
The Piano Tuner
Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Lior Raz
Regie: Daniel Roher
Dauer: 107 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: dcmstories.com/movie/piano-tuner
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Instagram: instagram.com/dcmfilm
Kinostart: 2. Juli 2026
Der Kanadier Daniel Roher („Blink“, „Once were Brothers“) hat sich bisher als sensibler Dokumentarfilmer einen Namen gemacht und gewann für sein spannendes Porträt „Nawalny – Gift hinterlässt immer eine Spur“ des russischen Oppositionellen 2023 sogar den Oscar® in der Kategorie Dokumentation. Seine unbestrittene Fähigkeit empathischer Annäherung an seine Hauptfiguren kommt ihm jetzt auch in seinem Spielfilmdebüt „The Piano Tuner“ spürbar zugute, in dem er dem Titel entsprechend eine selbst fein erdachte, dramatische Geschichte eines jungen Klavierstimmers erzählt.
Die Tragik der Biografie seines Protagonisten Niki (Leo Woodall) allein würde da eigentlich schon ausreichen um uns mit dessen Schicksal intensiv zu packen. Einst vielversprechendes Klaviertalent mit absolutem Gehör und fotografischem Gedächtnis, ereilte den nämlich im Teenageralter der schwere Schlag einer Geräuschüberempfindlichkeit, die seine hoffnungsvolle Karriere jäh beendete, so sehr schmerzte ihn jeder angeschlagene Ton. Inzwischen bestreitet Niki seinen Alltag wegen des ständigen Lärms unter der Glocke seiner dicken Kopfhörer, die er nur abnimmt, wenn er mit seinem Chef und Ziehvater Harry (Dustin Hoffman) die Klaviere ihrer reichen Auftraggeber stimmt.
Ein Auftakt in Rohers Film wie eine warme Dusche, wenn wir im alten Van mit dem zurückhaltenden Niki und seinem schlagfertigen Lehrmeister Harry unterwegs sind, die sich in- und auswendig kennen wie Großvater und Enkel und sich bei ihrem bestens fühlbaren gegenseitigen Respekt die eine oder andere Neckerei nicht verkneifen können. Es ist einfach ein Wohlfühl-Einstieg, bei dem Woodall und Hoffman so wunderbar harmonieren, dass wir sie einfach gernhaben müssen und am liebsten Teil ihrer familienähnlichen Verbindung wären. Und das trotz Nikis furchtbaren Handycaps, das Woodall mit latenter Furcht vor Lärm so nachvollziehbar macht und uns damit entführt in Nikis Welt voller Bedrohung durch laute Geräusche.

(© Black Bear Pictures)
Als wäre das noch nicht genug des Feelgood-Movies, steht Niki bei einem Auftrag plötzlich vor der angehenden Komponistin Ruthie (Havana Rose Liu), und schon bahnt Regisseur Roher mit der zarten Annäherung der beiden eine herzerwärmende Liebesgeschichte an, die nach ein wenig peinlicher Starthilfe durch den schelmischen Harry richtig Fahrt aufnimmt. Doch eitel Sonnenschein soll es nicht bleiben, geht es dem Krankenversicherungs-Verweigerer Harry nach einem Herzinfarkt bald gar nicht mehr gut, und muss seine Krankenhausbehandlung irgendwie bezahlt werden.
Da trifft es sich gut, dass Niki kurz vorher seine gehörbedingte Gabe zum Öffnen von Safes entdeckt hat, die jetzt bei seinem zufälligen Aufeinandertreffen mit dem kriminellen Wachschützer Uri (Lior Raz) und seinem osteuropäischen Clan durchaus hilfreich ist. Eigentlich will er bei einem nächtlichen Stimmeinsatz lediglich seine Ruhe vor den dilettantischen Bohrversuchen der Tresorknacker haben. Die Gewinnbeteiligung nach seiner feinfühligen Schranköffnung allerdings kann sich durchaus sehen lassen und macht die Verlockung für die Annahme von Folgeaufträgen angesichts Harrys horrender Krankenhausrechnungen nur allzu nachvollziehbar, auch wenn wir das Unheil schon da kommen sehen.
Und schon kippt die Stimmung in Rohers vielschichtigem Streifen merklich, steigt die Spannung fast minütlich, als sich Niki auf den skrupellosen Uri und seine Schergen einlässt und sich damit immer tiefer in eine gefährliche Abhängigkeit begibt. Ein ebenso lukratives wie riskantes Doppelleben, von dem natürlich weder seine Wahlfamilie Harry und dessen Frau noch seine neue Freundin Ruthie erfahren dürfen, die mit ihrer wichtigen Komposition gerade ohnehin genug um die Ohren hat.
Daniel Roher verbindet hier wie selbstverständlich Genres mit begrenzter Kompatibilität zu einem stimmigen Drama, das uns von der ersten Minute an gefangen nimmt. Ungemein tiefgründig und einfühlsam stürzt er uns dabei unterstützt von seinem bis in die Nebenrollen hinein wundervollen Ensemble von einem emotionalen Höhepunkt in den nächsten, bis wir vor lauter Belustigung, Herzenswärme, Thrill und Mitgefühl mit dem sensiblen Niki nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht und schließlich nach fesselnden knapp zwei Stunden in Nikis Hyperakusis-Welt beseelt wieder in den drögen Alltag ausgespuckt werden.
Trailer:
Bewertung: 10 von 10 Punkten

