Home Film„Moscas – Fliegen und andere Gäste“ – fein beobachtete Gesellschaftsstudie aus Mexiko

„Moscas – Fliegen und andere Gäste“ – fein beobachtete Gesellschaftsstudie aus Mexiko

Autor: Mick

"Moscas - Fliegen und andere Gäste" Filmplakat (© Piffl Medien)

Moscas – Fliegen und andere Gäste

Darsteller: Teresita Sánchez, Bastian Escobar, Paco Peralta, Hugo Ramírez
Regie: Fernando Eimbcke
Dauer: 102 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: moscas.pifflmedien.de
Facebook: facebook.com/PifflMedienFilmverleih
Instagram: instagram.com/piffl_medien
Kinostart: 22. Oktober 2026


Der Mexikaner Fernando Eimbcke („Lake Tahoe“, „Olmo“) hat schon immer ein besonderes Interesse an den Geschichten jugendlicher Außenseiter, deren Schicksale er uns oft genau beobachtet präsentiert. Auch sein neues Drama „Moscas – Fliegen und andere Gäste“, das er im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale der Weltöffentlichkeit vorstellte, bildet da keine Ausnahme und nimmt uns diesmal mit in die Welt gesellschaftlicher Underdogs in einer mexikanischen Metropole.

Genau genommen ist es zunächst einmal die schon etwas in die Jahre gekommene Olga (Teresita Sánchez), die er uns eingangs vorstellt. Wenn sie sich nicht gerade wie in der Anfangsszene genervt darum kümmert, die Fliegen aus ihrer Hochhauswohnung zu vertreiben, scheint sie sich in ihrem einsamen Leben ganz gut eingerichtet zu haben. Schließlich kriegt sie die Zeit zwischen Einkaufen, Fernsehen und dem Essen am kleinen Imbiss immer ganz gut mit dem Lösen von Sudokus gefüllt. Und wenn sie nicht dringend Geld für eine anstehende Zehenoperation bräuchte, hätte sie wohl auch kein Problem damit, einfach in der Dauerschleife ihrer Alltagsroutine auf den Tod zu warten.

So aber vermietet sie jetzt wie so viele in ihrem Wohnblock ein Zimmer an Angehörige von Patienten des gegenüberliegenden Krankenhausungetüms, die dringend eine Bleibe suchen und sich kein Hotelzimmer leisten können. Schon sind wir bei Eimbckes anfangs erwähntem Blick auf die Jugend, denn zusammen mit seinem Vater Tulio (Hugo Ramírez) ist der 9-jährige Cristian (Bastian Escobar) in die Stadt gekommen, um seine krebskranke Mutter zur Chemotherapie zu begleiten. Die ist kostspielig, und so kommt Tulio ausdrücklich allein bei Olga unter, Cristian wird abends irgendwie an ihr vorbeigeschmuggelt.

Doch wie zu erwarten, erweist sich der vorübergehende Frieden als sehr fragil. Als Tulio einen dringend benötigten Job annimmt, bleibt der kleine Cristian trotz eingehenden Briefings nicht lange unentdeckt. Natürlich ist die mürrische Einzelgängerin Olga außer sich, bringt es jedoch letztendlich nicht übers Herz, den Jungen vor die Tür zu setzen und schafft damit eine Situation, an der sich schon so viele Filme abgearbeitet haben.

"Moscas - Fliegen und andere Gäste" Szenenbild (© Kinotitlán)

Olga und Cris (© Kinotitlán)

Und doch schildert uns Regisseur Eimbcke sein Szenario hier in zartem Schwarz-Weiß schon rein visuell äußerst außergewöhnlich und kann sich dabei fast blind auf das wunderbare Zusammenspiel des Duos Sánchez/Escobar verlassen. Es dauert eine Weile, bis aus kategorischer Ablehnung und strikter Reglementierung des Zusammenlebens mit dem auf sich allein gestellten Cristian langsam Fürsorge und schließlich sogar Zuneigung wird. Dann aber hat sich das Warten durchaus gelohnt, erleben wir doch den einen oder anderen herzerwärmenden Moment, der für manche Phase des Leerlaufs entschädigt.

Zwischendurch nämlich begleiten wir Cristian, wie er mit allen Mitteln versucht, seine Mutter im Krankenhaus zu besuchen, wo doch der Zugang einzig in Begleitung Erwachsener erlaubt ist. Zwar macht der kleine Bastian Escobar dabei seine Sache echt gut, und gießt Eimbcke die Nöte des Jungen in fast schon poetische, ruhige Bilder, wenn der das Vertrauen eines Pflegers gewinnt oder anschließend voller Verzweiflung durch den Kiez streift. Richtig weiter jedoch treibt die Handlung dann erst Cristians Annäherung an Olga, die sich in Abwesenheit seines Vaters zunehmend seiner annimmt und dabei selbst tiefe seelische Wunden offenbart.

Wieder einmal beobachtet Eimbcke fein die Gefühlslage seiner Figuren am Rande der Gesellschaft bei ihrem täglichen Tanz hart am Existenzminimum. Alle wirtschaftliche Not aber kann bei ihm die Wärme ihrer liebevollen Beziehungen und kleinen Tageshighlights nicht zerstören, auch wenn es sich wie bei Cristian nur um sein Lieblings-Arcade-Videospiel an der Ecke handelt, das im Verhältnis zu Olga noch eine ganz besondere Rolle spielen soll. Spätestens da jedenfalls betrachtet sie den Kleinen nicht mehr als lästige Fliege, für die kein Platz in ihrer Wohnung und schon gar nicht in ihrem Leben ist.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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