Home Film„Adams Acht“ – typischer Sportfilm über die Geschichte des legendären Deutschland-Achters

„Adams Acht“ – typischer Sportfilm über die Geschichte des legendären Deutschland-Achters

Autor: Mick

"Adams Acht" Filmplakat (© Majestic Filmverleih)

Adams Acht

Darsteller: Oliver Masucci, Felix Kammerer, Svenja Jung, Heino Ferch
Regie: Hannu Salonen
Dauer: 124 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.majestic.de/adamsacht
Facebook: facebook.com/majestic.filmverleih
Instagram: instagram.com/majestic.film
Kinostart: 17. September 2026


Immer wieder schreiben Mannschaften Sportgeschichte, wenn sie als absolute Underdogs unerwartete Erfolge erringen und damit zu absoluten Legenden werden. Der Ruder-Achter aus dem provinziellen Ratzeburg in Schleswig-Holstein zählt mit Sicherheit dazu, der bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 sensationell die Goldmedaille gewann und als „Deutschland-Achter“ in die Geschichte einging. Mit seinem Sportdrama „Adams Acht“ nimmt sich TV-Regisseur Hannu Salonen („Ich bin Dagobert“) hier das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbands unter Trainer Karl Adam vor und schildert uns anschaulich dessen Werdegang im sozialen Kontext Nachkriegsdeutschlands.

Genau genommen startet er zunächst einmal mit dem Werdegang Karl Adams fast poträtartig, der erst später als für den Erfolgslauf des Bootes verantwortliche, prägende Trainerikone für Furore sorgen soll. Adam nämlich treffen wir erstmals noch in Nazi-Deutschland als Sportlehrer an einer der umstrittenen Napola-Eliteschulen, wo Salonen zwar wunderbar dessen empathischen Zugang zu den schwierigen Jugendlichen beim Boxsport herausarbeitet, parallel dazu jedoch dessen Systemtreue eher stiefmütterlich behandelt. Die allerdings bewahrt auch den Trainer nicht vor einem Fronteinsatz, der ihn dann leider für das Boxen untauglich zurückkehren lässt.

Eine frühe Weichenstellung für den Pädagogen, der sich deswegen nach dem Krieg neben seinem Schuldienst stattdessen ohne jegliches Vorwissen dem Rudersport verschreibt. Schwierige, ohne Vater aufwachsende Jugendliche schließlich gibt es weiß Gott auch im Nachkriegsdeutschland genug. Und schon sind wir mittendrin im Aufbauprozess einer eingeschworenen, von den Traditionalisten in Kiel eher mitleidig belächelten Ruderformation am an die DDR grenzenden Ratzeburger See. Doch das Lachen soll den Verbandssnobs, allen voran dem Unsympathen Erich Buddenhauser (Heino Ferch), schnell vergehen, als das verachtete „Lumpenpack“ aus Ratzeburg 1959 tatsächlich Deutscher Meister wird.

"Adams Acht" Szenenbild (© Majestic Filmverleih)

Nach seinem Prinzip des „mündigen Sportlers“ diskutiert Trainer Karl Adam Neuerungen in den Trainingsplänen mit seiner Mannschaft.
(im Vordergrund Oliver Masucci; im Hintergrund links Leonard Kunz und rechts Nick Romeo Reimann)
(© Majestic Filmverleih)

Spätestens da ist der Übergang vom reinen Adam-Biopic zur emotionalen Cinderella-Story des Deutschland-Achters vollzogen, die uns bisweilen wirklich berührt, wenn die liebgewonnenen Außenseiter im Wettkampf allen Widrigkeiten zum Trotz wiederholt die Oberhand behalten. Dass das Drehbuch die reale Geschichte mit zusätzlichen Figuren fiktionalisiert und auch die plakativen internen Streitigkeiten der reichlich stereotyp angelegten Ruderer in turbulenten Kalter-Krieg-Zeiten unnötig politisch auflädt, wirkt da teilweise etwas aufgesetzt. Auch das aber holt uns im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Boot, wenn es Adam gelingt die so unterschiedlichen Charaktere geduldig zu einer funktionierenden Einheit zu formen, Historientreue hin oder her.

Bestens gibt Oliver Masucci den im Zentrum stehenden, durch den Krieg gebrochenen Adam hier unverzagt als Vaterfigur mit strikten Prinzipien für die jungen Suchenden, die ihnen mit aller Strenge aber auch stets zugänglich Halt im Leben gibt. Den bekommen sie unmittelbar durch das Gemeinschaftsgefühl der Arbeit am Ruderprojekt, das den sonst oftmals benachteiligten Sportlern unter Adams Führung bald ungeahnte Erfolge beschert und sie obendrein zu dicken Freunden macht. Dabei erweist sich der nicht nur mit seiner fortschrittlichen Trainingsmethodik sondern vor allem mit seiner als Physiklehrer fundierten Expertise bei der Materialoptimierung als akribischer Tüftler, ohne den es die Medaillen des Deutschland-Achters sicher nicht gegeben hätte.

Manchmal trägt das bei Salonen fast Züge eines reißerischen Heist-Movies, das mit der stetigen, kinetischen Verbesserung von Mensch und Boot – dem Team stand zum Dreh tatsächlich der originale Deutschland-Achter zur Verfügung – im Training auf den großen Coup bei den Olympischen Spielen zusteuert. Doch gerade das bringt das Sportdrama, das zwischendurch ein wenig in den Wirren der Beziehungsprobleme inklusive Ost-West-Politisierung zu versanden droht, auf das richtige Tempo und kulminiert immer wieder in ungeheuer realistischen, mitreißenden Regatta-Sequenzen, die Kameramann Felix Cramer für uns mit teilweise revolutionären Einstellungen in Szene setzt.

Genau wie Wortmanns ähnlich angelegter „Das Wunder von Bern“ schildert uns Salonens Film damit anschaulich ein Stück legendärer Sportgeschichte und verhandelt im politischen Umfeld Wirtschaftswunder-Deutschlands nebenbei so große Themen wie Freundschaft, Vertrauen und Loyalität. Dinge, die den Deutschland-Achter aus Ratzeburg neben der bahnbrechenden Technik über Jahre so stark gemacht haben und uns zum Schluss ergriffen auf die Verdienste von Adams Truppe schauen lassen.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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