Nachdem die 2004 gegründeten Indie-Rocker von Madsen mit ihrem 2023er-Album „Hollywood“ (lies unsere Rezension hier), auf dem sie sich noch eingängiger und hymnenhafter präsentierten, erstmals die Spitze der deutschen Albumcharts erklommen, bescheren sie nun mit „Smile“ ihr – wenn man „Die Weihnachtsplatte“ aus 2024 nicht mitrechnet – zehntes Studioalbum.
Die namensgebenden Brüder Sebastian (Gesang, Gitarre), Johannes (Gitarre) und Sascha (Drums) Madsen wissen zusammen mit Bassist Niko Maurer erneut zu überzeugen mit gewohnt abwechslungsreichen und melodischen Rocksongs, die sympathisch aus dem Leben erzählen – und in unzähligen tollen Live-Shows unterstrichen die Jungs, dass sie immer bodenständig geblieben sind. Klicke hier, um unsere Rezension des neuen Albums inkl. der Tourdaten zu lesen.



(© Ingo Pertramer)
„Allein, dass es uns nach über 20 Jahren noch gibt, wir unser zehntes Album herausbringen und so große Konzerte spielen ist für uns wirklich etwas ganz Großes.“
MUM: Euer neues Album heißt „Smile“ – und hierzu schreibt ihr: „Mit diesen zwölf Songs wollen wir uns selbst daran erinnern, dass es da doch immer noch Licht gibt, auch wenn uns das Leben immer wieder wie eine Achterbahn vorkommt“. Meint ihr hiermit die weltpolitisch und gesellschaftlich angespannten Zeiten, in denen man nicht vergessen sollte, trotzdem auch zu lächeln, oder gab es auch als Band besondere Hindernisse in den letzten Jahren zu überwinden?
SM: Damit meinen wir beides. Die Situation in der Welt, oder auch schon allein bei uns in Deutschland, ist schon erschütternd und da passieren Sachen, die man ja kaum verarbeiten kann. Und auch innerhalb der Band gab es Hindernisse und Probleme, die wir erstmal überwinden mussten. Das eigene Label, das Sich-trennen-müssen von teilweise langjährigen Weggefährten und die damit einhergehende, nötige Umstrukturierung hat uns an unsere Grenzen gebracht und wir mussten viel klären und reden und uns mit uns beschäftigen.
MUM: Mit eurem letzten Album „Hollywood“ aus 2023 konntet ihr erstmals eine Nummer-Eins-Platzierung in den Charts feiern und wurdet zum 20-jährigen Bandjubiläum 2024 auf der Hauptbühne bei Rock am Ring gefeiert. Hat man da dann nicht schon sehr viel erreicht, wovon man mal geträumt hatte? Was sind eure nächsten Ziele, was gibt die Bucket List noch her?
SM: Ja, das stimmt tatsächlich: Wir haben viele unserer Träume tatsächlich erreicht. Allein, dass es uns nach über 20 Jahren noch gibt, wir unser zehntes Album herausbringen und so große Konzerte spielen ist für uns wirklich etwas ganz Großes. Aber wir hören einfach nicht auf zu träumen und das zu genießen und hart dafür zu arbeiten.
MUM: Euer neuer Longplayer ist wieder abwechslungsreich geworden, gerne auch mal innerhalb einzelner Tracks wie bei „I Don’t Give A Fuck“ oder „Achterbahn“. Wie wichtig ist es euch, keine Eintönigkeit auszustrahlen, und sind solche Songs bewusst mit sehr konträren Passagen angelegt oder entstehen sie im Prozess des Feilens an den Nummern?
SM: Eintönigkeit würde uns selbst langweilen und das möchten wir auf jeden Fall vermeiden. Das Konträre entsteht an der Lust daran, mit Stilen zu spielen und uns auszuprobieren. Warum nicht mal den alten Plattenspieler und die Sample-Platten entstauben und einen Beat und Scratches für „Auf die Barrikaden“ aufnehmen?
MUM: „Achterbahn“ kommt in den Strophen ja sehr poppig mit elektronischen Klängen daher. Gab es hier Diskussionen, oder war das für jeden von euch okay, solange dann doch noch amtlich abgerockt wird?
SM: Ja, es gab Diskussionen, aber eher außerhalb der Band. Es gab der Band nahestehende Menschen, denen das zu poppig war und denen der Sprung zum Punkrock innerhalb des Liedes zu doll war. Wir selbst fanden das aber immer super und es macht umso mehr Spaß das Lied zu spielen.
