Home Film„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ – fast sinnliche Slasher-Reminiszenz mit queerem Hintergrund

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ – fast sinnliche Slasher-Reminiszenz mit queerem Hintergrund

Autor: Mick

"Teenage Sex and Death at Camp Miasma" Filmplakat (© MUBI)

Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Dylan Baker
Regie: Jane Schoenbrun
Dauer: 112 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: mubi.com/de/campmiasma
Facebook: facebook.com/mubi
Instagram: instagram.com/mubideutschland
Kinostart: 20. August 2026


Schon im Vorspann lässt Regisseur:in Jane Schoenbrun, seit Jahren von der Szene als queere Independent-Hoffnung gefeiert, keinen Zweifel daran, worum es im Abschluss ihrer autofiktionalen Filmtrilogie gehen soll, mit der sie so schön den Einfluss multimedialer Popkultur auf die Gesellschaft reflektiert. War es in „We’re All Going to the World’s Fair“ (2021) noch ein verhängnisvolles Online-Rollenspiel, das eine enorme Faszination auf einen suchenden Teenager ausübte, setzte „I Saw the TV Glow“ drei Jahre später dieses Phänomen latenten Manipulationsvermögens via Bildschirm am Beispiel einer übernatürlichen Fernsehserie fort. Nun also „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, der in Cannes dieses Jahr die Queer Palm gewann, visuell in etwa genauso extravagant daherkommt, wie sein Titel suggeriert, und ganz nebenbei dem besonders in den 80ern (viel später im Übrigen auch bei Schoenbrun selbst) enorm angesagten Slasher-Genre huldigt.

Noch sind wir nicht in die eigentliche Handlung eingestiegen, da kriegen wir anhand allerlei eingeblendeter Merchandising-Artikel und Produkten totaler kommerzieller Ausschlachtung schon eine Idee von der einstigen Popularität des titelgebenden Horror-Franchises „Camp Miasma“. Angelehnt an reale Reihen wie „Freitag der 13.“ oder „Nightmare on Elm Street“ war auch dieser Slasher-Reihe offensichtlich im Lauf der Jahre durch komplette Übersättigung seiner Fanbase der Niedergang beschieden, den uns der Vorspann fast chronologisch vor Augen führt.

Damit jedoch möchte sich Indie-Regisseurin und Horrorfan Kris (Hannhah Einbinder) – Parallelen zu Schoenbrun sind wirklich kaum zu übersehen – nicht abfinden und arbeitet akribisch an einem Reboot der Serie, das sie allerdings erstmal dem äußerst skeptischen Produktionsteam verkaufen muss. Zunächst aber werden wir Zeuge einer Szene, die einzuordnen doch einigermaßen schwerfällt: Da spritzt das Blut nur so aus dem Hals, als der Killer sein Opfer mit einem gezielten Speerhieb seines Kopfes entledigt. Nur ein Ausschnitt aus dem Original, eine von Kris‘ Drehbuchideen oder etwa tatsächlich ein weiterer Rachemord von „Little Death“, der der Legende nach auf dem Grund des Sees haust, nachdem ihn intolerante Schüler wegen seiner queeren Persönlichkeit ertränkten?

"Teenage Sex and Death at Camp Miasma" Szenenbild (© MUBI)

(© MUBI)

Das Motiv des queeren Killers ist ja spätestens seit Hitchcocks „Psycho“ nichts Neues mehr, und doch gibt die Regisseur:in, die sich selbst als nonbinären Menschen sieht, hier ein deutliches Statement gegen Diskriminierung ab, wenn sie ihren „Little Death“ analog zu den Masken aller gängigen Kultkiller mit einem würfelförmigen Helm aus Lüftungsgittern in farbenfroh-blutiger Opulenz Genugtuung suchen lässt. Dass dabei oft die Grenzen zwischen der Geschichte und dem Film-im-Film verschwimmen, ist bewusst verwirrend, verleiht Schoenbruns Streifen so eine attraktive Metaebene, die sich im Entstehungsprozess von Kris‘ Filmprojekt nahtlos fortsetzen soll.

Denn „Little Death“ bezeichnet zumindest im französischen Sprachgebrauch vielsagend den Orgasmus, und so zieht sich auch das Thema Sex unabhängig von der Orientierung durch alle Ebenen des komplexen Plots, wenn Kris versucht, für ihren Film die charismatische Original-Darstellerin Billy (wunderbar abgeklärt: Gillian Anderson) zu gewinnen. Die war einst bei „Camp Miasma“ das in der Kinogeschichte so oft zitierte „Final Girl“ und wohnt jetzt im Drehort der Ursprungsversion, wo Kris sie jetzt voller Ehrfurcht besuchen kommt. Die aber ist überhaupt nicht angebracht, erkennen die beiden doch sofort ihre Seelenverwandtschaft und entwickeln bald eine gegenseitige erotische Anziehungskraft.

Etwas zu sehr spielt Schoenbrun hier manchmal mit dem Ineinanderfließen ihrer Filmebenen, wenn wir in der bildgewaltigen, fast surrealen Inszenierung zwischen allen Slasher-Klischees und der in den Vordergrund gerückten sinnlichen, lesbischen Liebe ein wenig die Orientierung verlieren. Trotzdem macht ihre zeitweise nahezu ironisch bluttriefende Slasher-Reminiszenz, die vielschichtig ihre Queerness wie das Blut literweise versprüht, gerade wegen ihrer unangepassten Transzendenz einen Mordsspaß.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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