Home Film„Mother Mary“ – eine anstrengende Tortur, nicht nur für den gezeigten Pop-Star

„Mother Mary“ – eine anstrengende Tortur, nicht nur für den gezeigten Pop-Star

Autor: Tobi

"Mother Mary" Filmplakat (© LEONINE Studios)

Mother Mary

Darsteller: Anne Hathaway, Michaela Coel, Hunter Schafer, Sian Clifford
Regie: David Lowery
Dauer: 112 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Facebook: facebook.com/LEONINEStudios
Instagram: instagram.com/leoninestudios
Kinostart: 21. Mai 2026


Nachdem der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor David Lowery mit Streifen wie dem RomCom-Krimi „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ (2013) und „Elliot, der Drache“ (2016) als Live-Action-Remake des Disney-Klassikers „Elliot, das Schmunzelmonster“ einen eher gewöhnlichen und zugleich sehr ordentlichen Einstieg in die große Kinowelt hingelegt hatte, wurde es mit der enorme Längen aufweisenden „A Ghost Story“ 2017 bereits besonderer und auch holprig. Der durchaus charmanten, namhaft besetzten Krimikomödie „Ein Gauner & Gentleman“ (2018) wurde dann kein flächendeckender Leinwandstart vergönnt, und das teilweise meditative Fantasy-Abenteuer „The Green Knight“ kam bei Kritikern besser an als beim Publikum. In puncto „massentauglich und speziell im Wechsel“ bleibt er sich treu, wenn dem zuletzt nur auf Disney+ gestarteten „Peter Pan & Wendy“ nun mit „Mother Mary“ wieder ein ungewöhnlicher Streifen folgt.

In der Titelrolle sehen wir Anne Hathaway, die unter dem Künstlernamen Mother Mary ein Megastar der Popmusik ist bzw. eher war, mit guter Stimme, viel Ausstrahlung und glanzvollem, kirchlich angelehntem Erscheinungsbild. Abseits der Bühne allerdings schien es ihr schon zu Glanzzeiten, wie Rückblenden zeigen, nicht gut zu gehen, und nach einem Bühnenunfall, der als Suizidversuch gedeutet wurde, folgte eine Auszeit, der Abstand vom Starrummel.

Als nun das Bühnen-Comeback ansteht, ist ihre Nervosität und Anspannung groß, und auf der Suche nach Perfektion und Identifikation wendet sie sich an ihre einstige enge Freundin und Weggefährtin Sam (Michaela Coel), die als Modedesignerin ihren ikonischen Stil zu Beginn der Karriere mitprägte und inzwischen absolut angesagt und dementsprechend ausgebucht ist. Da die Sängerin sie dann aber nicht mehr wertschätzend behandelt hatte, war der Kontakt vor fast einer Dekade abgebrochen – und doch lässt sich die gut beschäftigte Sam nach ein paar deutlichen Worten der Ablehnung darauf ein, Mother Mary das Outfit für ihre Rückkehr ins Rampenlicht zu schneidern, wobei sie es strikt ablehnt, sich die kommende, von der Künstlerin als ihren besten Song angepriesene Single anzuhören. Dies alles passiert allerdings nicht über Nacht, und in der kreativen und handwerklichen Entstehungsphase, in der Mary bei Sam einzieht, kommt einiges aus der Vergangenheit ans Licht.

"Mother Mary" Szenenbild (© LEONINE Studios / Eric Zachanowich)

v.l.: Michaela Coel und Anne Hathaway
(© LEONINE Studios / Eric Zachanowich)

In „Mother Mary“ begeben sich diese – ihren realen Namen erfahren wir nicht – und Sam auf eine Freundschafts-Zerreißprobe und seelische Reise bis zur Schmerzgrenze – was sich überträgt, ist diese Zeit doch nicht nur für die Frauen außerordentlich anstrengend, auch das Anschauen von David Lowerys neuem Film ist aufreibend. Dabei geht es zunächst noch recht griffig los mit den Rückblicken und Mary als geliebtem Popstar dank ordentlicher Songs, für die Jack Antonoff, Charli XCX und FKA Twigs mit im Boot waren.

Dann aber erleben wir Mary im Jetzt und trotz anstehendem Comeback immernoch in der Krise. Mit der Ankunft bei Sam wird der Streifen vom Pop-Drama zum Psycho-Szenario, was zunächst noch irgendwie interessant ist, dann aber über ausgiebige, ermüdende Dialoge und Monologe in einem Maße in einen surrealen Albtraum abdriftet, das es keine Freude mehr bereitet – und das dann herbeigesehnte Ende kommt halt erst nach 112 Minuten.

Schade, denn Anne Hathaway und Michaela Coel spielen wirklich gut, ebenso wie Hunter Schafer als Sams rechte Hand Hilda, die wenig begeistert davon ist, dass ihre sonst so zielstrebige Chefin Mary alle Pläne durchkreuzen lässt. Am Ende ist „Mother Mary“ am ehesten ein Streifen über verschlingende Selbstinszenierung, Zerbrechen am Erwartungsdruck und eine tief beschädigte, aber irgendwie immer noch nicht erloschene Freundschaft, garniert mit einigen klanglich wie optisch interessant arrangierten Popsongs. Ob es hier dann das Übernatürliche gebraucht hätte, darüber werden die Meinungen auseinander gehen. Für einige serviert Regisseur und Drehbuchschreiber Lowery hier vielleicht große Kunst, andere aber erreicht er sicher gar nicht, und dann wird der Streifen eher zur Tortur.

Trailer:

Bewertung: 3 von 10 Punkten

 

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