MUM: Mit besagtem „Auf die Barrikaden“ unternehmt ihr einen Ausflug in den HipHop als Crossover mit Rock und erinnert ein wenig an die alten Beastie Boys. Wie seid ihr hierauf gekommen?
SM: Wir lieben die Beastie Boys und es ist ja sogar eine von den Beastie Boys gesampelte Gitarre in dem Lied gelandet. Johannes hat bei der Vorgängerband von Madsen „Hoerstuatz“ gescratcht und hat, wie gesagt, den Plattenspieler an den Start gebracht. Das hat einen riesen Spaß gemacht und steckt einfach in uns drin.
MUM: Mit Tracks wie „Smile“ oder eben diesem „Auf die Barrikaden“ habt ihr ja auch wieder feine Mitsing-Hymnen am Start. Da freut man sich doch schon auf kommende Touren, wo bei euch ja generell sehr viel mitgesungen wird von den Fans, oder?
SM: Ja, wir freuen uns wie wahnsinnig, die Lieder endlich vor einem großen Publikum live zu spielen. Es ist immer etwas Besonderes die neuen Lieder zum ersten mal auf der Bühne zu präsentieren und ja, wir freuen uns auch wenn dann lauthals mitgesungen wird!
MUM: Welches ist dein Lieblingsstück des Albums, und warum?
SM: Das ändert sich ständig. Im Moment ist es „Achterbahn“, weil es so großen Spaß macht, das immer wieder im Proberaum zu spielen.
MUM: Siehst du irgendwelche besonderen Unterschiede der neuen Scheibe im Vergleich zu euren bisherigen, ob in den Songs oder im Entstehen, oder ist sie einfach das nächste gute Ergebnis eines über lange Jahre funktionierenden Band-Konzepts?
SM: Der größte Unterschied ist die Entstehung der Lieder und der Aufnahmeprozess, der zum ersten mal zum Teil ein und dasselbe waren. Es sind Lieder dabei, die im Proberaum entstanden sind, die dann direkt von uns aufgenommen wurden und es dann so auf die Platte geschafft haben.
MUM: Mit Songs wie „Faust hoch gegen Faschismus“ oder auch euren Ansagen bei Konzerten setzt ihr ja immer wieder Zeichen gegen gesellschaftlichen Hass und Rechts, habt auch schon mehrfach bei „Jamel rockt den Förster“ gespielt. Wie gefrustet ist man dann, wenn man wie ihr zu „Auf die Barrikaden“ mit Kindern arbeitet, diese tolle Meinungen für Gleichheit und gegen Ausgrenzung oder Diskriminierungen äußern und es dann im Netz so viele fürchterliche Kommentare gibt, dass man Inhalte wieder löschen muss? Zieht man dann einen Schluss a la „weiter klare Kante bekennen, aber besser keine Kinder mehr einbinden, um sie zu schützen“?
SM: Ja, genau das. Frustriert waren wir nicht, eher ungläubig überrascht wie viel offener Hass diesen tollen Kindern entgegen kam, damit haben wir nicht gerechnet. Wenn wir ein politisches Statement raushauen kommt Gegenwind von Rechts. Das wissen wir, damit rechnen wir, damit können wir umgehen. Wenn da eine Grenze überschritten wird bringen wir das zur Anzeige. Aber hier waren wir in der Verantwortung für die Kinder und deren Eltern, und da mussten wir handeln. Aber einschüchtern lassen wir uns davon ganz und gar nicht!
MUM: Welche Musik hörst du privat so, was sind momentan deine liebsten Alben – und hast du ein Lieblingsalbum aller Zeiten?
SM: Das ist sehr vielfältig. Im Moment höre ich viel Weezer, eine meiner absoluten Lieblingsbands. Aber auch Bad Religion oder Rosalía, die finde ich gut. Ich freue mich aber auch auf die neuen Alben von den Toten Hosen und von Sportfreunde Stiller.
MUM: Wenn ihr euch eine Band aussuchen könntet, mit der zusammen ihr auch Tour geht, welche wäre dies und warum?
SM: Im April 2020 war eine Tour zusammen mit der Band Nada Surf geplant, die dann natürlich wegen Corona nie zustande kam. Wenn wir das irgendwann noch mal schaffen, das wäre schön.
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SM: Sascha Madsen
MUM: Mucke und mehr
Mehr Informationen zu Madsen findet man auf ihrer Website oder ihren Social-Media-Kanälen auf Facebook und Instagram.
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