Home Film„Primetime“ – Robert Pattinson brilliert als TV-Präsentator von überführten Pädophilen, basierend auf wahren Ereignissen

„Primetime“ – Robert Pattinson brilliert als TV-Präsentator von überführten Pädophilen, basierend auf wahren Ereignissen

Autor: Tobi

"Primetime" Filmplakat (© LEONINE Studios)

Primetime

Darsteller: Robert Pattinson, Skyler Gisondo, Merritt Wever, Matthew Maher
Regie: Lance Oppenheim
Dauer: 110 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Facebook: facebook.com/LEONINEStudios
Instagram: instagram.com/leoninestudios
Kinostart: 24. September 2026


Nachdem der US-Amerikaner Lance Oppenheim sich mit in visueller Ästhetik und erzählerischer Tiefe an fiktionalen Langfilmen orientierten Dokus über eine große Seniorensiedlung in Florida („Some Kind of Heaven“, 2020) und Grauzonen in der Abwicklung privater Samenspenden („Spermworld“, 2024) einen Namen gemacht hat, legt er mit „Primetime“ nun seinen ersten langen Spielfilm vor. Hierbei löst er sich allerdings auch nicht von wahren Begebenheiten, beleuchtet der mit hinzuerfundenen Personen oder Momenten dramaturgisch angereicherte Thriller doch den realen Aufstieg der Fernsehshow „To Catch A Predator“, die in den USA Mitte der 2000er-Jahre für Wirbel sorgte und es sogar auf den besten Sendeplatz schaffte – „Primetime“ eben.

Schon der Einstieg macht uns mit Chris Hansen (Robert Pattinson) bekannt, der als Hauptperson der von Dateline NBC ausgestrahlten Show dann in Erscheinung tritt, wenn Pädophile auf einen Lockvogel hereingefallen sind und zu einem fingierten Treffen erscheinen, um ihren Gelüsten nachzugehen. Chris stellt sich vor, konfrontiert sie vor laufenden Kameras mit Chatverläufen und gibt ihnen Gelegenheit zu Stellungnahmen, die natürlich nicht vor rechtlichen Konsequenzen schützen, folgt doch dann direkt die Verhaftung durch die Polizei.

Als Stamm-Lockvogel Del Harvey (Musik-Star Phoebe Bridgers) langsam zu alt und durch die TV-Ausstrahlung zu bekannt wird, engagiert das Team um die emotionslos und zielstrebig arbeitende Produzentin Andie (Merritt Wever) den zwar auch schon 23 Jahre alten, aber noch recht weich und kindlich aussehenden Schauspieler Dan Plumb (Skyler Gisondo). Dieser hatte sich zwar eigentlich andere Rollen erhofft, schlägt das Angebot aber nicht aus und findet sich plötzlich dann in der Rolle eines 13-jährigen Jungen wieder, dessen Bild der mit der Produktionsfirma zusammenarbeitende Xavier von Erck (Matthew Maher) als Gründer der Online-Bürgerwehr Perverted Justice nutzt, um in Chats Pädophile anzulocken. Das Ganze ergibt mehrere in verschiedenen, dann mit reichlich Kameras ausgestatteten Häusern stattfindende Ersttreffen, wo Plumb die Lüstlinge empfängt, bevor Hansen übernimmt und sie öffentlich bloßstellt.

„To Catch A Predator“ ist so ein Erfolg, dass der Programmchef – obwohl er persönlich das Format nicht mag – die beste Sendezeit ab 21 Uhr hierfür bereitstellt. Mit der neuen Ausstrahlung zur Primetime steigt aber auch der Druck auf das Team, die guten Quoten zu bestätigen, und da kommt die Ankündigung von Ercks doch gerade richtig, er habe einen „Wal“ am Haken, einen Prominenten aus Politik oder Staatsämtern im konservativen Texas, der als Pädophiler enttarnt werden könnte. Leicht macht dieser es den Jägern aber nicht, und so kommt Spannung auf, während der vor den Kameras so souverän und kühl auftretende Hansen privat von Visionen verfolgt alles andere als gelassen bleibt.

"Primetime" Szenenbild (© Courtesy of A24)

(© Courtesy of A24)

Mit „Primetime“ legt Oppenheim ein gelungenes Spielfilmdebüt vor, bei dem er mit A24 als Produktionsstudio im Rücken auf prominente Besetzung zurückgreifen konnte. Robert Pattinson spielt den nach außer beherrschten, innerlich aber aufgewühlten und angeschlagenen Chris Hansen großartig, und an seiner Seite wissen auch Skyler Gisondo, Merritt Wever, Matthew Maher und Anna Faris zu überzeugen, wobei Letztere Chris‘ die Nicht-Fernseh-Seite miterlebende Ehefrau Mary Joan verkörpert.

Für alle, die damals nicht verfolgt haben, wie es mit „To Catch A Predator“ und der Jagd nach dem „Wal“ weiter ging, birgt der Film als Thriller einiges an Spannung. Gut inszeniert bietet er zudem mit grobkörnigen Bildern eine sehr reizvolle Optik, die fast nach weit mehr Rückblende aussieht als nur zu den 2000ern.

Etwas schade ist hingegen, dass „Primetime“ zwar für die Überführten ans Eingemachte geht und auch die im Sog des Erfolgsdrucks sich steigernde Ermüdung Hansens zeigt, der Film geht aber wenig auf die Tatsache ein, dass der gesellschaftliche Rummel und die Gier der Menge nach öffentlicher Zurschaustellung der Pädophilen – die einer persönlichen Vernichtung gleichkam – vielleicht auch einige Fälle erst Realität werden ließ. Dies soll nichts beschönigen oder Schuld nehmen, aber die mediale Aufbereitung des Ganzen ging dann doch zu weit, wie sich auch letztendlich bestätigen sollte. Auch die seelischen Auswirkungen auf die Lockvögel werden nicht thematisiert, die alles andere als eine leichte Rolle zu spielen hatten. Für tiefergehende Beschäftigung mit der Sendung kann man dann aber ja ergänzend noch die 2025er-TV-Doku „Predators“ schauen.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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