
Sunny Dancer
Darsteller: Bella Ramsey, Daniel Quinn-Toye, Ruby Stokes, Neil Patrick Harris
Regie: George Jaques
Dauer: 106 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.capelight.de/sunny-dancer
Facebook: facebook.com/capelightpictures
Instagram: instagram.com/capelight_pictures
Kinostart: 13. August 2026
Nachdem der auch als Schauspieler aktive britische Filmemacher George Jaques 2023 mit „Black Dog“ einen ersten Langfilm vorgelegt hatte, der sich mit Coming-of-Age auseinandertgesetzt hatte, folgt mit „Sunny Dancer“ nun ein zweites Werk, das die gleiche Thematik auf bestechende Art und Weise mit tiefgehend traurigen Momenten sowie – und das ist die Kunst – jeder Menge Feel-Good und Humor verbindet. Die Premiere erlebte der Streifen bei der Berlinale 2026 in der Sektion „Generation 14plus“, war für den Gläsernen Bären nominiert, erhielt eine lobende Erwähnung, sowie zwei Auszeichnungen beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney.
Wir lernen Ivy (Bella Ramsey) schlechtgelaunt kennen, als die 17-Jährige von ihren Eltern Karen (Jessica Gunning) und Bob (James Norton) in ein Ferienlager gefahren wird. Nicht umsonst nennt sie dieses missmutig „Chemo-Camp für Freaks“, trifft sie dort doch auf andere Jugendliche, die das Gleiche durchmachen mussten – eine Krebserkrankung. Hier nun soll Ivy, die sich anscheinend sozial zurückgezogen hat, wieder lernen, Spaß zu haben – und dass sie sich von guter Laune auch anstecken lassen kann, erleben wir noch auf der Hinfahrt, wo ihre witzigen Eltern sie mit Sprüchen und einem Lied doch noch zum Auftauen bringen.
Im „Children Run Free“-Camp angekommen gibt es zusätzlich zu einigen Instruktionen von Leiter Patrick (Neil Patrick Harris) erst einmal das Gefühl, wie ein zugezogenes Kind in einer Schulklasse die Neue zu sein, treffen sich viele der anderen doch offensichtlich jährlich hier und haben so schon eingeschworene Gruppen gebildet. In eine von diesen, die eher aus AußenseiterInnen zu bestehen scheint, wird die alles andere als Unterbutterungswillen ausstrahlende und auch direkt aneckende Ivy dann durch ihre Unterbringung in einer Hütte mit Ella (Ruby Stokes) doch bald aufgenommen und lernt die sehr verschiedenen Charaktere kennen.

Sommercamp-Besties (v.l.n.r.): Ralph (Earl Cave), Archie (Conrad Khan), Ivy (Bella Ramsey), Ella (Ruby Stokes), Maisie (Jasmine Elcock) und Jake (Daniel Quinn-Toye).
(Photo by Colin J Smith / © Sunny Dancer Distribution Limited)
Die lebenslustige, gleichaltrige Ella ist schon länger in Tristan (Louis Gaunt) verschossen und sicher, dass sie den 24-jährigen und somit weit älteren Leiter der Outdoor-Aktivitäten des Camps dieses Jahr in ihr Bett bekommen wird. Mit dem rebellischen, auch mal rotzigen und schwarzhumorigen Ralph (Earl Cave), dem stillen, freundlichen Archie (Conrad Khan), der sanften, umsichtigen, auf Tarot-Karten schwörenden Maisie (Jasmine Elcock) und dem sensibleren, netten Jake (Daniel Quinn-Toye) erlebt Ivy bald so einiges. Mit unerlaubten nächtlichen Ausflügen zum nahegelegenen See oder zur Kirmes, ausgelassenen, auch mal alkoholgeschwängerten Party-Momenten und auch bösen Scherzen über den Krebs lenken sie sich vom Erlebten ab und haben viel Spaß – und eine zusätzliche Romanze mit Jake lässt Ivy die Zeit dann zusätzlich besonders werden und genießen. So vergehen die sechs Wochen viel schneller als erwartet.
Mit „Sunny Dancer“ arbeitet Regisseur George Jaques, der auch das Drehbuch schrieb und mit produzierte, auch eigene Erfahrungen auf, wurde bei seiner Mutter doch Krebs diagnostiziert, als er erst 15 Jahre alt war. So blickt er hier vor allem auf die Menschen hinter der Krankheit und zeigt, wie interessant und besonders jeder von ihnen auf seine ganz eigene Weise ist. Hierbei kommt es in der reizvollen Natur der schottischen Highlands zu vielen humorvollen, sehr natürlich wirkenden Momenten und das Coming-of-Age wird vor allem für Ivy auch ein Coming-of-Fun – wobei immer wieder mal klar wird, dass die Krankheit zwar fürs Erste besiegt scheinen mag, aber jederzeit zurückschlagen kann. Ivys gedankenloses Ansprechen des sie gerade disziplinierenden Patrick auf seine „Pädo-Wand“ ist nur eine von diversen tiefgehenden Szenen im Film, der neben all seinen Feel-Good-Momenten auch traurige birgt, die einem wahrlich das Wasser in die Augen treiben.
„Sunny Dancer“, bei dem Jaques auch Improvisationen zuließ, ist ein begeisternder, wundervoller Film, der auch mit einem rundum überzeugenden Ensemble besticht. Bella Ramsey konnte ja schon in der Serie „The Last of Us“ ihr großes Talent zeigen, und sie verkörpert die Ivy einfach grandios, wobei neben ihr auch die bereits über Schauspielerfahrung verfügenden Ruby Stokes und Earl Cave sowie die Newcomer Daniel Quinn-Toye und Jasmine Elcock stark spielen – und Neil Patrick Harris, Jessica Gunning und James Norton sind in toll ausgearbeiteten Erwachsenenrollen eine perfekte Ergänzung.
Trailer:
Bewertung: 10 von 10 Punkten

