Home MusikKonzertberichte Lou Rhodes – Kritik des Konzerts in Köln am 18. März 2008

Lou Rhodes – Kritik des Konzerts in Köln am 18. März 2008

Autor: Tobi

Ein paar hundert Fans sind gekommen, um Lou Rhodes an diesem kühlen Abend im Kölner Stadtgarten spielen zu sehen. Die meisten werden sie als Sängerin und Songwriterin der aufgelösten TripHop-Band Lamb kennen, einige haben aber sicher auch ihr Solo-Debüt “Beloved One” aus dem Jahr 2006 oder das neue Album “Bloom” zu Hause stehen. Mit diesen hat sie sich größtenteils von elektronischen Elementen abgewandt und handgemachter Musik zwischen Gitarrenpop, Folk und vereinzelten progressiven Ansätzen verschrieben. Passend hierzu war die aktuelle Tour als Akustik-Tour angekündigt.

Die Eröffnung des Abends durch den Liedermacher Oddur passte daher auch bestens. Optisch so wirkend, als sei er gerade einer Fußgängerzone entsprungen und habe auf dem Weg schnell noch die durch Fußstampfen ausgelöste Trommel vom Rücken geworfen, überzeugte Oddur durch gute Songs, gute Stimme und viel Herzblut, welches er in seine Stücke legte. Als Lohn gab es viel Applaus und später noch einen Song zusammen mit Lou Rhodes, der er ansonsten nur die Gitarren anreichte.

Das Tour-Team wurde nämlich offensichtlich klein gehalten – außer Lou Rhodes standen keine weiteren Musiker mit auf der Bühne, sie bestritt den Abend also alleine. Dies tat sie im Sitzen, was dazu führte, dass kleinere Besucher sich durchaus gute Blicknischen suchen mussten, um viel von Lou Rhodes zu sehen. Nur mit Gitarre trat sie auf und passte auch optisch gut zu ihrem neuen, reduzierten Stil, eher nach großer Schwester einer Farmersfamilie aussehend als nach einer Trendsetterin des TripHop. Mit vier oder fünf Songs ihres neuen Albums “Bloom” eröffnete Rhodes den Abend, und es war schnell klar, dass die Stücke auch ohne Drums, Streicher und großes Bramborium gut funktionieren, von ihrer schönen, warmen Stimme voller Tremolo ausdrucksstark geprägt. Mit dieser spielt sie dann auch in vier Songs auf die Art und Weise, dass sie bestimmte Tonfolgen singt, die dann von der Maschine des Tontechnikers wieder ausgegeben werden, als Rhythmuselemente unter dem Gesang oder auch um Mehrstimmigkeit zu erzeugen. Eine gute Idee, auch richtig portioniert eingesetzt, denn zu viel hiervon hätte irgendwann auch nerven können.

Besonders auffallend war hierbei der Lamb-Titel “Gabriel”, bei dem sie nicht einmal Gitarre spielte, sondern nur gesamplete Gesangspassagen als Hintergrund nutzte. Übrigens einer von ganz wenigen Lamb-Titeln, die neben ein, zwei Coverversionen und den Songs ihrer Soloalben in den 80 Minuten des Konzerts gespielt wurden. Ein insgesamt schönes Konzert einer leider recht traurig wirkenden Künstlerin, die im letzten Jahr mit einer Trennung und dem Tod ihrer Schwester einige Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen, was sich in ihrer zumeist melancholischen Musik auch widerspiegelt. Auf Dauer wirkte die rein akustische Solo-Spielweise aber dann doch etwas gleichförmig, vor allem bei Songs wie “All We Are” oder “They Say”, die im Soundgewand des Albums doch weit facettenreicher und packender daher kommen. Trotzdem ein gelungenes Konzert.

_____________________
Links:
Website von Lou Rhodes
MySpace-Site von Lou Rhodes
Homepage des Stadtgarten Köln

Related Articles