
Klara und die Sonne
Darsteller: Jenna Ortega, Mia Tharia, Aran Murphy, Amy Adams
Regie: Taika Waititi
Dauer: 116 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.KlaraUndDieSonne.de
Facebook: facebook.com/SonyPicturesGermany
Instagram: instagram.com/SonyPictures.de
Kinostart: 29. Oktober 2026
Der unaufhaltsame und gerade in letzter Zeit geradezu rasantes Tempo aufnehmende Vormarsch von Künstlicher Intelligenz in unserem Alltag macht die besorgniserregende Entwicklung nahezu täglich zum Nachrichtenthema. Logisch, dass auch die zeitgenössische Kultur und explizit das Kino schon seit einer Weile kaum noch daran vorbeikommt und sich in einem breiten Spektrum grundverschiedener Ansätze damit beschäftigt. Taika Waititis („Jojo Rabbit“, „5 Zimmer Küche Sarg“) neue Verfilmung „Klara und die Sonne“ vom schon 2021 erschienenen, gleichnamigen Zukunftsroman des Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro ist da bei weitem nicht das erste Werk, das intelligente Androiden als Ersatz des Menschen ins Zentrum rückt.
Seine Protagonistin Klara (Jenna Ortega) ist nämlich eine „Künstliche Freundin“ und als veraltetes Modell eigentlich ein absoluter Ladenhüter, in den sich trotzdem die 14-jährige Josie (Mia Tharia) beim Shoppen mit ihrer Mutter Chrissy (Amy Adams) augenblicklich verguckt. Obwohl es weitaus coolere, modernere Alternativen gibt, muss es einfach Klara sein, die der aufgeweckten Teenagerin in Zukunft eine Freundin werden soll. Also wird sie schon am nächsten Tag in Josies stylisches Zuhause auf dem Land geliefert, wo sie zwar angesichts ihrer recht ungelenken Kalibrierungsprozesse von der alleinerziehenden Chrissy und vor allem Haushälterin Melania erstmal skeptisch beäugt wird, Josies Überzeugung von ihr aber bleibt davon unberührt.
All das präsentiert uns Regisseur Waititi aus Sicht der kindlich-unbedarften Klara, die außer ihrem offensichtlichen Zweck, die Wünsche ihrer Käufer zu befriedigen, schon von Anfang an irritierende menschliche Züge offenbart. Ihr manischer Hang zur titelgebenden Sonnenanbetung ließe sich ja noch mit dem Aufladen durch ihre integrierten Solarmodule erklären, Gefühle wie Neid gegenüber den begehrten Topmodellen im Schaufenster gegenüber jedoch sollten einer KI doch eigentlich fremd sein. Eine mit großen unschuldigen Augen überwiegend naiv agierende Jenna Ortega setzt dabei jedenfalls vom Start weg den Ton für einen Wohlfühlfilm, der dann auch vorrangig auf der menschlichen Ebene funktioniert.
Wenn sich herausstellt, dass Josie früh ihre größere Schwester verloren hat und obendrein bei ihrer Optimierung durch Genmanipulation unheilbar krank wurde, erweckt das eben außer bei uns auch bei Klara eine Menge Mitgefühl, Kritik an der Beeinflussung natürlicher Gegebenheiten durch die privilegierte Oberschicht aber klingt hier allenfalls am Rande an. Denn anders als Josies naturbelassener, empathischer Freund Rick (Aran Murphy) erweisen sich sowohl ihre ebenfalls optimierten Bekannten als auch deren weiterentwickelte KI-Buddys als gefühlskalter, versnobter Haufen, der wohl kaum zum Gesellschaftsideal taugt.

Jenna Ortega und Aran Murphy
(© 2026 CTMG, Inc. All Rights Reserved.)
Anders als die hochbegabte aber todgeweihte Josie und die alles andere als perfekte Klara, die schnell eine tiefe Beziehung zueinander aufbauen und uns lediglich in die Dynamik einer ganz normalen Familie mitnehmen, als wäre Klara einfach ein neu aufgenommenes Pflegekind. Deren Roboterdasein dient hier eher dem Einflechten heiterer Alltagsepisoden als der ernsten Auseinandersetzung mit einem Zukunftsszenario, das mit dem kompletten Ersatz von Menschen so gar nicht erstrebenswert erscheint. Was zum Nachdenken anregt, ist da allenfalls Klaras Fähigkeit, menschliche Gefühle zu entwickeln und in ihrer Beziehung zu Josie letztendlich sogar die Liebe kennenzulernen.
Das zumindest spielt Jenna Ortega überzeugend und erinnert mit ihrer kindlichen Naivität phasenweise an eine jugendfreie Version Emma Stones’ aus Yorgos Lanthimos’ „Poor Things“. Und wenn sie ihre fast wie eine Gottheit verehrte Sonne, koste es was es wolle, um Josies Genesung bittet, wirft das durchaus die Frage auf, inwieweit KI irgendwann auch zum Erlernen von Gefühlen fähig sein wird.
Insgesamt jedoch gerät Waititis immerhin überaus warmherzig inszenierte, kurzweilige Zukunftsgeschichte viel zu kitschig und zuckersüß um wirklich – wenn überhaupt beabsichtigt – als kritische Dystopie durchzugehen. Da haben wir von Andrew Garlands tiefgründigem „Ex Machina“ (2015) bis zu Gerard Johnstones Horrorfilm „M3GAN“ (2022) schon weitaus ernsthaftere Diskurse zum Thema gesehen, gegen die der hauptsächlich auf seichte Unterhaltung angelegte „Klara und die Sonne“ doch sehr harmlos wirkt.
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten

