
Michael
Darsteller: Jaafar Jackson, Juliano Valdi, Colman Domingo, Miles Teller
Regie: Antoine Fuqua
Dauer: 127 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.upig.de/micro/michael
Facebook: facebook.com/UniversalPicturesDE
Instagram: instagram.com/universalpicturesde
Kinostart: 22. April 2026
Michael Jackson. Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen, soviel Gerüchte ranken sich um den früh verstorbenen Megastar und legitimen King of Pop, dass man damit locker mehrere Filme füllen könnte. Das fand auch Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“, „The Equalizer“-Reihe), der vor allem in den 90ern ja schon mit unzähligen Videos für diverse Künstler seine Liebe zur Musik bewies, zumal das Leben Michael Jacksons außer einer kleinen Episode im SciFi-Streifen „Moonwalker“ (1988) bisher merkwürdigerweise noch keinen größeren Eingang ins Kino gefunden hat. Nach dem erfolgreichsten Konzertfilm aller Zeiten „Michael Jackson`s This Is It“ (2009), der die Proben für einen schließlich wegen seines Todes abgesagten Auftritt thematisierte, ist es also höchste Zeit, dass sich Fuqua mit seinem schlicht mit „Michael“ betitelten Biopic dem Popgiganten widmet.
Und das geht er weitgehend konventionell an, startet mit uns wie jede klassische Biografie in Michaels landläufig bekannte Kindertage in Indiana, die alles andere als unbeschwert verlaufen. Vater Joseph (Colman Domingo) nämlich ist nicht nur Musikfan, sondern vor allem von Geldgeilheit getrieben, wenn er seine da noch acht Kinder von Geburt an auf eine Karriere im Showbusiness trimmt. Die älteren Brüder Jackie, Tito, Jermaine und Marlon haben Ende der 60er längst in unerbittlichem Drill das musikalische Rüstzeug erhalten, als der auch vor Prügel mit dem Gürtel nicht zurückschreckende Joseph seinem Familienbandprojekt mit dem Rohdiamanten Michael (Juliano Valdi) das letzte, jüngste Mosaiksteinchen hinzufügt. Die Gruppe „The Jackson Five“ ist geboren, da ist Michael gerade einmal acht Jahre alt und verspricht als begnadeter Leadsänger und Tänzer mit seinem unglaublichen Talent schon da eine Wahnsinnslaufbahn.
Etwas nüchtern lotst uns Actionexperte Fuqua hier chronologisch durch die mit Texttafeln eingeordneten Anfänge von Jacksons Karriere, empört zwar mit der gewalttätigen Besessenheit Josephs, punktet ansonsten aber emotional lediglich mit dem wirklich blendend gecasteten Juliano Valdi, der mit frappierender Ähnlichkeit zum Star bei seinen Tanz- und Gesangseinlagen wirklich berührt. Deutlich wird hier das Anliegen, die schwierige Kindheit des sensiblen Michael herauszuarbeiten, der zuhause nur durch Mama Katherine (Nia Long) aufgefangen wird, während er sonst zwischen Papas immensem Dauerdruck und erstem Hype hin- und hergeworfen wird.

(© 2025 Lionsgate)
Grund genug jedenfalls für den inzwischen erwachsenen Ausnahmekünstler (jetzt Michaels Neffe Jaafar Jackson), sich am Wendepunkt seiner parallel gestarteten Solokarriere mit neuem Manager (Miles Teller) von seinem Vater zu emanzipieren, den er, von Fuqua vergnüglich inszeniert, wie in einem Akt der Genugtuung per Fax feuern lässt. Sicherlich kein Schachzug, der nachhaltig zum Familienfrieden beiträgt, aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Selbstverwirklichung mit den vom renommierten Quincy Jones produzierten Alben „Off the Wall“ und „Thriller“ von 1979 respektive 1982. Die gehen bekanntermaßen beide durch die Decke, und spätestens mit dem Megaerfolg des weltweit immer noch meistverkauften „Thriller“ ist die Welt für Michael nicht mehr, wie sie vorher war.
Das alles bekommen wir akkurat aufgearbeitet und mit dem nötigen Einfühlungsvermögen für den jeweiligen Gemütszustand des Stars inklusive Körperwahn dargereicht, für eine weitere Annäherung an den exzentrischen Musiker aber gibt das durch sein bewegtes Leben hetzende Drehbuch leider kaum Gelegenheit. Jermaines Sohn Jaafar dagegen liefert wirklich ab, hat sich die spektakulären Moves seines Onkels mit Akribie erarbeitet und setzt mit seinen Performances in Kombination mit dem vom Regisseur geschickt eingesetzten Hit-Soundtrack immer wieder emotionale Highlights.
Eine erhoffte tiefere Auseinandersetzung mit den zahlreichen Kontroversen um Kindesmissbrauch des Kings of Pop allerdings bleibt zu unserer Enttäuschung komplett aus, konzentriert sich Fuqua fast ausschließlich auf den Aufstieg Jacksons und lässt eventuelle pädophile Tendenzen allenfalls bei einem Besuch auf einer Kinderkrankenstation erahnen. Das ist sicher auch der juristischen Lage außergerichtlicher Einigungen mit den Opfern geschuldet, die nicht umsonst eine Nachbearbeitung des Films und eine Startverschiebung erforderlich machte. So aber ist die lang erwartete Biografie statt eines kritischen Porträts nur ein wohlwollender, immerhin stimmungsvoller Lebenslauf ohne Ecken und Kanten geworden, der noch dazu 1988 angesichts einer vom Studio in Aussicht gestellten Fortsetzung mit einem billigen Cliffhanger endet. „The story continues…“
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten

