
Everytime
Darsteller: Birgit Minichmayr, Tristán López, Lotte Shirin Keiling, Carla Hüttermann
Regie: Sandra Wollner
Dauer: 123 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.eksystent.com/everytime.html
Facebook: facebook.com/EksystentDistribution
Instagram: instagram.com/eksystent_filmverleih
Kinostart: 6. August 2026
Mit „Everytime“ legt die österreichische, in Berlin lebende Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Wollner ihren dritten Langfilm nach ihrem u.a. mit dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichneten Debüt „Das unmögliche Bild“ (2016) und dem u.a. mit dem Spezialpreis der Jury in der Berlinale-Sektion „Encounters“ sowie dem Österreichischen Filmpreis prämierten „The Trouble With Being Born“ (2020) vor. Und auch bei dessen Kinostart hat sie bereits einen Preis im Gepäck, und nicht irgendeinen, gewann sie bei den Filmfestspielen in Cannes doch den Hauptpreis der Sektion „Un Certain Regard“.
Zu Beginn herrscht noch Lebensfreude, als die Teenagerin Jessie (Carla Hüttermann) mit ihrem Freund Lux (Tristán López) in Berlin auf den Straßen und im Club abtanzend eine Nacht durchfeiert, die auf dem Dach eines Hochhauses endet, wo er ihr den Sonnenaufgang präsentieren wollte. Dieser ist dann auch sehr schön und wird von ihr fotografiert – leider aber haben die eingeworfenen Pillen nicht nur einen beruhigenden Effekt, und so sehen wir Jessie in die Tiefe fallen, was sie natürlich nicht überlebt.
In immenser Trauer nicht einzuordnen weiß das Ganze ihre Mutter Ella (Birgit Minichmayr), die mit ihrer jüngeren Tochter Melli (Lotte Shirin Keiling) zurück bleibt. Letztere hat nun ihr eigenes Zimmer und keinen Streit mehr mit der großen Schwester, ist aber natürlich auch betrübt, nimmt die neue Situation aber als Kind leichter an, während für Ella die gemeinsamen Friedhofsbesuche nie nur Routine sind. Dann steht etwa ein Jahr später plötzlich Lux vor ihnen, dem viele natürlich eine Mitschuld an Jessies Tod gegeben haben, auch wenn sie freiwillig und ohne jede Vorankündigung ging.
Ella und Lux kommen ins Gespräch, begeben sich auf Spurensuche, und schließlich kommt er auf den einst noch mit Jessie geplanten Urlaub nach Teneriffa mit. Wie damals in Berlin leuchtet hier auf den Kanaren die Sonne hell oder auch wunderschön rot – und doch fühlt sich dies nun anders an, falsch sogar. Zusammen besuchen sie Orte, die Erinnerungen an Urlaube mit Jessie wieder aufleben lassen, und manchmal verschieben sich hierbei die Grenzen zwischen Realität und Wunschdenken, was schöne Momente ebenso wie neue Gefahren mit sich bringt.

(© The Barricades, Panama Film, Gregory Oke)
Zoff mit der kleinen Schwester, etwas Anspannung, aber insgesamt beginnt „Everytime“ eher lebensfroh, bis einem dann der Atem einfriert, als Jessie ganz in Stille und dem Wissen des eigentlich so schönen Moments des Sonnenaufgangs vor den Fenstern des Hochauses vorbei sekundenlang die Tiefe fällt. Nicht nur hier liefert der britische Kameramann Gregory Oke („Aftersun„) einen ganz besonderen Blickwinkel, auch sonst wissen seine Bilder zu bestechen – bis hin zu einer irgendwann das Verschwimmen von Realität und Einbildung symbolisierenden quadratischen Sonne, die über Teneriffa strahlt.
Sandra Wollner, die Regie führte und das Drehbuch schrieb, nimmt uns mit ganz nah heran an Ella und ihre verständlicherweise schwierige Trauerbewältigung, wobei es lange unklar ist, ob diese überhaupt zumindest ansatzweise gelingt. Das nach längerer Zeit zufällige Aufeinandertreffen mit Lux und die dann doch ungewöhnliche Idee, dass er anstelle von Jessie mit auf die Kanaren fliegt, sorgt für eine Bindung zwischen den beiden. Sie tauschen sich über Erinnerungen aus, lassen aber auch einfach mal Ruhe zu, die wie eine Würdigung wirkt, wie ein Innehalten, wo ein Vergessen niemals möglich sein kann und soll.
Auf Teneriffa kommt es dann aber auch zu besonderen Situationen, in denen durch zu wenig Fokus auf sie nun auch Melli bedroht scheint oder in denen plötzlich ein kleines Mädchen von Ella (wieder einmal stark: Birgit Minichmayr) als Ersatz für die verlorene Jessie in Betracht gezogen wird. Was ist real, was nicht? Wollner nimmt uns mit auf eine atmosphärische Reise, die bewegt und zum Nachdenken bringt.
Trailer:
Bewertung: 8 von 10 Punkten

