Home Film„By Any Means“ – der packende 60er-Jahre-Crime-Thriller regt auch zu einigen Diskussionen an

„By Any Means“ – der packende 60er-Jahre-Crime-Thriller regt auch zu einigen Diskussionen an

Autor: Tobi

"By Any Means" Filmplakat (© PLAION Pictures)

By Any Means

Darsteller: Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, Josh Lucas
Regie: Elegance Bratton
Dauer: 107 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Facebook: facebook.com/plaion.pictures
Instagram: instagram.com/plaionpictures
Kinostart: 29. Oktober 2026


Der 1979 in Jersey City geborene US-Amerikaner Elegance Bratton hat in seinem Leben schon einige unschöne Erfahrungen gemacht. Mit 16 Jahren wurde er auf Grund seiner Homosexualität zu Hause rausgeworfen, lebte dann zehn Jahre auf der Straße, bevor er zum U.S. Marine Corps ging. Dort lernte er als Camera Production Specialist, wie man Filme und Fotos macht, woraus seine folgende Karriere resultieren sollte, zusammen mit einem Studium an der New York University Tisch School of the Arts. Mit dem Bildband „Bound By Night“ erlangte er 2014 internationale Anerkennung, sein Kurzfilm „Walk for Me“ (2016) drehte sich um Trans-Mütter in der Ballroom-Szene, sein Dokumentarfilm „Pier Kids“ (2018) zeigte obdachlose queere und Trans-Jugendliche in New York. Mit dem mehrfach ausgezeichneten und in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ (Jeremy Pope) Golden-Globe-nominierten, intensiven Drama „The Inspection“ legte Bratton dann 2022 einen ersten Spielfilm über einen jungen schwulen Schwarzen im U.S. Marine Corps vor, natürlich inspiriert von seinen eigenen Erfahrungen – und besetzt u.a. mit Gabrielle Union, der Lieblingsschauspielerin seiner zuvor verstorbenen Mutter. Nachdem er mit „Move Ya Body: The Birth of House“ über die Anfänge der House-Musik 2025 eine weitere Doku inszenierte, liegt nun mit „By Any Means“ sein zweiter Spielfilm vor und beleuchtet eine sehr problematische Zeit – mit Yahya Abdul-Mateen II („Aquaman“-Filme, „The Trial of the Chicago 7“, „The Matrix Resurrections“, „Watchmen“) und Mark Wahlberg („Boogie Nights“, „Departed – Unter Feinden“, „The Fighter“, „Ted“-Filme) in den Hauptrollen prominent besetzt.

Im Mississippi des Jahres 1966 ist das FBI mit einer brutalen Mordserie an Bürgerrechtlern überfordert, bei der gerne auch mal brennende Kreuze als Ausdruck des Motivs platziert werden. Der rassistische Geheimbund des Ku-Klux-Klan ist hier offensichtlich am Werk gegen das Civil Rights Movement. Der junge, schwarze Agent Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) wird auf den Fall angesetzt, kommt allerdings bei den ebenso verängstigten wie verschlossenen Einheimischen als auch der lokalen Polizei, bei der Korruption und unterschwelliger Rassismus kaum zu übersehen sind, nicht weiter. Aus diesem Grund wird ihm von seinem Chef Roy K. Moore (David Strathairn) mit dem Weißen Greg Scarpa (Mark Wahlberg) ein ungewöhnlicher Partner zur Seite gestellt, dem ein Ruf als Mafia-Killer vorauseilt und der auch nicht lange braucht, um zu untermauern, dass er nicht für seichte Diskussionen angereist ist.

Mit seiner unterkühlten, kompromisslosen und anfangs auch wenig partnerschaftlichen Art kommt Scarpa beim seiner Funktion und Überzeugung entsprechend gesetzestreu ausgerichteten Strider alles andere als gut an, aber ihm wird schnell klar gemacht, dass es an einem alternativen Weg mangelt – spätestens als die eine ältere Dame, die als Zeugin eines Übergriffs kooperiert hatte, übelst hierfür abgestraft wird. Während Strider sich noch dagegen wehrt, seine Prinzipien über Bord zu werfen, sorgt Scarpa abseits üblicher FBI-Pfade für Unruhe und erste Opfer in den Reihen der Rassisten.

"By Any Means" Szenenbild (© PLAION Pictures)

Yahya Abdul-Mateen II und Mark Wahlberg
(© PLAION Pictures)

Mit „By Any Means“ legt Elegance Bratton einen gelungenen, durchaus packenden zweiten fiktionalen Film vor, der uns von wahren Begebenheiten inspiriert mitnimmt in die von Rassismus geprägten 60er-Jahre der USA, in die Zeiten der vermummt zuschlagenden Ku-Klux-Klan-Banden und seiner brennenden Kreuze. Yahya Abdul-Mateen II und Mark Wahlberg spielen ihre Rollen überzeugend, ebenso wie Nicole Beharie als Striders zurecht ängstliche, aber auch Mut zusprechende Frau Allison und der Rest des Ensembles.

Von 60er-Jahre-Songs begleitet, zu denen sich der von Diane Warren geschriebene und The Isley Brothers & David Kushner eingespielte, starke Titeltrack gesellt, kommt einige Nostalgie auf, wobei sie hier trotz passender Einfärbung der guten Bilder natürlich nur selten warm wohlig anmutet bei all der Gewalt und Ungerechtigkeit, die wir zu sehen bekommen.

Die Wirkung von „By Any Means“ ist hierbei äußerst ambivalent, wenn man es als Zuschauer zum einen begrüßt, dass sich mit dem vor Brutalität ebenfalls nicht zurückschreckenden Scarpa jemand der üblen Gewalt des Ku-Klux-Klan entgegenstellt, man sich andererseits aber natürlich bewusst ist, dass dies selbst vom FBI gedeckelt an Selbstjustiz grenzt und in seinen Methoden eigentlich alles andere als okay ist. So weiß der Film nicht nur zu fesseln, er regt auch zu anschließenden Diskussionen über Moral und Gerechtigkeit an.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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