Home MusikKonzertberichteAnnenMayKantereit begeisterten beim Stadion-Heimspiel nicht nur mit der Stadt-Hymne „Tommi“ (Köln, 11. Juli 2026)

AnnenMayKantereit begeisterten beim Stadion-Heimspiel nicht nur mit der Stadt-Hymne „Tommi“ (Köln, 11. Juli 2026)

Autor: Tobi
AnnenMayKantereit (© Martin Lamberty)

(© Martin Lamberty)

Dass sich Christopher Annen (Gitarre), Henning May (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Severin Kantereit (Schlagzeug) in den 15 Jahren seit ihrer Gründung als Band AnnenMayKantereit in der deutschen Musikszene ganz nach vorne gespielt haben, das ist kein Geheimnis. Ihr 2016 veröffentlichtes Debütalbum „Alles nix Konkretes“ (wenn man die in Eigenregie 2013 veröffentliche Scheibe mit auch einigen englischsprachigen Songs nicht mitzählt, von der diverse Stücke wie „Oft gefragt“ und „Barfuß am Klavier“ hierhin übernommen wurden) erklomm ebenso Rang 1 der deutschen Charts wie ihr letztes „Es ist Abend und wir sitzen bei mir“ aus 2023, und die dazwischen liegenden „Schlagschatten“ (2018) und „12“ (2020) waren mit den Plätzen 2 und 4 ebenfalls ganz weit oben in der Liste. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass es sich keinesfalls um kurze Charteinstiege handelte, sondern Marken wie 182 Wochen beim Debüt oder stolze 78 Wochen bei der 2023er-Scheibe. Immer wieder wissen AnnenMayKantereit mit tollen Texten aus dem Leben, teilweise chansoneskem, handgemachtem Pop und der großartigen, tiefen und rauen Stimme von May zu bestechen. Ein weiteres Indiz für die Beliebtheit des Trios aus Köln ist die Tatsache, dass ihre 2026er-Tour auch ohne neues Album in großen Arenen wieder häufig ausverkauft ist, so wie an drei Abenden in der Berliner Wuhlheide oder auch am fünften Abend der Konzertreise im Kölner RheinEnergieSTADION, wo sie schon ihre 2023er-Tour vor 40.000 Zuschauern im ausverkauften Rund beendeten.

Am herrlich warmen Sommerabend des 11. Juli war es also wieder Zeit für ein Heimspiel in der vollen Arena, und die Stimmung war dann auch vom Start weg gut, als das deutsche, aus Sänger Rayan und Produzent Sammy bestehende Duo Blumengarten ab 19.20 Uhr den Abend eröffnete. Bis vor kurzem hätten viele evtl. noch nicht sonderlich viel mit diesem Namen anzufangen gewusst, da das von KitschKrieg produzierte und aus deren aktuellem Album „Zwei“ als Single ausgekoppelte „Du bist gut genug“ mit Blumengarten und Shirin David aber gerade in den sozialen Medien viral ging und sogar sensationellerweise in die US-Global-200-Billboard-Charts einstieg, hat inzwischen jeder die von Rayan gesungene Titelzeile der in Deutschland zum Nummer-eins-Hit avanvierten Nummer im Ohr. Das Stück wurde als nicht reine eigene Nummer in Köln nun nur beim Abgang von der Bühne kurz erwähnt und angespielt, die live zum Quintett in wahrer Bandbesetzung angewachsenen Blumengarten gefielen in ihren gerade einmal 25 Minuten aber mit Tracks von der eigenen neuen EP „Radio“ und dem bisher einzigen Album „Ich liebe dich für immer“ aus 2025.

Als hätten sie die „Tagesschau“ erst noch zuende geschaut betraten AnnenMayKantereit um 20.17 Uhr die Bühne, wie zuletzt gewohnt nicht als Trio, sondern durch Sophie Chassée am Bass verstärkt. Mit „Marie“ und „Nur wegen dir“ eröffneten sie den Abend genauso wie das 2018er-Album „Schlagschatten“, gingen dann mit „Wohin du gehst“ und „Lass es kreisen“ in eine die gesamte Karriere umspannende Setlist über. Nach „Vielleicht, vielleicht“ betraten sie dann einen leicht erhöhten Bereich, wo neben einem zweiten Schlagzeug auch ein Sessel und eine Lampe standen – und diese kleinere „Studiobühne“, wie sie es nannten, war für die Momente vorgesehen, in denen sie neue Stücke spielen würden – an einem weiteren Longplayer wird also gearbeitet. Mit – die Titel sind teilweise Vermutungen – „Komm zu mir“ und „Kleine Wolken“ gab es nun erste neue Songs zu hören, später noch „Dunkelgrün“ und – mit May am Akkordeon – einen Song über Geburtstage (evtl. „Morgen ist wieder alles vorbei“).

