Home Film„Backrooms“ – eine einfache Idee wird zum packenden Psychothriller

„Backrooms“ – eine einfache Idee wird zum packenden Psychothriller

Autor: Mick

"Backrooms" Filmplakat (© Constantin Film)

Backrooms

Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Lukita Maxwell, Finn Bennett
Regie: Kane Parsons
Dauer: 110 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: constantin.film/kino/backrooms
Facebook: facebook.com/constantinfilm
Instagram: instagram.com/constantinfilm
Kinostart: 18. Juni 2026


Den erst 20-jährigen Kane Parsons darf man wohl guten Gewissens als Kind des Internets bezeichnen. Voll erfasst vom Hype um „Backrooms“, riesigen fiktiven Räumen jenseits der realen Welt, die schon 2019 als reine Threads fantasieanregend viral gingen, bastelte er damals eine darauf aufbauende 24-teilige Webserie. Die veröffentlichte er mit „Found Footage“-Prämisse ab 2022, dementsprechend als 16-Jähriger, auf der Plattform YouTube und erzielte damit eine erstaunliche Reichweite. Fast als logische Konsequenz des Erfolgs arbeitete er mit dem Rückenwind der Produktionsgesellschaft A24 seine genial einfache Idee anschließend zu einem Spielfilm um und präsentiert uns jetzt knappe vier Jahre später sein ebenso packendes wie bedrohliches Kinodebüt „Backrooms“.

Das siedelt er wie schon seine Serie 1990 an, als wir vom omnipräsenten Handy noch meilenweit entfernt waren und die Dokumentation von wie auch immer gearteten Vorgängen noch mit der guten, alten VHS-Kamera geschah. Naheliegend, dass Parsons für den Einstieg in seine Geschichte wackelige, verrauschte Handkamerabilder wählt, die als simulierte Videoaufzeichnung einer verzweifelten Flucht durch ausweglose Lagerräume und Gänge ihre beklemmende Wirkung keinesfalls verfehlen. Einordnen aber können wir die Ereignisse auch dann noch nicht, wenn wir kurze Zeit später den Möbelhändler Clark (Chiwetel Ejiofor) kennenlernen.

Dem geht es alles andere als gut, er hat gerade die Trennung von seiner Frau hinter sich und sitzt nun bemitleidenswert seiner Psychotherapeutin Mary (Renate Reinsve) gegenüber. Im Rollenspiel mit ihr allerdings offenbart uns der einst ambitionierte Architekt, den die Lebensumstände zum unbefriedigten Möbelverkäufer machten, schnell seine jähzornige Seite, die den Rausschmiss durch seine Frau durchaus rechtfertigt. Jetzt lebt er einsam in seinem riesigen Möbelhaus und hat außer zu seinen jungen Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und Bobby (Finn Bennett) anscheinend alle sozialen Kontakte verloren.

Und das ist eigentlich auch schon alles, was wir wissen müssen, denn der Star von Jungregisseur Parsons’ Film ist hier trotz der wirklich ansehnlichen Besetzung primär seine Idee zu den Backrooms und darüber hinaus deren fantastische Umsetzung, die unsere Fantasie angenehm anregt. Merkwürdig hohe Stromrechnungen nämlich verleiten Clark zu Nachforschungen im Untergeschoss seines Möbelcenters, und ehe er sich versieht passiert er eine durchlässige Wand. Zu seiner und unserer Überraschung steht er plötzlich in der Mitte eines hell erleuchteten Lagers jenseits aller bekannter Räumlichkeiten, das noch dazu allerhand Zu- und Ausgänge aufweist.

"Backrooms" Szenenbild (© Asterios Moutsokapas)

Durch seine ersten Erkundungen in den unheimlich-sterilen, einheitlich gelb tapezierten Katakomben rufen wir natürlich gleich die verstörenden Anfangsbilder ab, die keinen guten Ausgang vermuten lassen und noch dazu kaum Zeit lassen, nach logischen Erklärungen zu suchen. Denn die liefert Parsons gar nicht erst, lässt uns offensichtlich gewollt mit unseren Fragezeichen allein, bis wir uns einfach auf das Eintauchen in die surreale Welt unendlich verzweigter Räume einlassen, in die wir mit dem bald durch Kat und Bobby verstärkten Clark eintauchen. Die haben zur Aufzeichnung ihrer Expedition eine Videokamera dabei, und so bekommen wir immer wieder effektvoll eingestreute pseudoreale Bilder zu sehen, die als „Found Footage“-Material einen interessanten Widerspruch zu eventuellen psychologischen Deutungsansätzen bilden.

Statt plausiblen Antworten auf unsere Fragen kriegen wir hier lediglich vage Erklärungsanregungen mit auf den Weg und dringen immer tiefer in die von Clark detailliert kartografierte Welt vor, in der uns nicht nur allerlei fantasievoll ausgestattete Räume sondern bald auch seltsam missgestaltete, mörderische Wesen erwarten. Die scheinen wie die Räume selbst Clarks Gedanken entsprungen, rufen so auch Therapeutin Mary auf den Plan und machen beängstigend Jagd auf die bald zersplitterte Erkundungstruppe.

Der blutjunge Regisseur beweist, dass es gar keines großen Budgets bedarf, um einen guten Film zu machen. Die simple Idee der beunruhigenden Lagerräume, die er mit ebenso einfachem wie bedrückendem Szenenbild verschachtelt, reicht schon aus, um hier einen gehörigen Thrill zu erzeugen. Dass Parsons den mit seinen bizarren Jagden noch erhöht und uns obendrein neben dem vordergründigen, unter die Haut gehenden Setting genug Interpretationsspielraum für das äußerst mysteriöse Geschehen lässt, macht seinen Debüt-Horrorthriller zu einem begeisternden, tiefgründigen Erlebnis, das eine große Regiekarriere verspricht.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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