auch hier und dort etwas Humor mit eingeflossen ist. Manchmal prallen atmosphärische und unrealistisch herbeigeschriebene Momente aufeinander und man hätte sich mehr von dem erwarteten Krimi erhofft, auch weil Jodie Foster so überzeugend spielt und man ihr hier so einiges mehr zugetraut hätte, und weil der eröffnende Song „Psycho Killer“ der Talking Heads irgendwie auf mehr Mitreißendes hoffen ließ.
Trailer:
Bewertung: 5 von 10 Punkten