Diese Lieder wussten allesamt zu gefallen, natürlich weit mehr gefeiert wurden aber die bekannten wie die mitreißenden Ohrwürmer „Pocahontas“ und „Oft gefragt“, wie „Ozean“, zu dem man eine geliebte Person in den Arm nehmen sollte, das im Gegensatz zur Studioversion im Tempo anziehende „Als ich ein Kind war“, bei dem Annen, May und Kantereit alle Gitarre spielten, das flott rockiger anmutende „21, 22, 23“ oder das groovig Urlaub ersehnende „3 Tage am Meer“. Ab „Du bist anders“ in der Mitte des Konzerts waren auch die vier BläserInnen hinzu gestoßen und bereicherten die Songs mit ihren beiden Trompeten, Posaune und Saxophon, wobei sie auch Passagen hatten, die einzelne von ihnen bejubelt mehr in den Fokus rückten. So zum Beispiel bei „Ich geh heut nicht mehr tanzen“, wo die Trompeten sich direkt ans Publikum stellten, oder zuvor schon bei „Jenny Jenny“.

Zur Zugabe erschienen Annen, May und Kantereit dann erhöht mitten im Innenraum, wo Henning – der sich immer wieder mal gutgelaunt an die Fans wandte und hierfür den laut eigener Aussage einzigen Outfitwechsel jemals ins FC-Trikot vornahm – erklärte, die zwei folgenden Lieder würden sie nur jetzt spielen, ein einziges Mal. Es folgte eine traurige Nummer über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 und dessen langatmige Aufarbeitung sowie eine gutgelauntere über den Wunsch nach einem Fenster zum Zug im oft kalten Karneval. Für die ganz massive Gänsehaut sorgte dann wie erwartet „Tommi“, AnnenMayKantereits wundervolle Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Köln, die lauthals vom ganze Stadion mitgesungen einfach nur ein Erlebnis war.

Dann ging es für die letzen Stücke zurück auf die Hauptbühne, wo May erst das tolle „Barfuß am Klavier“ in den langsam dunkler werdenden Sommerabend sang, zu dem die Fans mit ihren Smartphones einige Sterne leuchten ließen. Dann folgte mit „Nur nicht aus Liebe weinen“, im Original von Zarah Leander, die zweite Coverversion des Abends – kurz vor den Zugaben gab es bereits „Valerie“ von The Zutons, weit bekannter in der Coverversion von Mark Ronson und Amy Winehouse. Als letzter neuer Song wurde schließlich einer über Freundschaft gesungen, evtl. „Legende“ betitelt, mit Textzeilen wie „Wir sind alle für dich da wenn du uns brauchst“. Als großes Finale folgte dann „Ausgehen“, bei dem das ganze Stadion noch einmal so richtig abging. Hiermit wurde ein einfach nur wundervolles, begeisterndes, zweistündiges Konzert der sympathischen, bodenständigen Band abgerundet, nach dem wohl das gesamte Publikum voll zufrieden in die warme Nacht entschwand.

Mitschnitt von „Tommi“ aus Köln vom Konzert in 2023:

Hier sind AnnenMayKantereit auf ihrer 2026er-Tour noch live zu erleben – Tickets gibt es u.a. hier bei Eventim (Partnerlink):

17.07.2026 Neu-Ulm, Wiley Sportpark
18.07.2026 Mönchengladbach, SparkassenPark
28.07.2026 Ludwigsburg, KSK Music Open (Ausverkauft)
29.07.2026 Ludwigsburg, KSK Music Open (Ausverkauft)
30.07.2026 Füssen, Barockgarten (Ausverkauft)
13.08.2026 Berlin, Parkbühne Wuhlheide (Ausverkauft)
14.08.2026 Berlin, Parkbühne Wuhlheide (Ausverkauft)
15.08.2026 Berlin, Parkbühne Wuhlheide (Ausverkauft)
20.08.2026 Hamburg, Trabrennbahn Bahrenfeld
21.08.2026 Hamburg, Trabrennbahn Bahrenfeld (Ausverkauft)
22.08.2026 Rostock, IGA Park
03.09.2026 Hannover, ZAG Arena
04.09.2026 Hannover, ZAG Arena (Ausverkauft)
05.09.2026 Magdeburg, GETEC-Arena (Ausverkauft)
10.09.2026 Leipzig, Quarterback Immobilien Arena
11.09.2026 Leipzig, Quarterback Immobilien Arena (Ausverkauft)
12.09.2026 Bremen, ÖVB-Arena (Ausverkauft)
15.09.2026 München, Olympiahalle
16.09.2026 München, Olympiahalle (Restkarten)
18.09.2026 München, Olympiahalle (Ausverkauft)
19.09.2026 Wien (AT), Wiener Stadthalle (Ausverkauft)
20.09.2026 Graz (AT), Stadthalle (Ausverkauft)
25.09.2026 Freiburg, SICK-Arena (Ausverkauft)
26.09.2026 Zürich (CH), Hallenstadion (Ausverkauft)
27.09.2026 Zürich (CH), Hallenstadion

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