Home Fun & EventsDas Musical „Die weiße Rose“ erinnert begeisternd an den Widerstand – Bericht zur NRW-Premiere am 17. Juni 2026

Das Musical „Die weiße Rose“ erinnert begeisternd an den Widerstand – Bericht zur NRW-Premiere am 17. Juni 2026

Autor: Tobi

"Die weiße Rose" Logo (© Festspielhaus Neuschwanstein gGmbH)

Geschichte des Musicals

Details zum Musical

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"Die weiße Rose" Musical 2026 (© Jonas Melcher)

(© Jonas Melcher)

Kritik zur NRW-Premiere am 17. Juni 2026

Im Gegensatz zu den Schulvorstellungen der nächsten Tage am Vormittag war die NRW-Premiere von „Die weiße Rose“ am 17. Juni im Düsseldorfer Capitol Theater zwar gut besucht, aber nicht ausverkauft – was sehr schade ist, wusste das Musical doch zu begeistern.

Den großen Bühnenbau gab es im Rahmen dieser Tourproduktion nicht zu erwarten, den braucht es aber auch gar nicht, holt das Team doch aus einem eher minimalistischem Set-Up auf geschickte Art und Weise sehr viel heraus. Die Bühne besteht aus einem vorderen Bereich und einer erhobenen Empore, die über zwei rollbare Treppen erreicht wird. Unter dieser Erhöhung spielt die Band, was man hin und wieder sieht, wenn der Stoff davor viel optische Transparenz erlaubt, der ansonsten als Hintergrund genutzt wird und für Projektionen, genauso wie eine Fläche hinter bzw. über der Empore.

Die projizierten Bilder sind sehr gut gemacht. Wenige Male werden Archivaufnahmen der NS-Zeit (dann auch mit markerschütterndem Ton) eingespielt, öfter die Daten des Gezeigten oder sehr schön gemachte Zeichnungen von Jens Hahn, die sich nach und nach bilden und die das Umfeld des Gespielten widerspiegeln. Am Ende sieht man hier auch die herabfallenden Flugblätter. Mit einigen feinen Lichtszenarien ergibt dies einen sehr gut funktionierenden Rahmen, während auf dem Hauptbereich der Bühne vor allem zwölf hohle, an zwei Seiten offene Würfel zur Kulissenbildung dienen, dynamisch von den AkteurInnen hin und her bewegt – eine tolle Idee!

"Die weiße Rose" Musical 2026 (© Jonas Melcher)

(© Jonas Melcher)

Das Ensemble wusste am Abend der NRW-Premiere komplett zu überzeugen. Friederike Zeidler spielte und sang die Sophie Scholl ebenso herausragend wie Jonathan Guth ihren Bruder Hans, Adam Demetz wusste als kerniger Alexander Schmorell ebenso zu gefallen wie Julius Störmer, Albert Gaßmann, Martin Planz, Louis Dietrich,Tamara Köhn, Juliette Lapouthe, Claudia Dilay Hauf und Daniel Berger, der einen in seiner Rolle als fieser Gestapo-Beamter erschaudern ließ.

Authentisch und ausdrucksstark transportierte dieses nur elf AkteurInnen umfassende Ensemble die Handlung, wusste hierbei nachdenklich zu machen, zu berühren und mitzureißen – und dass hierbei einige neben ihrem Hauptcharakter auch in andere Rollen entschlüpften, funktionierte ebenfalls gut und man nahm ihnen auch diese dann stets voll ab.

"Die weiße Rose" Musical 2026 (© Jonas Melcher)

(© Jonas Melcher)

Das Musical schafft es, wichtige deutsche Geschichte und die Botschaft, dass Widerstand gegen aufkommende oder sogar bereits herrschende Gewalt und Unterdrückung notwendig ist und selbst beim finalen Scheitern ein Zeichen setzen kann, bewegend, ergreifend und gleichzeitig unterhaltend zu vermitteln.

Im ersten Akt vor der Pause lernen wir Familie Scholl kennen, als Sophie und Hans zum Entsetzen des Vaters noch von Hitler und seinem Weg überzeugt sind – bis hin zu den Momenten, wo sie mit ihren Freunden und MitstudentInnen nicht mehr nur Parolen der Auflehnung an Wände pinseln, sondern die Idee mit den aufklärenden, hoffentlich aufrüttelnden Flugblättern verfolgen. Der zweite Akt bietet uns dann Einblicke in das weitere Vorgehen, die Ideenfindung und Produktion sowie die überregionale Verteilung ihrer Botschaften – bis hin zu ihrem Prozess, der schließlich 1943 zur Hinrichtung führte. Auch private Erlebnisse wie die Liebe spielen in beiden Akten eine Rolle, ebenfalls stark vom Geschehen im Umfeld und dann dem Krieg geprägt.

"Die weiße Rose" Musical 2026 (© Jonas Melcher)

(© Jonas Melcher)

Die 160 Minuten (inkl. Pause) bieten gutes Schauspiel und guten Gesang, für den eine stark spielende, siebenköpfige Band abwechslungsreiche Musik liefert, die dank Violine und Cello ihre klassischen Momente hat, oft aber auch gut abrockt. Hier hat Alex Melcher, der selbst seit 1993 in zahlreichen Musicals zu erleben war und Sänger einer Band ist, wirklich tolle Songs geschrieben. Zusammen mit seiner privaten wie auch kreativen Partnerin Vera Bolten, die als ebenfalls langjährige Musicaldarstellerin hier ein tolles Regiedebüt vorlegt, hat er ein in jeder Facette überzeugendes Musical erarbeitet, voller guter Ideen steckend, hervorragend umgesetzt – inklusive einiger sehr feiner Choreografien.

Dem Stück merkt man das Herzblut an, welches in die Produktion geflossen ist, und allen Beteiligten sah man dann bei den vollstens verdienten, minutenlangen Standing Ovations am Ende der Vorführung auch an, wie das historisch schwere Thema sie ergriffen hat, die Trauer über das eben noch mit Inbrunst Gespielte die Freude über eine hervorragende Vorstellung kaum durchdringen ließ. Ein großartiges, begeisterndes Musical, dessen Besuch man jedem nur empfehlen kann und das es einfach verständlich und mit packender Musik auch schaffen kann, Jugendlichen diesen Teil der Geschichte nahe zu bringen und unaufdringlich eine Botschaft mitzugeben.

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