
Kill Bill: The Whole Bloody Affair
Darsteller: Uma Thurman, David Carradine, Lucy Liu, Vivica A. Fox
Regie: Quentin Tarantino
Dauer: 275 Minuten inkl. 15 Minuten Pause
FSK: freigegeben ab 18 Jahren
Website: www.arthaus.de/kill_bill_the_whole_bloody_affair
Facebook: facebook.com/ARTHAUS
Instagram: instagram.com/arthaus.de
Kinostart: 16. April 2026
Nachdem Regisseur und Drehbuchschreiber Quentin Tarantino mit dem harten Heist-Movie „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ (1992), dem kultigen Gangsterstreifen „Pulp Fiction“ (1994) und dem als Blaxploitation-Hommage fungierenden Krimi „Jackie Brown“ (1997) gleich drei aufsehenerregende und erfolgreiche Filme als erste Werke vorgelegt hatte, machte er erst einmal eine längere Pause. In dieser arbeitete der US-Amerikaner an „Kill Bill“, den er als langes Racheepos in die Kinos bringen wollte, mit vier Stunden Spieldauer war der Streifen dann aber doch deutlich zu umfangreich geraten. Massiv einkürzen wollte ihn Tarantino aber auch nicht, und so kam im Oktober 2003 erst einmal „Kill Bill – Volume 1“ in die Kinos, um dann nur ein halbes Jahr später ab April 2004 in „Kill Bill – Volume 2“ fortgesetzt zu werden.
Beide Teile wurden die nächsten kommerziellen Erfolge für Tarantino. Nachdem dieser 2019 mit „Once Upon a Time in… Hollywood“ seinen – wenn man „Kill Bill“ als einen Streifen zählt – neunten Film auf die Leinwand brachte, sind alle gespannt, welches sein zehntes und letztes Werk sein wird, hat er doch mehrfach betont, dass er als Film-Regisseur dann Schluss machen werde, um nicht wie einige andere irgendwann mit qualitativ minderwertigen Ergebnissen sein eigenes Erbe zu besudeln. Vielleicht auch damit hier in der Zählweise keine Fragezeichen mehr stehen können, beschert er nun mit „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ seinen Fans weltweit aber erst einmal die Gelegenheit, den einst geplanten und 2004 bereits einmal in Cannes sowie 2011 einmal in Tarantinos New Beverly Cinema in L.A. gezeigten Vierstünder als Gesamtheit zu sehen. Die 275 Minuten Spielzeit beinhalten hierbei eine sinnvolle 15-minütige Pause – und zwei 70mm-Kopien sind zudem auch unterwegs durch Deutschland, um das Ganze in analoger Form mit maximaler Farbtiefe zu verabreichen.
„Kill Bill“ beschert uns Uma Thurman als meist nur als „die Braut“ wahrgenommene Beatrix Kiddo, die sich vom Start weg auf einem Rachefeldzug befindet. In Rückblicken erfahren wir, warum dies so ist, wenn wir sehen, wie sie am Tag der Probe für ihre Hochzeit durch ein hinterhältiges Attentat ihres Ex-Geliebten und -Auftraggebers Bill (David Carradine) und seiner Truppe ein Blutbad erlebt. Ihr Leben kann hiernach zwar gerettet werden, ihr ungeborenes Kind aber hat sie verloren.

(© 2003 Miramax Films. All Rights Reserved)
Nach vier Jahren im Koma wieder genesen will „die Braut“, die einst als „Black Mamba“ eine von mehreren AuftragsmörderInnen rund um Bill war, sich an ihm und den zur Hochzeit auf sie angesetzten Ex-KollegInnen des Deadly Viper Assassination Squads rächen. Diesem hatte sie den Rücken gekehrt, um ihrem Kind ein besseres Leben in Sicherheit zu ermöglichen. Die inzwischen als normale Hausfrau mit Kind lebende Vernita „Copperhead“ Green (Vivica A. Fox) bekommt es schon in der Eröffnungsszene mit ihr zu tun. Aber da sind ja auch noch die mittlerweise in Tokio zur Chefin der Yakuza-Organisation aufgestiegene O-Ren Ishii alias „Cottonmouth“ (Lucy Liu), die als harte rechte Hand von „Snake Charmer“ Bill fungierende Elle „California Mountain Snake“ Driver (Daryl Hannah) und sein Bruder Budd (Michael Madsen) alias „Sidewinder“.
Es ist ikonisch und so cool inszeniert, wie die aus dem Koma erwachte Beatrix direkt mal Vergewaltiger eliminiert, sich deren als „Pussy Wagon“ dekorierten Chevrolet Silverado Pickup schnappt und ihren Rachefeldzug beginnt. Die Rückblicke geben Aufschluss über die Hintergründe, und hier erhält sie – zeitlich noch vor dem Aufeinandertreffen Vernita Green – in Okinawa vom legendären Schwertschmied Hattori Hanzō eine ganz besondere Waffe, mit der sie dann auch in den Kampf gegen O-Ren Ishii zieht. Die einst aus Gründen der Altersfreigabe teilweise in Schwarz-Weiß gebotene Kampfszene im Restaurant gegen deren Crazy 88 mit ihrer blutigen, ausgiebigen Martial-Arts-Action sehen wir nun komplett in Farbe. Eine weitere entscheidendere Änderung im Vergleich zu Volume 1 ist, dass die Anime-Sequenz über die Geschichte von O-Ren nun erweitert fast doppelt so lang zu sehen ist und sehr interessante zusätzliche Szenen bietet.
Nach der Pause macht sich die Braut dann auf den Weg zu Budd, Elle und schließlich Bill. In Rückblicken sehen wir nun, wie sie einst vom Martial-Arts-Sensei Pai Mei (Gordon Liu) in Kampfkunst gelehrt wurde, inklusive seiner ganz besonderen „Five Point Palm Exploding Heart“-Technik. Die Änderungen im Vergleich zu Volume 2 sind hier weniger prominent, mal abgesehen von dem in Kooperation mit Epic Games für eine Veröffentlichung in Fortnite entwickelten Animations-Kurzfilm „The Lost Chapter: Yuki’s Revenge“, der nun nach dem Abspann zu sehen ist und über dessen Mehrwert man sich streiten kann.
„Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ bietet nun also die hervorragende Gelegenheit, die etwas überarbeitete Gesamtfassung im Kino zu sehen, was sich absolut lohnt – für jeden, der die beiden Einzelteile nicht kennen sollt, sowieso. Der erste Akt ist noch mehr von Martial Arts geprägt und auch mit toller musikalischer Untermalung arrangiert noch etwas spektakulärer als die Fortsetzung nach der Pause, aber auch diese weiß sehr gut zu unterhalten. Hierbei ist es vor allem auch sinnvoll gewesen, den Cliffhanger am Ende von Volume 1 auszusparen (ebenso wie natürlich die kurze Zusammenfassung des ersten Teils danach) und den Rachefeldzug direkt fortzuführen, wodurch vor allem eine wichtige Überraschung des Endes nicht mehr vorab verraten wird. So ist der zweite Akt, der deutlich atmosphärischer daher kommt, noch viel spannender. So ist das Action-Meisterwerk perfekt, das auch heute noch begeistert.
Trailer:
Bewertung: 10 von 10 Punkten

