
Luisa
Darsteller: Celina Scharff, Katharina Bromka, Dennis Seidel, Tim Porath
Regie: Julia Roesler
Dauer: 90 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.luisa-film.de
Facebook: facebook.com/real.fiction.filmverleih
Instagram: instagram.com/luisa.spielfilm
Kinostart: 23. April 2026
Mit „Luisa“ legt Regisseurin und Drehbuchautorin Julia Roesler einen Debütfilm vor, der mit einer professionellen Besetzung aus zehn Schauspieler*innen mit und zehn Schauspieler*innen ohne Behinderung realisiert wurde. Nachdem dieser auf dem Shanghai Int. Filmfestival 2025 im internationalen Wettbewerb seine Weltpremiere feierte, war er bereits bei Festivals wie in Chicago oder dem indischen Pune zu sehen, wo er als „Best Feature Film“ ausgezeichnet wurde. Weitere Preise folgten national bei der Deutschlandpremiere im Rahmen der 59. Hofer Filmtage 2025, beim 39. Braunschweig International Film Festival (BIFF) und dem Filmfest Bremen.
Im Mittelpunkt steht die namensgebende 22-jährige Luisa (Celina Scharff), die mit größtenteils guter Laune auffällt und gerne lacht, womit sie positive Energie die die Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen bringt, in der sie am Rande einer deutschen Kleinstadt lebt. Nicht nur die Herzen des Pflegepersonals hellt sie so auf, sondern auch die ihrer MitbewohnerInnen, und vor allem ihres zu diesen gehörenden Freunds Anton (Dennis Seidel), der so gerne eine Familie mit ihr gründen würde, leider aber nicht zeugungsfähig ist.
Ihre offene und neugierige Art sowie ihre allgemeine Beliebtheit bringen Luisa aber auch in Situationen, bei denen sie ohne es zu merken ausgenutzt wird, ob eine kleine Spritztour mit dem Fahrer des Behindertenbusses Holger (Tim Porath) nun dieser Bezeichnung in unschönem Maße gerecht wird oder sich Betreuer Daniel (Martin Schnippa) auch mal zu ihr ins Bett legt, wenn sie nicht einschlafen kann. Dann plötzlich verschwindet Luisas gute Laune mehr und mehr. Als sie sich übergibt und untersucht wird, da stellt sich heraus, dass sie schwanger ist. Von wem aber, wenn es Anton nicht sein kann, zu dem das Verhältnis hierdurch natürlich belastet wird? Die Polizei wird eingeschaltet und die PflegerInnen um den Einrichtungsleiter (Peter Lohmeyer) sind besorgt, um den Ruf des Wohnheims, aber auch auf Grund von Verdächtigungen gegen die MitarbeiterInnen, die plötzlich im Raum schweben.

(© Real Fiction Filmverleih)
Die Handlung von „Luisa“, dessen Drehbuch Julia Roesler mit Silke Merzhäuser schrieb, ist durchaus interessant und immer aktuell – das skandalöse Ausnutzen von sich in Betreuung befindlichen Menschen, hier dann durch die Behinderungen oft auch leichter manipulierbar, gutgläubiger und naiver. So nehmen wir die warmherzige, zunächst so gutgelaunte Luisa wahr, die sich ganz unbewusst in verwerfliche Situationen begibt.
Mit ihr lernen wir neben Anton aber auch andere MitbewohnerInnen mit Behinderungen kennen, wie die stille Gisela (Melanie Lux), den gefasst wirkenden Tobias (Matthias Zalachowski), den hibbeligen Otto (Michael Schumacher) oder die auf ihre unzuverlässigen und auch nicht sonderlich an ihr interessiert erscheinenden Eltern mehrfach saure Tanja (Katharina Bromka). Sie alle werden von Mitgliedern des inklusiven Theater-Kollektivs „Meine Damen und Herren“ aus Hamburg gespielt, die ihre Sache sehr gut machen.
Der Film setzt immer wieder auf Close-Ups ihrer Gesichter und Momentaufnahmen, um ihren Alltag widerzuspiegeln, ob beim Essen, Zeitvertreib im Aufenthaltsraum, musikalischen Versuchen am Klavier, bei ihren Jobs oder Unternehmungen. Etwas zu viele der Bilder setzen hier auf Atmosphäre, wirken teilweise wie Lückenfüller und scheinen sich zu wiederholen. Nebenbei lernen wir auch Busfahrer Holger kennen, dessen mit Berührungen und kleinen Geschenken einhergehende Nähe zu Luisa die durch das Fenster beobachtende Betreuerin Marta (Gina Calinoiu) bereits hinterfragt, wobei sie vom Leiter und ihren KollegInnen Daniel und Lea (Trixi Strobel) aber eingebremst wird. Für den neu gestarteten Fabian (Hadi Khanjanpour) eine weitere nicht leicht einzuschätzende Situation – wie verhält man sich hier als Pfleger zu 100% korrekt?
Der Film bekommt dann sogar leichte Krimi-Züge, wenn man miträtselt, wer denn Luisa nun geschwängert haben könnte, denn vielleicht gibt es ja sogar noch mehr Möglichkeiten. Die junge Frau tut einem hierbei sehr leid, die nun auch so einige Fragezeichen bei ihren Eltern (Eva Löbau und Bernd Hölscher) erzeugt. Hinten heraus wirkt der wie erwähnt manchmal mit atmosphärischen Bildern etwas ausgepolstert erscheinende, aber auch mit guter Musik von Insa Rudolph inkl. einiger feiner Songs aufwartende Streifen dann etwas abrupt, beantwortet nicht jede Frage und lässt Konsequenzen im angemessenen Rahmen vermissen. Vielleicht soll man gerade diese selbst ausdiskutieren, auch im Sinne der Abschreckung hätte man sich aber hier mehr Deutlichkeit gewünscht.
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten

