Home Film„Emil und die Detektive“ – gelungene Neuadaption des Kästner-Klassikers

„Emil und die Detektive“ – gelungene Neuadaption des Kästner-Klassikers

Autor: Mick

"Emil und die Detektive" Filmplakat (© Warner Bros. Entertainment GmbH)

Emil und die Detektive

Darsteller: Nicholas Jonah Peter, Merlin Sandmeyer, Luise Heyer, Ursula Werner
Regie: David Dietl
Dauer: 100 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/emil-und-die-detektive
Facebook: facebook.com/WarnerBrosDE
Instagram: instagram.com/warnerbrosde
Kinostart: 24. September 2026


Es ist tatsächlich schon wieder ein Vierteljahrhundert her, dass mit Franziska Buchs „Emil und die Detektive“ die letzte Neuverfilmung von Erich Kästners Kinderbuch-Klassiker mit dem wunderbaren Jürgen Vogel als Fiesling Grundeis in die Kinos kam. Allerhöchste Zeit, dem Stoff mal wieder einen neuen Anstrich zu spendieren, dachte sich wohl auch Regisseur David Dietl („Berlin Bouncer“, „Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“) und präsentiert uns jetzt seine gleichnamige Version des zeitlosen Abenteuers.

Zusammen mit seiner Drehbuchautorin Antonia Scheurlen gelingt ihm hier vom Start weg stimmig der Sprung in eine neue multimediale Ära, der schon so mancher Neuadaption älterer Stoffe zum Verhängnis wurde und gerade beim Kästner-Klassiker durchaus Anlass zur Skepsis gab. Doch kein Grund zur Sorge, zum Einstieg baut Dietl der Überfrachtungsgefahr schon mal geschickt vor, sind wir da doch zur Gewöhnung noch vergleichsweise analog unterwegs, wenn dem 12-jährigen Emil (Nicholas Jonah Peter) von seiner alleinerziehenden Mutter Anna (Luise Heyer) lediglich der Gebrauch eines rudimentären Althandys gestattet wird. Recht hat sie angesichts der allgemein inflationären Smartphonenutzung, bei seinen Mitschülern allerdings macht das Emil zum Außenseiter, der sich erstmal mit einer Mutprobe beweisen muss.

Und die liefert hier auch prompt den Katalysator für die Geschichte, die in der Folge bekanntlich zu einem wahren Kinderkrimi werden soll. Denn eigentlich hatte Emil gar keine Lust, die Sommerferien mit seiner Mutter bei der kranken Oma Renate (Ursula Werner) in Berlin zu verbringen. Nach der strafrechtlich relevanten Mutprobe jedoch muss er jetzt schleunigst verschwinden, und zu allem Übel kann ihn Mama wegen einer dringenden Angelegenheit nicht begleiten. Also stattet sie ihn kurzerhand mit dem nötigen Bargeld für die Hilfe von Oma aus und setzt ihn mit den besten Wünschen in den Zug in die Hauptstadt.

Da allerdings kommt er ohne sein Geld an, um das ihn der durchtriebene Betrüger Grundeis (herrlich verschlagen: Merlin Sandmeyer) noch im Abteil erleichtert hat. Gut, dass Emil das rechtzeitig bemerkt hat und jetzt mit seiner von Oma beauftragten, gleichaltrigen Abholerin Pony (Toni Lara) am Bahnhof die Verfolgung des dreisten Diebes aufnimmt. Die kennt sich in der Großstadt natürlich bestens aus und verfügt obendrein sehr wohl über ein Smartphone, das ihnen jetzt, wo sie ja dank Emil die Polizei nicht einschalten können, von großem Nutzen ist. Analog zur Vorlage bleiben die beiden auch hier nicht lange allein, und so machen sie mit den Bekannten von Ponys Kumpel Gustav bald als genauso buntes wie schlagkräftiges Teenie-Sextett Jagd auf den schmierigen Trickbetrüger Grundeis.

"Emil und die Detektive" Szenenbild (© 2026 UFA Fiction GmbH / UFA Mitte GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH)

Emil und die Detektive werden gespielt von Kilian Kasa, Camille Moltzen, Bela Louis Plass, Nicholas Jonah Peter, Lara Toni Lüdders und Ai Vy Bui
(© 2026 UFA Fiction GmbH / UFA Mitte GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH)

Das ist wirklich temporeich inszeniert und nimmt unterstützt vom hippen Soundtrack trotz Bedienung einiger wohl unerlässlicher Klischees und Übertreibungen, an denen sich freilich viele Kids erfreuen werden, überraschend gut den Vibe des modernen Berlin auf. In dieser Hauptstadtatmosphäre erreicht die rasante Verfolgungsjagd der sechs quer durch Berlin mit allerlei Wiederekennungseffekt schnell Dimensionen, die weit über den Diebstahl von Emils Geld hinausgehen. Denn wie sie herausfinden, plant der umtriebige Grundeis einen großangelegten Investorenbetrug, den er mit einer Promotionsveranstaltung anschieben will, und den unsere Hobbydetektive nun um jeden Preis verhindern wollen.

Fein erdacht ist dieses Szenario, das für das junge Publikum recht einfach gestrickt ist, der Geschichte im Vergleich zum Original aber eine weitere Ebene hinzufügt und das Abenteuer auch für die reizüberflutete Handygeneration attraktiv macht. Da dürfen selbstverständlich auch diverse Smartphoneanwendungen nicht fehlen – mit dem von seinen Hobbykriminalisten benutzten Kennwort „Parole Emil“ verneigt sich der Regisseur hier tief vor der Vorlage -, ohne die eine glaubwürdige Verbrecherjagd der Kids in der heutigen Zeit sicherlich undenkbar wäre.

So aber bieten die wunderbar gecasteten Detektive mit ihrer natürlichen Präsenz vor der Kamera eine Menge Identifikationspotenzial, dem Merlin Sandmeyer als Fiesling sein ausdrucksstarkes Spiel entgegensetzt. Damit stellt sich alle anfängliche Skepsis als unbegründet heraus, denn Dietls Neuadaption weiß in modernem Gewand bestens zu unterhalten und verdient sich auf jeden Fall das Prädikat „cool“.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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