
Ein Talent fürs Morden
Darsteller: Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke, Juliet Stevenson
Regie: Anton Corbijn
Dauer: 106 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: tobis.de/titel/ein-talent-fuers-morden
Facebook: facebook.com/tobisfilm
Instagram: instagram.com/tobisfilm
Kinostart: 5. November 2026
Als Fotograf und Musikvideo-Regisseur ist der Niederländer Anton Corbijn eine echte Ikone und hat mit seinen ästhetischen, stilprägenden, so besonderen Bildern schon so oft begeistert. 2007 legte er mit dem in Schwarz-Weiß gehaltenen „Control“ über die letzten Jahre des leider durch Selbstmord aus der Welt geschiedenen Joy-Division-Frontmanns Ian Curtis einen ersten, hochgelobten Langfilm vor. Mit „The American“ folgte 2010 ein solider Crime-Thriller, mit „A Most Wanted Man“ 2014 ein ordentlicher Spionage-Thriller, mit „Life“ im Jahr darauf ein Biopic über die Freundschaft des Fotografen Dennis Stock zu James Dean. Zwei gute Konzertfilme für Depeche Mode und ein auf Musik von U2 basierender Streifen entstanden zwischendurch zudem noch. Nachdem Corbijn 2023 mit der interesanten Doku „Squaring the Circle – The Story of Hipgnosis“ eine mit wundervollen Hintergrundgeschichten gespickte Hommage an die Blütezeit der Schallplattencover-Kunst vorlegte, beschert er nun nach längerer Pause mit „Ein Talent fürs Morden“ mal wieder einen Spielfilm. In diesem erzählt er eine fiktionale Geschichte um die reale US-amerikanische Krimiautorin Patricia Highsmith, die auch unter dem Pseudonym Claire Morgan schrieb, in ihren alten Tagen hier verkörpert von Helen Mirren.
Um die gefeierte Schriftstellerin, die schon Jahrzehnte in Europa lebt, zu einem neuen Buch zu bewegen, schickt ihr New Yorker Verlag den noch recht jungen und umso ambitionierteren Lektor Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) 1995 in den Schweizer Alpen, wo Highsmith als Mittsiebzigerin in einem abgelegenen Chalet haust. Auf dem Weg dorthin lernt er im Zug noch die ebenso sympathische wie attraktive Clementine Balfour (Olivia Cooke) kennen, die ebenfalls aus Amerika angereist ist, um ihre Tante zu besuchen.
Bei Highsmith angekommen weht Ridgeway erst einmal mächtig viel Ablehnung entgegen. Die mürrische, unterkühlte Seniorin hat kein Interesse, noch einen letzten Roman ihrer so erfolgreichen Reihe um den Gauner und Mörder Tom Ripley zu verfassen, will den Ankömmling am liebsten sofort wieder loswerden. Eine Chance räumt sie ihm aber dann noch ein: Wenn er der durch eine Schreibblockade gerade unkreativen, sich mit Zigaretten, Whiskey und Gemotze über ihre Mitmenschen den Tag vertreibenden alten Dame mit einer Vorliebe für Waffen helfe, eine neue Story um einen perfekten Mord zu entwerfen, dann würde sie vielleicht doch noch einmal umdenken.

Alden Ehrenreich (Edward Ridgeway), Helen Mirren (Patricia Highsmith)
(© Tobis Film)
Edward geht aus und trifft dabei tatsächlich auch wieder auf Clementine – was dann auch in seinen Ideen zur Krimigeschichte so ist. Hier sehen wir ihn dann als charismatischen, sehr viel selbstsicheren Gentleman-Gangster Tom Ripley, der einen nächsten Coup plant und hierbei in einen Interessenskonflikt zwischen Profit und Gefühlen gerät. Doch kann Ridgeway hiermit die nun langsam auftauende und für seine Story offene Highsmith überzeugen?
Helen Mirren verkörpert diese wunderbar, wobei sie tatsächlich wie die in die Jahre gekommene Autorin aussieht. Ihr Spiel als verschlagen anmutende alte Dame, der man mehrfach misstrauen muss, ist alleine schon das Anschauen des Streifens wert. In diesem verschwimmen mehr und mehr die Grenzen zwischen der erdachten Gaunerei und der Realität, mit einem nicht überraschenden, aber soliden Twist gewürzt. Neben Mirren überzeugen aber auch Alden Ehrenreich und Olivia Cooke, vor allem seine zunächst verständlicherweise unsichere, dann immer geschicktere Interaktion mit der undurchschaubaren Schriftstellerin bereitet Freude.
„Ein Talent fürs Morden“ basiert auf dem 2014 uraufgeführten Zwei-Personen-Theaterstück „Switzerland“ der Australierin Joanna Murray-Smith, die nun auch das Drehbuch zur filmischen Adaption verfasst hat. Durch die Rollen von Olivia Cooke sowie diverse Schauplätze wurde das Ganze sinnvoll geöffnet, und die in idyllischer Umgebung sich abspielende Handlung weiß vielleicht nicht komplett zu fesseln, wird aber auch nie langweilig, lässt sich gut anschauen. Die Kameraarbeit von Robbie Ryan spiegelt hierbei etwas von Corbijns Gespür für tolle Aufnahmen, so dass der Film auch in seiner Optik und Ästhetik ansprechend daher kommt. Hinterher beliest man sich erst einmal und stellt fest, dass „Ripley Under Water“ 1991 als fünfter Roman der letzte der Reihe war, und dass Patricia Highsmith 1995 verstarb.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten

