
Exit 8
Darsteller: Kazunari Ninomiya, Yamato Kochi, Naru Asanuma, Kotone Hanase
Regie: Genki Kawamura
Dauer: 95 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.exit-8.de
Facebook: facebook.com/plaion.pictures
Instagram: instagram.com/plaionpictures
Kinostart: 13. August 2026
Hat uns der Jungregisseur Kane Parsons mit dem Irrgarten-Horror seiner „Backrooms“ gerade erst in seinen Bann gezogen, geht es mit der ähnlich angelegten japanischen Videospielverfilmung „Exit 8“ auch schon lustig weiter mit der irritierenden Beängstigung durch ausweglos erscheinende Situationen. Der Japaner Genki Kawamura wählt als Basis für seinen zweiten Spielfilm hier das 2023 veröffentlichte Nintendo-Game „The Exit 8“, das trotz seines minimalistischen Ansatzes erstaunliche Erfolge feierte.
Schon rein optisch setzt sich Kawamuras Streifen kaum vom Spiel ab, begibt sich nahezu komplett in weiß geflieste, sterile U-Bahn-Gänge, die in Analogie zu Parsons gelben Backrooms wenig Einladendes haben. Doch zunächst einmal gönnt uns der Regisseur zur Orientierung wenigstens eine kurze Einführung, wenn sich ein junger Mann (Kazunari Ninomiya) auf seinem stressigen Weg zur Arbeit augenblicklich mit neuen privaten Widrigkeiten konfrontiert sieht. Als wären die alltäglichen Nervereien schreiender Babys und pöbelnder Fahrgäste nicht schon genug, erfährt er durch einen Anruf seiner Ex-Freundin von ihrer Schwangerschaft und verspricht, sich umgehend um sie zu kümmern.
Allerdings ahnt er da noch genauso wenig wie wir, dass ihn die Bahn in Gänge ausgespuckt hat, die er so schnell nicht wieder verlassen können wird. Denn so eindeutig die Schilder auch auf Exit 8 hinweisen mögen, befindet er sich nach ein paar Ecken wie in Dauerschleife seltsamerweise doch wieder in derselben, einsamen Unterführung, in der ihm immer wieder der gleiche emotionslose Geschäftsmann (Yamato Kochi) entgegenkommt. Eine surreale Situation, die ihn verständlicherweise bald an seinem Verstand zweifeln und seine Aufmerksamkeit erst verzögert auf eine Hinweistafel an der Wand richten lässt. Die fordert ihn auf, auf „Anomalien“ zu achten, bei denen er umgehend umdrehen muss, um zum ersehnten Ausgang zu gelangen.

(© 2025 E8FP)
Doch wahrzunehmende Konsequenzen bleiben aus, so sehr er sich auch bemüht, und allein dieses Szenario reicht aus, ein beklemmendes Gefühl der Hilflosigkeit hervorzurufen, mit dem wir den Protagonisten in der Folge in seinem Dilemma begleiten. Und auch wenn uns Kawamura vorher keine große Gelegenheit gegeben hat, eine tiefere Beziehung zu dem plötzlich Gefangenen aufzubauen, können wir uns bestens in dessen Lage versetzen. Wir beobachten jetzt mit ihm wie besessen jedes noch so kleine Detail in den Gängen und können seine zunehmende Verzweiflung nur allzu gut nachempfinden, wenn auch deutlich erkennbare Veränderungen wie der plötzlich lächelnde Geschäftsmann nichts an der Ausweglosigkeit ändern. Wie ein vielsagendes Symbol erscheint da das wiederkehrende Werbeplakat mit M. C. Eschers „Möbiusband“, auf dem die Ameisen der scheinbaren Unendlichkeit entgegenstreben.
Wiederholt lässt uns der Regisseur hier durch die selben Gänge laufen, sehen wir gefühlt dieselben Plakate und Gegebenheiten, die der junge Mann in aufsteigender Panik einsilbig für uns kommentiert und damit geschickt auch unser Gehirn anwirft. Ist es nur eine Projektion der Gedankenspirale im Kopf des nun werdenden Vaters, und der Geschäftsmann respektive der irgendwann genauso mysteriös auftauchende Junge (Naru Asanuma) nur seine Alter Egos in anderen Lebensphasen? Attraktive Gedankenspiele, die sich irgendwann von selbst anbieten und doch über eine gewisse Ermüdung nicht hinwegtäuschen können, wenn wir unzählige Male weitgehend ereignislos durch die selbe Unterführung geschickt werden.
Das ist nachvollziehbar Teil der Psychospielchen, von denen schon das Computerspiel lebt, und die Kawamura jetzt in seinem unentwegt Unbehagen ausstrahlenden Streifen auf der großen Leinwand auf die Spitze treibt. Und vielleicht geben uns ja erst die Leerlaufphasen seines minimalistischen Films die Gelegenheit, einem deutlichen philosophischen Deutungsansatz nachzugehen, der gesellschaftskritisch unser tägliches Hamsterrad ins Visier nimmt. Das unterscheidet ihn vom temporeicheren „Backrooms“ und heißt so all diejenigen herzlich willkommen, die nach Letzterem noch eine weitere Portion reichlich verstörendes Kino vertragen können.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten

