Home Film„Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ – auch Jan Komasas nächster Gesellschaftsthriller regt packend wieder zu Diskussionen an (mit Gewinnspiel)

„Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ – auch Jan Komasas nächster Gesellschaftsthriller regt packend wieder zu Diskussionen an (mit Gewinnspiel)

Autor: Tobi

"Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes" Filmplakat (© X Verleih)

Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes

Darsteller: Stephen Graham, Anson Boon, Andrea Riseborough, Kit Rakusen
Regie: Jan Komasa
Dauer: 110 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.x-verleih.de/filme/good-boy-wir-wollen-nur-dein-bestes
Facebook: facebook.com/xverleih
Instagram: instagram.com/xverleih
Kinostart: 4. Juni 2026


Mit „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ legt der polnische Regisseur Jan Komasa sein neuestes Werk vor, der bereits 2011 mit „Suicide Room“ über einen in emotionale Schieflage geratenden Teenager, mit dem tiefgründigen, Oscar®-nominierten „Corpus Christi“ um Glaube und Vergebung aus dem Jahr 2019, mit dem Social-Media-Hetzkampagnen thematisierenden „The Hater“ in 2020 und mit dem ein verstörend realistisches Ende der Demokratie zeigenden „The Change“ in 2025 als sein englischsprachiges Debüt packende Gesellschaftsdramen präsentierte, die grundsätzliche Fragen stellten und zu Diskussionen anregten. Da ist es keine Überraschung, dass auch sein neuester Film in diese Reihe passt und weit mehr ist als leichte Unterhaltung.

Der 19-jährige Tommy (Anson Boon) findet sich selbst ganz großartig, wenn er Dinge stiehlt oder beschädigt, mit einiger Brutalität Schwächere drangsaliert und sein Leben immer wieder im Partymodus genießt, bevorzugt mit Alkohol oder Drogen zugedröhnt. In seiner Clique ist er so der Chef, und auch seine Freundin Gabby (Savannah Steyn) findet ihn offensichtlich toll, obwohl sie selbst kein Interesse am Rausch zu haben scheint. Dass Tommy auf all seine Schandtaten auch noch stolz ist beweist er damit, dass er Videos hiervon in den sozialen Medien teilt und sich an den zahlreichen Likes für sein mistiges Prollgehabe labt.

Als er es eines Nachts dann mal wieder übertreibt, wird er ohnmächtig – und wacht angekettet in einem Keller wieder auf. Wie sich herausstellt, hat sich Chris (Stephen Graham) seiner angenommen, ein ruhiger, frommer Familienvater, der ihn auf ein schickes Landanwesen verschleppt hat. Hier wohnt er zusammen mit seiner offensichtlich mental mitgenommenen Frau Kathryn (Andrea Riseborough) und dem konträr eher quicklebendig wirkenden, zehnjährigen Sohn Jonathan (Kit Rakusen).

Nach einigen Wutausbrüchen muss Tommy einsehen, dass er nicht entkommen kann, so sehr er sich auch hierum bemüht – mit Körperkraft, mit Sanftheit und Reue vorgaukelnden Überredungskünsten oder auch mit Einreden auf die neue Hausangstelle Rina (Monika Frajczyk), die ihn als einzige Externe zu Gesicht bekommt. Da sie aber eine illegale mazedonische Einwanderin ist und zudem noch auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ex, hält sie sich an Chris‘ Weisungen. Und so soll es auch Tommy tun, den der Herr des Hauses reformieren möchte, um einen guten Menschen aus ihm zu machen.

"Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes" Szenenbild (© RPC Good Boy Limited & Skopia Film, Photograph: Lukasz Bakj, X Verleih)

Andrea Riseborough als Kathryn, Kit Rakusen als Jonathan, Stephen Graham als Chris und Anson Boon als Tommy
(© RPC Good Boy Limited & Skopia Film, Photograph: Lukasz Bakj, X Verleih)

Mit „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ – nicht zu verwechseln mit dem norwegischen Horrorthriller „Good Boy“ von Viljar Bøe aus 2023 – legt Jan Komasa also seinen nächsten Gesellschaftsthriller vor, und wieder weiß er einen zu packen, nachdenklich zu machen und zu Diskussionen anzuregen. Dies passiert schon dadurch, dass man hier nur schwer eine Identifikationsfigur ausmachen kann. Am ehesten ist dies vielleicht noch der junge, mit manchmal glänzenden Augen noch Optimismus austrahlende Jonathan, während Tommy zu Beginn als veritables Arschloch eingeführt wird, dem man eine Abreibung oder zumindest Konsequenz seiner Handlungen mal wünschen würde. Aber doch nicht so, wie es Chris dann praktiziert, der illegal und übergriffig handelt, um der traumatisierten Kathryn etwas bzw. – wohl als Ersatz – jemanden zu bieten und um seine Prinzipien durchzudrücken.

Tommy rebelliert, ihm sind aber im wahrsten Sinne des Wortes die Hände gebunden. Dadurch, dass er dann gezwungenermaßen mehr von einem „braven Jungen“, dem „good boy“, zeigt, bekommt er aber etwas mehr „Freiheiten“, kann sich räumlich an seinen Ketten wieder mehr bewegen, wird sogar zum netten Familien-Picknick mitgenommen. Und die Lektionen von Chris, die auch kulturelle Einflüsse von Büchern oder Filmen zu nutzen wissen, erzielen nach und nach Wirkung – oder doch nicht? Gibt sich Tommy nur sanfter und immer integrativer, um wieder frei zu kommen, oder ist er wirklich geläutert?

Das Drehbuch von Bartek Bartosik und Naqqash Khalid holt zwar nicht aus jedem Charakter und jeder eröffneten Idee das Maximale heraus, bietet aber eine stets interessante Geschichte, von Jan Komasa mal wieder zielsicher inszeniert mit viel Gespür für Stimmungen. Auch das kleine, stark aufspielende Ensemble, die guten Bilder von Kameramann Michał Dymek („A real pain“, „Das Mädchen mit der Nadel“) und die Musik von Abel Korzeniowski haben ihren Anteil daran, dass „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ über ganz besondere Folgen von Missverhalten und Social-Media-Bekanntheit in all seiner erzählerischen Ruhe zu fesseln weiß.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 


Verlosung

Wir verlosen 2×2 Kino-Freikarten (in Deutschland einlösbar) zum Film. Zur Teilnahme – ab 16 Jahren – einfach das folgende Formular ausfüllen und absenden. Einsendeschluss ist der 3. Juni 2026, damit die digitalen Tickets zum Ausdrucken (oder Online-Einlösen, was bei vielen Kinos auch schon klappt) zum Kinostart bei den GewinnerInnen ankommen. Viel Glück!







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