Home Film “Morgen ist auch noch ein Tag” – eine berührende Tragikomödie über verletzte Frauenrechte

“Morgen ist auch noch ein Tag” – eine berührende Tragikomödie über verletzte Frauenrechte

Autor: Tobi

"Morgen ist auch noch ein Tag" Filmplakat (© Tobis Film)

Morgen ist auch noch ein Tag

Darsteller: Paola Cortellesi, Valerio Mastandrea, Romana Maggiora Vergano, Giorgio Colangeli
Regie: Paola Cortellesi
Dauer: 118 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: tobis.de/titel/morgen-ist-auch-noch-ein-tag
Facebook: facebook.com/TobisFilm
Kinostart: 4. April 2024


Mit “Morgen ist auch noch ein Tag” startet ein italienischer Film bei uns im Kino, der in der Heimat mehr als fünf Millionen BesucherInnen in die Lichtspielhäuser lockte, nachdem er im Oktober 2023 beim Filmfestival in Rom unter anderem mit dem Jury- und dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Ihm gelang es sogar, noch vor “Barbie” und “Oppenheimer” zum erfolgreichsten Kinofilm des Jahres 2023 in Italien zu avancieren – hiermit hätte Paola Cortellesi sicher nicht gerechnet, die hiermit ihr Regiedebüt vorlegt, am Drehbuch mitschrieb und auch in der Hauptrolle der Delia zu sehen ist.

Um zu verstehen, wie es um selbige im Rom des Jahres 1946 steht, braucht der Film nur Sekunden. Dann peitscht eine üble Ohrfeige schallend auf ihr Gesicht, die ihr vom Ehemann Ivano (Valerio Mastandrea) verabreicht wird, den wir als schlechtgelaunten, gewaltbereiten Macho kennenlernen, der seine Frau herum kommandiert und auch gerne vor allen anderen beleidigt, nicht nur vor den drei eingeschüchterten Kindern. Als Hausfrau muss sie funktionieren, und zwar so, wie er es sich vorstellt, und zudem noch aus verschiedenen kleinen Nebenjobs Geld nach Hause bringen – und irgendwie scheint Delia all die Erniedrigungen hinzunehmen, nicht als einzige Frau in der Nachbarschaft.

Häusliche Gewalt scheint im vom Faschismus befreiten Nachkriegs-Rom an der Tagesordnung zu sein, und während die jüngeren Söhne Sergio (Mattia Baldo) und Franchino (Gianmarco Filippini) des Paares noch zu klein sind, um aufzubegehren, hat Tochter Marcella (Romana Maggiora Vergano) im fortgeschrittenen Teenageralter für sich schon einen Fluchtplan parat, ist sie doch mit dem aus weit besserem Hause stammenden Giulio (Francesco Centorame) liiert. Für eine Ehe mit diesem würde der Vater sie sofort freigeben, läge sie ihm doch dann nicht mehr auf der Tasche, und finanziell könnte man ja hiervon durchaus auch sonst profitieren.

Gefühlskälte ist es, die Ivano umgibt, und die scheint er geerbt zu haben von seinem Vater Ottorino (Giorgio Colangeli), der bettlägerig ebenfalls in einem Raum der familiären Kellerwohnung zu finden ist und um den sich Delia somit auch noch kümmern darf, ohne hierfür Dankbarkeit zu spüren. Irgendwie scheint ihr Leben ausweglos, da hift auch der beim Einkauf kennengelernte amerikanische Soldat William (Yonv Joseph) nicht, während ihre Jugendliebe Nino (Vinicio Marchioni) als Inhaber einer auf dem Weg zum Supermarkt liegenden Autowerkstatt immer noch an ihr interessiert ist und der örtlichen Tristesse bald entfliehen will, und hier könnte sie doch mitkommen, hätte sie nicht die Kinder. Der weit emanzipierteren Freundin Marisa (Emanuela Fanelli) klagt Delia ihr Leid und hat mit dieser zumindest mal wenige heitere Momente, ansonsten aber ist ihr Leben traurig – bis ein Brief eintrudelt, der ihr zumindest mal etwas Hoffnung zu geben scheint.

"Morgen ist auch noch ein Tag" Szenenbild (© Tobis Film)

Paola Cortellesi (Delia), Valerio Mastandrea (Ivano), Romana Maggiora Vergano (Marcella)
(© Tobis Film)

In gestochen schwarfen Schwarz-Weiß-Bildern lässt uns Paola Cortellesi an der Misere der von ihr sehr gut verkörperten Hauptfigur teilhaben und zeigt inspiriert von Berichten ihrer eigenen Großmütter, wie psychische und körperliche häusliche Gewalt einst im Patriachat als völlig normal angesehen wurden. Als ideenreiches Element ihrer gelungenen Inszenierung setzt sie hierbei auch Choreografien ein, in denen einige der Misshandlungen getanzt werden, wobei die Leichtigkeit dieses Stilmittels natürlich im absoluten Kontrast zu dem steht, was hier erlitten wird, und die völlig irrsinnige Akzeptanz des Ganzen symbolisiert.

“Morgen ist auch noch ein Tag” ist auch sonst eine gut gemachte, berührende Tragikomödie, die unterlegt mit starker Musik von Lele Marchitelli den Kampf von Frauen um Gleichberechtigung im Fokus hat, was sich auch im durchaus überraschenden Finale wiederspiegelt. Hierbei wird einem aber kein mahnender Feminismus aufoktruiert, sondern ein steiniger, aber irgendwo vielleicht doch existierender Weg zur Emanzipation gezeigt, auf dem auch kleine Erfolge zählen – und das gilt ja auch heute noch, sind häusliche Gewalt und Unterdrückung von Frauen doch leider keine verschwundenen Probleme.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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