
Geister
Darsteller: Eren M. Güvercin, Mariam Dawoud, Anna Bederke, Lama Alhabi
Regie: Fatih Akin
Dauer: 105 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/geister
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Instagram: instagram.com/warnerbrosde
Kinostart: 5. November 2026
Viel Zeit zum Verschnaufen hat sich Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“) nach der Verwirklichung seines Herzensprojekts, dem eindrücklichen „Amrum“ nach der Autobiografie seines kurz danach verstorbenen Mentors Hark Bohm, letztes Jahr ja nicht genommen. Gerade einmal ein Jahr später legt er jetzt mit seinem melodramatischen „Geister“ schon das nächste Werk nach, in dem er sich übersinnlich den großen Gefühlen einer tragisch verhinderten Liebe zuwendet.
Die zeichnet sich von diesem ersten magischen Moment an ab, den Akin gleich eingangs so schön einfängt, und der uns genauso wie Faris (Eren M. Güvercin) und Farasha (Mariam Dawoud) die nächsten emotionalen eindreiviertel Stunden beschäftigen wird. Denn vom ersten tiefen Blick in die Augen und kurzen Gespräch an ist da so etwas wie Seelenverwandtschaft der beiden zu spüren, die ihre Abiparty um sie herum in der hippen Location des Fernsehturms augenblicklich zur Nebensache werden lässt. Das Date für den nächsten Tag ist ausgemacht, und die beiden 20-Jährigen sind fast um ihre jungen, hüpfenden Herzen zu beneiden, als sie sich mit ihrem feiermüden Anhang auf den Heimweg machen.
Doch Fatih Akin hat anderes mit uns vor, statt beim herbeigesehnten zweiten Treffen sehen wir Faris am nächsten Tag im Krankenhaus wieder. Wie sich herausstellt, hat er auf regennasser Straße die Kontrolle verloren und sein Auto im Hafenbecken versenkt. Das ist für ihn, seinen Kumpel und Farashas Freundin noch recht glimpflich abgegangen. Farasha aber hat es nicht mehr aus dem sinkenden Fahrzeug geschafft, und so schnell ist aus dem Hochgefühl der aufkeimenden Liebe nichts als Leere geworden, die Faris jetzt geradezu betäubt.
Und bei dieser Ernüchterung, die Akin hier mit seinem akzentuierten Kontrast schlagartig einkehren lässt, soll er es bei weitem nicht belassen, gesellen sich zu Faris’ Trauer um Farasha doch bald schon nagende Schuldgefühle, die den gerade noch lebenslustigen jungen Mann nun zu zerfressen drohen. Schon bei ihrer Beerdigung jedoch schlägt der Regisseur hier versöhnlichere Töne an, steht Farasha plötzlich übernatürlich als Geist neben ihrem Grab und wird Faris, wie sie im Jenseits von ihrem kürzlich verstorbenen Vater erfuhr, bei Nichtvergessen noch 40 Tage begleiten können.

(© 2026 bombero international GmbH & Co. KG / Rialto Film GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH)
Ein Ansatz, der, so spirituell er auch erscheinen mag, selbst im Kino nicht neu ist. Gewöhnungsbedürftig jedoch ist es für Faris und uns allemal, wenn er mit Farashas Geist im Hier und Jetzt plötzlich zum melancholischen Grenzgänger zwischen zwei Welten wird, und die beiden doch noch die vom Schicksal geraubte Möglichkeit bekommen, sich kennen und lieben zu lernen. Dabei drückt der Regisseur zeitweise doch gewaltig auf die Tränendrüse, gelingt es ihm nicht immer alle Kitschklippen zu umschiffen und beweist er letzten Endes dann doch feines Gespür dafür, Faris’ Gefühlschaos greifbar zu machen.
Hauptgrund dafür sind Eren M. Güvercin und Mariam Dawoud, die als süßes Paar wirklich bestens zusammenpassen und beim Entdecken der tragischen Liebe ihrer Figuren fast – Achtung Wortspiel – traumwandlerisch sicher interagieren. Denn immer schwingt unterschwellig der Gedanke mit, dass es sich bei den so herzergreifenden gemeinsamen Erlebnissen lediglich um Faris’ Träume handelt, den Akin hier geschickt provoziert und konsequent bis zum spektakulären Ende nicht abräumt.
Vorher aber dürfen wir uns noch fallenlassen in die großen Emotionen, berichtet uns der romantische Streifen von Liebe, Trauer, Schmerz und auch Schuld, die zumindest durch Farashas Erscheinen relativiert wird. Und doch möchte man nicht in Faris’ Haut stecken, als er sich zum ersten Mal ihrer Familie stellt und von vorwurfsvollen Blicken durchbohrt wird. Akins neuer Film ist damit so viel mehr als nur seine zeitlich begrenzte, berührende Liebesgeschichte. Denn er erzählt tiefgründig von der Verarbeitung eines schmerzlichen Verlusts, die Faris schließlich in einer atemberaubenden Schlussszene zu einer existenziellen Entscheidung zwingt und uns durchaus ergriffen zurücklässt.
Bewertung: 7 von 10 Punkten

